Der Angreifer sei kein Mensch gewesen, "der Befehle und Anweisungen von Terrororganisationen hätte befolgen können, insbesondere vom Islamischen Staat" (IS), sagte Frankreichs Innenminister Gérard Collomb bei einem Besuch am Tatort in der Stadt Trappes am Donnerstag. Zuvor hatte die IS-Miliz über ihre Propaganda-Agentur Amak mitgeteilt, der Täter sei einer ihrer "Kämpfer".

Collomb bestätigte zwar, dass der 36-jährige Angreifer den Behörden wegen "Verherrlichung des Terrorismus" bekannt gewesen sei. Hinweise auf ein terroristisches Motiv gebe es aber bisher nicht. Deshalb schaltete sich anders als bei Islamisten sonst üblich auch vorerst nicht die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft in Paris ein.

"Der Kriminelle hatte ernste psychische Probleme", sagte der Innenminister. Er habe seine Mutter in deren Haus in Trappes getötet und sei mit einem Messer auf weitere Menschen losgegangen.

Nach Angaben aus Ermittlerkreisen handelt es sich bei der zweiten Toten um die Schwester des Angreifers. Collomb sagte, dass es sich beim Täter um "Sohn und Bruder" der beiden Getöteten handelte. Zur Identität des Schwerverletzten gab es zunächst keine Angaben.

Anwohner glauben an Familiendrama

Die Polizei sperrte die Gegend um den Tatort weiträumig ab. Ein Helikopter überflog das Gebiet, auch Spezialisten zum Entschärfen vom Sprengstoff waren demnach vorübergehend im Einsatz.

Anwohner gehen von einem Familiendrama aus. Mehrere Nachbarn sagten, der Täter lebe von seiner Frau getrennt und habe seine Kinder schon länger nicht gesehen. "Das ist kein Terrorist, das ist ein Mensch, bei dem die Sicherungen durchgeknallt sind", sagte ein 59-Jähriger, der nahe des Tatorts wohnt und den Angreifer nach eigenen Worten gut kennt.

Der Angriff ereignete sich in einem Wohnviertel mit Reihenhäusern. Die Präfektur betonte auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter, Eliteeinheiten der Polizei seien nicht im Einsatz gewesen. Dies hatten Polizeikreise zunächst berichtet.

Keine Akzeptanz der Grundregeln

Trappes gut 30 Kilometer westlich von Paris gilt als eine Hochburg von Salafisten in Frankreich. Die Stadt mit gut 30'000 Einwohnern hat eine Arbeitslosenquote von rund 20 Prozent.

Rund 50 ihrer Einwohner reisten nach Angaben der Behörden seit 2013 nach Syrien und in den Irak aus, um dort zu kämpfen. Die Regierung hat die Stadt auf eine Liste mit rund 30 Problemgemeinden gesetzt, in denen die Grundregeln der Republik nicht mehr respektiert werden.

Frankreich ist durch eine Serie islamistischer Anschläge mit 246 Toten seit Januar 2015 traumatisiert. Zwei Attentate ereigneten sich in diesem Jahr: Im Mai erstach ein gebürtiger Tschetschene in einem Ausgehviertel nahe der Pariser Oper einen Menschen.

Im März tötete ein Islamist in den Städten Carcassonne und Trèbes in Südfrankreich vier Menschen. Mehr als 50 Attentate wurden in den vergangenen dreieinhalb Jahren nach Angaben der Behörden vereitelt.