Die neue X-Klasse wagt den Spagat zwischen zwei Welten: Einerseits will sie ein echter Mercedes sein, also folglich Luxus, Stil und Komfort bieten, andererseits soll der Pick-up aber auch ein echter Büezer sein: vielseitig, robust und jeder Aufgabe gewachsen.
Wie gut sich die X-Klasse zwischen den beiden Welten zurechtfindet, soll sie als X250d 4matic im Test beweisen. Der Pick-up soll nicht nur in der Stadt und auf der Autobahn zeigen, dass er als Alltagsauto taugt. Er soll sich auch bei einigen kleinen Transportaufgaben bewähren.
Den Alltag meistert der grosse Lastenträger angenehm unaufgeregt. Dazu trägt zunächst einmal der Innenraum einen grossen Teil bei. Zwar sieht der Kenner im Bereich von Klimaanlage und Wählhebel, dass die X-Klasse aus einer Kooperation mit Nissan stammt und sich folglich viele Komponenten mit dem Navara teilt, doch ist es Mercedes gelungen, den Pick-up mit Stern deutlich abzuheben. Das elegant geschwungene Armaturenbrett mit aufgesetztem Navi-Monitor sowie Lenkrad und Armaturen im typischen Stil der Marke machen die X-Klasse unverkennbar zum Mercedes. Nur der billig wirkende Schlüssel aus Hartplastik passt nicht ganz in dieses Bild; dank Keyless-Go-System kann er aber ohnehin in der Hosentasche bleiben.

Auf der Strasse verwöhnt die X-Klasse mit guter Übersicht durch die hohe Sitzposition und erhabenem Fahrgefühl. Das Fahrwerk mit starrer Hinterachse lässt zwar keine Zweifel aufkommen, dass es sich bei der X-Klasse um einen harten Burschen handelt, an Komfort fehlt es aber keinesfalls. Der auf solidem Leiterrahmen aufbauende Fünfplätzer federt auch grössere Unebenheiten durchaus angenehm weg. Dass ihm sein hohes Gewicht gut 2,2 Tonnen in Kurven deutlich anzumerken ist, gehört zum Konzept und ist nicht weiter störend.

Auch ein schwer beladener Anhänger bringt die X-Klasse indes nicht aus der Ruhe. Mit einer maximalen Anhängelast von bis zu 3,5 Tonnen kann der Pick-up also problemlos auch für grössere Transporte eingesetzt werden; Pferdeanhänger, Wohnwagen, Boots- oder Autotransporte packt er locker. Und bietet dabei noch reichlich Platz auf der Ladefläche. Die X-Klasse vermag im Test also zu beweisen, dass sie vor harten Aufgaben keineswegs zurückschreckt.

Blick unter die Haube
 
Derzeit ist die X-Klasse lediglich mit einem 2,2-Liter-Turbodiesel in zwei Leistungsstufen zu haben: 163, oder wie im Test 190 PS. Der zuschaltbare Allradantrieb ist bei beiden mit an Bord. Während die Basismodelle ausschliesslich mit 6-Gang-Handschaltung zu haben sind, tritt der Testwagen mit einer passend abgestuften 7-Gang-Automatik an. Sie schaltet weich und findet die richtigen Gänge. Das passt gut zum 4-Zylinder-Diesel. Der wirkt mit 190 PS und 450 Nm Drehmoment kräftig genug, um den Pick-up durch den Alltag zu bringen.

Das Werk nennt einen Durchschnittsverbrauch von 7,9 l/100 km, was man mit vorausschauender Fahrweise auch durchaus erreichen kann. Im Testschnitt mit zeitweisem Anhängerbetrieb waren es schlussendlich knapp neun Liter auf 100 Kilometer, was für einen Pick-up dieser Grösse durchaus sparsam ist. Allerdings wirkt der Vierzylinder mit einem schweren Hänger nicht mehr so souverän. Wer öfters schwere Lasten an den Haken nimmt, sollte sich besser noch etwas gedulden und auf den V6-Diesel mit 258 PS und 550 Nm warten.

Die Preise für die neue X-Klasse starten bei rund 41 000 Franken; für den V6 steht noch kein Preis fest.