Ein 61-jähriger Menziker (61) hat Besuch. Plötzlich findet er seinen Gast (53) mit geschlossenen Augen in einem Sessel im Wohnzimmer sitzen. Erst habe er gedacht, der Freund schlafe, doch er atmete nicht mehr. Es ist wohl ein Herzstillstand. Der Menziker wählt sofort den Notruf – und beginnt mit einer Herzmassage.

So erzählt es der Aargauer dem Blick, der die Geschichte am Samstag publik gemacht hat. Der 61-Jährige versucht das Leben seines Gastes zu retten. Die Notrufzentrale gibt den Takt der Massage vor – übers Telefon. Die Minuten verstreichen, der 61-Jährige fragt ins Telefon, wann denn endlich die Ambulanz komme: «Immer wieder fragte ich, wenn sie endlich da sind. Sie sagten nur: ‹Bald›», erzählt der Aargauer dem Blick.

Nach 14 Minuten kam die Polizei

Isabell Wenzinger, Sprecherin des Kantonsspitals Aarau erklärt gegenüber der az: Der Notruf habe die verfügbare Sanität an jenem Tag um 18 Uhr in Kölliken erreicht. Um 18.14 Uhr sei die Polizei mit einem Defibrillator in der Wohnung eingetroffen und um 18.26 die aufgebotene Sanität.

Doch warum dauerte es so lange? Das Spital Menziken liegt doch nur wenige Hundert Meter von der Wohnung entfernt? 

«Das Rettungsteam in Menziken war besetzt. Deshalb wurde ein freies Team des Spitals Zofingen aufgeboten, das sich zum Zeitpunkt des Alarms in Kölliken befand», so Wenzinger. Kölliken liegt 20 Kilometer von Menziken entfernt.

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Der kollabierte Gast wurde schliesslich von den Sanitätern aber nicht ins Spital Menziken gefahren sondern ins Kantonsspital Aarau. Auch Aarau liegt über 20 Kilometer von Menziken entfernt. 

In welches Spital ein Patient gebracht wird, hängt von der medizinischen Einschätzung ab, so Wenzinger, also davon, welche medizinische Versorgung ein Patient benötigt.  

Am Kantonsspital in Aarau wird der Patient am Abend für tot erklärt.

Der 61-jährige Menziker ist traurig über den Verlust seines Freundes und entsetzt. Sein Vorwurf: «Mein Freund wurde nicht so behandelt, wie es in unserem Gesundheitssystem eigentlich vorgesehen ist.»

Auf die Frage, warum kein Rettungshelikopter zum Einsatz kam, sagt Wenzinger: "Ein Helikopter ist grundsätzlich nicht schneller. Das hängt von Verfügbarkeit, Witterungsbedingungnen und Landesituation ab."