Ein Roadster lebt von den Emotionen. Man erlebt nicht nur die Umwelt viel intensiver, sondern auch das Auto: Fahrtwind und nicht zuletzt der Klang des Motors machen das Fahrerlebnis noch unmittelbarer.
Was passiert, wenn man einen Roadster seines Klangs beraubt, ist bisher noch grösstenteils unbekannt. Bis auf jene, die einen der wenigen Tesla Roadster bewegt haben, kennt keiner das Gefühl, geräuschlos und offen unterwegs zu sein. Vor der ersten Ausfahrt in Mallorca mit dem neuen BMW i8 Roadster herrscht also Spannung. Das Dach faltet sich bei bis zu 50 km/h in 15 Sekunden in den Verdeckkasten hinter den Sitzen; dort wird es senkrecht verstaut statt wie üblich bei Cabrios waagrecht. Der Grund dafür: Der i8 war bei seiner Grundkonstruktion nie als offene Variante vorgesehen; so musste man nicht nur beim Verdeck tricksen, sondern auch die Rücksitze opfern. Während das Coupé weiterhin als 2+2-Sitzer ausgelegt ist, ist der Offene ein echter Roadster mit nur zwei Sitzen; dafür gibt es hinter Fahrer und Beifahrer 100 Liter zusätzlichen Stauraum.

Hochfahren statt anlassen
Dass es sich beim i8 nicht um einen konventionellen Roadster handelt, wird spätestens beim Druck auf den Startknopf klar. Kein Aufheulen, kein Röhren, sondern nur ein digitales «Pling» aus dem Lautsprecher; das klingt mehr nach «Computer hochfahren» als nach «Sportwagen anwerfen» und wirkt auch heute noch, den i8 gibt es schon seit 2013, sehr futuristisch.
Mit dem Facelift und der Lancierung des Roadsters hat BMW nicht nur die Optik sanft retuschiert, sondern auch die Technik überarbeitet. Statt wie bisher 35 sind nun laut Werksangabe bis zu 53 Kilometer rein elektrische Fahrt möglich. Lautlos rollt der i8 vom Hof auf die kurvigen Küstenstrassen der Baleareninsel. Und sofort ist klar: Die Absenz des Motorklangs ist kein Verlust, sondern vielmehr der Eintritt in eine neue Welt.
Man hört die Vögel zwitschern und die Blätter in den Bäumen rauschen, während der E-Motor an der Vorderachse den Hybrid-Sportwagen vorantreibt. Der leistet nun 143 statt wie bisher 132 PS; das maximale Drehmoment von 250 Nm steht ansatzlos bereit, sodass sich der trotz vieler Karbonteile immerhin 1670 kg schwere Roadster auch im E-Modus flott anfühlt und bis zu 120 km/h rein elektrisch schafft. Kurzstreckenfahrten sind also problemlos rein elektrisch zu machen, zumal der E-Antrieb beim Bergabfahren fleissig rekuperiert und Strom zurück in den Akku fördert.

Eingespieltes Team
Solls noch fixer vorangehen, schaltet sich der 3-Zylinder-Benziner hinter den Passagieren zu; im Sportmodus bleibt er durchgängig aktiv. Aus nur 1,5 Litern Hubraum schöpft er 231 PS und 320 Nm maximales Drehmoment. Total bietet der i8 Roadster damit 374 PS und eine dank elektrischer Unterstützung sehr direkte Gasannahme. Das passt vor allem auf den engen und verwinkelten Bergpisten auf Mallorca gut. Aus engen Kehren hinaus beschleunigt der Bayer zügig und dank Allradantrieb – der Benziner treibt die Hinterachse an, der E-Motor die Vorderachse – ohne Traktionsprobleme. Nur beim Wechsel zurück in den E-Modus ist ab und an ein leichtes Loch spürbar, bevor der Vortrieb wieder einsetzt.
Nebst dem Antrieb wurde das Fahrwerk gründlich überarbeitet. Sportlicher sollte der i8 werden, ohne dabei an Komfort einzubüssen. Denn bisher konnte der Zukunftssportler zwar
mit seinem Fahrkomfort überzeugen, wurde seiner Optik aber nicht ganz gerecht, wenn es ums flotte Kurvenfahren ging. Er wirkte eher zu weich und etwas undefiniert. Das ist Vergangenheit. Dank neuer Abstimmung von Federn und Dämpfern und optional erhältlichen, breiteren Reifen (215er vorn, 245er hinten), wirkt die Flunder nun deutlich agiler. Durch die perfekte Balance ist die Strassenlage sehr satt, die direkte Lenkung sorgt für flinkes Einlenken. Zusammen mit dem drehmomentstarken Antrieb sorgt dies auf kurvigen Strecken für viel Fahrspass.

Näher an der Technik
Bleibt die Frage nach dem Klang. Natürlich kann es der kleine Dreizylinder nicht mit stimmgewaltigen Sechs- oder Achtzylindermotoren aufnehmen. Daran ändert die elektronische Unterstützung, die das Motorgeräusch über die Lautsprecher im Innenraum künstlich verstärkt, nichts. Aber: Der i8 klingt ansprechend. Gerade als Roadster. Denn durch das fehlende Dach sitzt man näher an der Technik und bekommt ungefiltert mit, wie sie arbeitet. Beim Anbremsen auf Kurven ist deutlich zu hören, wie der E-Motor Strom generiert.
Und auch beim rein elektrischen Fahren macht sich die E-Maschine durch ein Säuseln bemerkbar. Kein klassischer Sportwagen-Klang, dafür eine völlig neue, ebenso faszinierende Klangwelt; das passt perfekt zum futuristischen Konzept. Um dieses weiter zu unterstreichen, hat man sich bei BMW alle Mühe gegeben, dem i8 auch als Roadster seine auffälligen Flügeltüren zu lassen.
Dafür wurde auch der Scheibenrahmen komplett aus Karbon gefertigt; durch zwei zusätzliche Streben an den an sich rahmenlosen Türen können die Türen weiterhin nach oben aufschwingen. Für mehr Komfort im Innenraum wurde zwischen den beiden Höckern auf dem Heck eine versenkbare Glasscheibe integriert. Sie dient bei offenem Dach als Windschott, kann aber auch bei geschlossenem Verdeck geöffnet werden; so kann man die neue Klangwelt auch bei Regen geniessen.
Nach einem Tag mit vielen zügigen Passfahrten über die Serres de Llevant und die Serra de Tramuntana zeigt die Verbrauchsanzeige einen Durchschnitt von 7,8 l/100 km. Das ist, gemessen am Fahrspass, in Ordnung, zumal die Batterie Kapazität für ein paar Kilometer rein elektrische Fahrt übrig hat; sie wird während der Fahrt durch den Benziner und das Rekuperieren stetig nachgeladen. Wer im Alltag oft lädt – an der Steckdose zu Hause dauert das Volladen gut vier Stunden –, kann sich Stück für Stück an den Normverbrauch von 2 l/100 km herantasten.
Der i8 Roadster kostet ab 177 900 Franken; ein happiger Aufpreis von 18 000 Franken zum weiterhin erhältlichen Coupé. Gemessen am Fahrerlebnis ist dieser Zuschlag eine Überlegung wert.