Die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP) hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die bis zu den Sommerferien verschiedene Organisationsmöglichkeiten für die Gymnasien im Kanton Basel-Landschaft ausarbeiten soll.

Ein Szenario dabei: Das Gymnasium in Muttenz wird nach 2028 geschlossen und dafür werden in Muttenz die Baselbieter Fachmaturitätsschulen (FMS) konzentriert (Lesen Sie hier).

Dieses Szenario hätte starke Auswirkungen auf das Fricktal. Laut Brigitte Jäggi, Rektorin des Gymnasiums Muttenz, besuchen aktuell 257 Schüler aus dem Fricktal das Muttenzer Gymnasium. Hinzu kommen 46 FMS-Schüler. Bei einer Gesamtschülerzahl von rund 800 Schülern entspricht dies rund 40 Prozent der Schülerschaft. «In den vergangenen Jahren hat sich die Anzahl der Fricktaler zwischen 40 und 45 Prozent eingependelt», so Jäggi.

Kanton Aargau ist informiert

Der Kanton Aargau hat Kenntnis über die Überlegungen des Baselbiets. Im Rahmen des Regierungsausschusses des Bildungsraums (AG, BS, BL, SO) tausche sich Bildungsdirektor Alex Hürzeler (SVP) regelmässig mit seinen Amtskollegen aus, sagt Simone Strub, die Mediensprecherin des Aargauer Bildungsdepartements.

Regierungsrätin Gschwind habe in diesem Kreis über die möglichen langfristigen Entwicklungen im Mittelschulbereich im Kanton Basel-Landschaft orientiert. «Der Kanton Aargau ist sich bewusst, dass die Fricktaler Schüler von den Plänen im Kanton Basel-Landschaft mitbetroffen sind.»

Doch wo könnten die Fricktaler Gymnasiasten künftig überhaupt unterrichtet werden? Im Vertrag der beiden Kantone heisst es: «Schulort ist in der Regel Muttenz, doch bleibt dem Kanton Basel-Landschaft im Zuge optimaler Klassenbildung die Zuteilung an ein anderes basellandschaftliches Gymnasium vorbehalten.»

Offen ist allerdings, ob gleich viele Fricktaler die längeren Schulwege nach Liestal, Münchenstein, Oberwil oder gar Laufen in Kauf nähmen. Eine Alternative wäre, das Gymnasium in Basel-Stadt zu besuchen, was gemäss einem bestehenden Abkommen ebenfalls möglich ist – heute aber weniger genutzt wird als die Variante Muttenz.

Nicht genügend Platz im Aargau

Die Aargauer Tagesmittelschulen hätten «heute nicht die räumliche Kapazität», um die Fricktaler Schülerinnen und Schüler aufzunehmen, sagt Simone Strub. Deshalb liege es im Interesse des Kantons Aargau, mit dem Baselbiet im Gespräch zu bleiben, «um vorausschauend gemeinsam auf nachhaltige Lösungen hinarbeiten zu können, die den Zugang zur Mittelschulbildung in allen Regionen sicherstellen».

Der Kanton Aargau stosse dabei im Kanton Basel-Landschaft und den ebenfalls betroffenen Kantonen Solothurn und Basel-Stadt auf offene Ohren, betont Strub. «Dieser offene Austausch auf Regierungsebene und der langfristige Planungshorizont ermöglichen es den Beteiligten, frühzeitig und ergebnisoffen Überlegungen zu verschiedenen Optionen anzustellen.»

Auch Brigitte Jäggi weist darauf hin, dass verschiedene Optionen geprüft werden. Sie sagt aber auch: «Als Rektorin des Gymnasiums Muttenz würde ich einer Zentralisierung der FMS und einer Aufgabe des gymnasialen Standorts in Muttenz mit grossem Bedauern entgegensehen.» Das Gymnasium Muttenz sei eine innovative und zukunftsorientierte Schule. «Mit dem Selbstlernsemester und der Digitalisierung nehmen wir die Ansprüche unserer Lernenden an eine zeitgemässe Bildung ernst und bereiten die Schüler bestens auf ein Studium vor.»