Wann immer ich in den letzten Wochen den Wetterbericht abrief, dachte ich: Wenn das nur gut kommt. Das Land ächzte unter der Hitze, ohne absehbares Ende. Unter diesen Bedingungen wandern, das macht doch niemand freiwillig! Und vor allem: Kann man das machen, ohne sich selbst zu gefährden durch Hitzschlag, Dehydrierung und Sonnenstich?

Man kann. Dass Wanderer wissen, was sie ihrem Körper zumuten können und wann sie besser im Schatten und ohne Bewegung verbleiben, zeigte das Leserwandern auch dieses Jahr. Bei eineinhalb tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist statistisch gesehen und vor allem in der Vorstellung die Chance gross, dass sich jemand überschätzt, schwach wird wegen der Hitze und aus Unaufmerksamkeit stolpert, vielleicht einen Misstritt macht. Doch: Nichts.

Dass auf der zweiten Etappe bei Grellingen BL zwei Wanderer stürzten, lag nicht daran, dass es heiss war, sondern glitschig. Ihnen geht es gut, sie nahmen an weiteren Wanderungen teil. Ein grosser Dank an dieser Stelle allen Wanderinnen und Wanderern, die stets auf sich und die anderen acht gaben, aber auch den Wanderleiterinnen und Wanderleitern, die ihre Gruppen von bis zu 230 Wanderern (Teilnehmerrekord auf der ersten Etappe) sicher ans Ziel führten – stets in einem Tempo, das der Hitze, aber auch dem Alter (vom Kleinkind bis zum 96-Jährigen) angemessen war.

Wandern schreibt Geschichten

Wandern verbindet. Gemeinsam schwitzt man, macht man Trinkpausen, stösst man auf dem Gipfel an. Gemeinsames Wandern schreibt Geschichten. Kleine Geschichten, Anekdoten eben, die wir auf den Wanderungen mitbekamen oder die uns jemand erzählte. Die wir sammelten und am nächsten Tag in der Zeitung brachten und online stellten. Und an die wir uns auch heute, einen Tag nach der letzten Wanderung gestern von Killwangen-Spreitenbach nach Dietikon, nach 15 Etappen und 150 Kilometern, gerne erinnern.

So war auf der zweiten Etappe eine Person mit dem Namen Heiner Studer als prominenter Mitwanderer angemeldet, die andere nicht. Ein Heiner Studer ist alt Nationalrat der EVP aus dem Aargau, der andere FDP-Kantonsrat aus dem Kanton Solothurn. Sie kannten sich nicht, doch fast die gesamte Wanderung schwatzten die Namensbrüder zusammen.

Stundenlang barfuss, im Auto oder allzu nah an einem Unglück: prägende Wandererlebnisse

Am Mittwoch starteten rund 230 Leute zur ersten Etappe unserer diesjährigen Leserwanderungen. Während der Route von Villnachern über den Bözberg nach Effingen haben wir die prominenten und weniger prominenten Wanderer nach ihren prägendsten Wandererlebnissen gefragt – und erstaunliche Geschichten zu hören bekommen.

Aus dem Aargau, aus Zürich gar reisten prominente Gäste zur Königsetappe im solothurnischen Bucheggberg an. Es irrt, wer denkt, sie hätten einen weiteren Weg als die Solothurner auf sich genommen. Denn der Kanton ist verwinkelt. Der Grünen-Kantonsrat Daniel Urech aus Dornach musste bereits um 7 Uhr auf den Zug, um zum Wanderstart um 9 in Lohn zu sein.

102 Leserwanderer waren es auf der Abendwanderung nach Zuchwil SO – und ebenso viele Lebensgeschichten. Eine davon erzählte vom 67-jährigen Teilnehmer, dem das Wandern den Weg aus einer schweren Krankheit ebnete. Und neben der neu gewonnenen Gesundheit hat er auch die Wanderfreude entdeckt.

Nationalrätin Maya Graf (BL) und Önologe Christian Voser stiessen auf der Froburg mit etwas Weissem an und lachten über ihre erste Begegnung. Vor drei Jahren auf einer Leserwanderung lud Voser auf ein Glas ein, ohne zu wissen, wer sie war. «Sie haben mir fast den Wein wieder weggenommen, als ich sagte, ich sei eine Grüne!», erinnert sich Graf. Seither prosten sie sich jedes Jahr auf einer Leserwanderung fröhlich zu.

Leserwandern: die Hitzetipps der Promis

Leserwandern ist bei diesen Temperaturen eine heisse Sache. Auf der 12. Etappe von Bad Zurzach nach Döttingen haben wir einige prominente Mit-Wanderer gefragt, wie sie die Hitze am besten meistern.

Der Aargauer Regierungsrat Markus Dieth empfahl auf der Etappe im Unteren Aaretal, viel Wasser zu trinken, früh aufzustehen und es gemütlich zu nehmen bei dieser Hitze. «Man sollte sich nur so viel bewegen, wie nötig.» Dass er eine Leserwanderung für «nötig» hielt, freute uns natürlich sehr.