Hat ein Betreuer eine geistig und körperlich schwerbehinderte Frau im Thermalbad Sole Uno geschändet? Diese Frage wurde bereits zum zweiten Mal vor dem Bezirksgericht Rheinfelden verhandelt (die AZ berichtete). 2015 wurde der Mann mit der Begründung, die Frau sei urteilsfähig, freigesprochen.

Das Obergericht hob das Urteil auf und wies das Bezirksgericht an, ein Gutachten zur Urteilsfähigkeit einzuholen. Die Gutachter attestierten der Frau eine Urteils- und Willensfähigkeit für einfache Fragestellungen – nicht aber für komplexe Bereiche wie die Einwilligung in sexuelle Handlungen. Vor diesem Hintergrund verurteilte das Gericht den Betreuer wegen Schändung zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten bedingt. Zudem muss er der Frau eine Genugtuung von 5000 Franken zahlen. (AZ)