Ein Leben ohne Tiere ist für Caroline Bohler kaum vorstellbar. Aufgewachsen ist die 32-Jährige in einem lange Zeit tierlosen Haushalt in einem Mehrfamilienhaus in Pratteln BL; einer Gemeinde, die stark von der chemischen Industrie geformt wurde. Der Kontrast zum heutigen Wohnort könnte fast nicht grösser sein. Vor zwei Jahren hat Bohler ein «Heimetli» im idyllischen Lampenberg gepachtet. Wer ins von der Landwirtschaft geprägte Baselbieter Dorf fährt, muss an Kirschbäumen vorbei den Berg hinauf. Ist man oben angekommen, strahlt die Sonne auf den Hausplatz, unter den Bäumen weidet Bohlers «Herde». Ponys, Pferde, Alpakas und Schafe leben einträchtig zusammen und verbringen einen Grossteil ihrer Zeit auf den Wiesen rund ums Haus.

Viel Abwechslung

Begrüsst werden Besucher von Hündin Yuma. Sie ist fast immer in Bewegung. Auch Caroline Bohler ruht sich selten aus. Ihr Morgen beginnt um 7 Uhr im Stall, danach führt sie «Ferienhunde» aus, bevor ihre eigentliche Arbeit bei der Tier-Spitex beginnt. Im Mai 2015 hat Bohler den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Die gelernte Tierarztgehilfin wurde während ihrer Arbeit immer wieder angesprochen, ob es nicht möglich sei, Hausbesuche zu machen. Die Gründung der Tier-Spitex war ein Risiko, in das die Geschäftsfrau alle ihre Ersparnisse gesteckt hat. Ihr Fazit heute: «Es hat sich gelohnt. Ich erhalte von den Kunden immer wieder positive Rückmeldungen. Das motiviert mich.»

Bohler ist ständig auf Achse: «Ich bin pro Jahr rund 50'000 Kilometer mit dem Auto unterwegs.» Sie liebt die Abwechslung, die ihr die Arbeit bietet. «Je hektischer es wird, desto ruhiger werde ich innerlich.» Dazu gehören auch spontane Nachteinsätze. «Wenn abends um 23 Uhr das Telefon klingelt, dann fahre ich auch um diese Zeit noch los.»

Hauptsitz in Kaiseraugst

Die Tier-Spitex hat ihren Hauptsitz in Kaiseraugst und betreut von dort und von Lampenberg aus das Fricktal, die Stadt Basel und das Baselbiet. Zwei weitere Filialen befinden sich im Berner Seeland und im Kanton Zürich. Unterstützt wird Bohler inzwischen von sechs Teilzeit-Angestellten. Die Geschäftsführerin ist ausserdem auf der Suche nach Personal, um künftig weitere Filialen eröffnen zu können.

Rund die Hälfte der Einsätze sind «Langzeit-Betreuungen» wie zum Beispiel die Verabreichung von Diabetes-Medikamenten. «Die meisten Tiere mögen es nicht, wenn sie eine Spritze bekommen, und nehmen die Schmerzen ihrem Tierhalter übel. Hier können wir Entlastung bieten.» Weitere Aufgaben der Tier-Spitex sind Verbandswechsel, Transporte zum Tierarzt, Betreuung während Spital- oder Ferienabwesenheit der Besitzer sowie ein Abhol- und Lieferservice für Medikamente, Futter oder Einstreu. Betreut werden «alle Tiere von Fisch bis Pferd», so Caroline Bohler. Es ist ihr wichtig, dass ihre Firma eine Ergänzung zum Tierarzt und keine Konkurrenz ist. «Wir arbeiten eng mit den Tierärzten zusammen.»

Emotionale Einsätze

Die Tier-Spitex wirkt auch mit der normalen Spitex zusammen. Caroline Bohler erinnert sich an einen ihrer bisher emotionalsten Einsätze. «Die Spitex hat mich informiert, dass ein älterer Herr schwer krank und deshalb nicht mehr in der Lage ist, mit seinem Hund, einem grossen Neufundländer, spazieren zu gehen. Ich habe dann mit dem Hund trainiert und der Mann hat einen Rollstuhl bekommen. So war es doch noch möglich, dass die beiden in den letzten Lebensmonaten des Mannes zusammen ihre täglichen Spaziergänge machen konnten.»

Die vergangenen Jahre waren anstrengend für Bohler. «Seit ich nicht mehr alleine bin, kann ich mein Handy auch mal mit gutem Gewissen ausschalten oder ein paar Tage in die Ferien fahren.» Lange ausruhen wird sie sich aber wohl nicht können. «Mein Traum ist es, dass die Tier-Spitex künftig schweizweit tätig sein könnte. Die Aufgabe wäre optimal zum Beispiel für gelernte Tierarztgehilfinnen, welche nach einer Familienpause den Wiedereinstieg in den Beruf suchen.»

Unterstützung hat Caroline Bohler inzwischen auch auf ihrem Hof. «Mein Partner ist auf einem Bauernhof aufgewachsen und liebt Tiere. Es ist ein schönes Gefühl, von ihm so viel Hilfe und Unterstützung zu bekommen.»