Es war ein willkommener Brief, den der Pöstler am Montagmorgen in die Mattenstrasse 74/76 brachte: Ein Einschreiben für die Mieterinnen und Mieter der Basler Liegenschaft mit dem Bescheid, dass ihr Einspruch Gehör gefunden hat: Das Baugesuch der Eigentümer wurde abgelehnt, die Wohnungen werden also vorerst nicht abgerissen. Für die Mieterschaft ist die Nachricht ein Lichtblick in einer jahrelangen Diskussion mit den Eigentümern, dem Vinzenz-Verein St. Marien.

Während der Verein die historischen Häuser zugunsten eines Neubaus abreissen möchte, wehren sich die Mieterinnen und Mieter vehement dagegen. Sie argumentieren unter anderem mit der denkmalwürdigen Bausubstanz und dem Erhalt von günstigem Wohnraum und einer sozialen Gemeinschaft.

Der Schritt an die Öffentlichkeit

Im März dieses Jahres wandte sich die Mieterschaft mit ihrem Anliegen an die Öffentlichkeit. Sie reichte eine Petition mit 4 000 Unterschriften ein, ging an die Presse und hängte ein grosses Transparent an die Hauswand. Auf dem Transparent stand: «Durch Weisheit wird ein Haus gebaut und durch Verstand erhalten.» Es sind die Worte Salomons, die dort prangten. Sie richteten sich direkt an den katholischen Vinzenz-Verein, der seinen Statuten zufolge soziale und christliche Ziele verfolgt.

Demgemäss hat der Verein auch angekündigt, günstigen Wohnraum für finanziell schwächere Personen zur Verfügung zu stellen. Die Mieterinnen und Mieter der Mattenstrasse bezweifeln dieses Vorhaben laut ihrer Website allerdings und sind ausserdem der Ansicht, dass diese Ziele «auch unter Einbezug der noch bestehenden Mieterschaft» verfolgt werden sollten.

Abreissen und neu bauen

Der Verein möchte die beiden Häuser abreissen und an ihrer Stelle einen Neubau errichten. Die bisherigen Pläne sahen 21 Wohnungen und 70 Quadratmeter Gewerbefläche im Erdgeschoss vor. Zu diesem Zweck erstellte er im Juli 2017 ein entsprechendes Baugesuch. Einen Monat später gingen beim Bau und Gastgewerbeinspektorat (BGI) 120 Einsprachen ein.

Nach einjähriger Prüfung erreichte der Entscheid die Mieterinnen und Mieter am Montagmorgen unvermittel: «Wir haben heute Morgen nicht damit gerechnet, da nicht bekannt war, wann der Entscheid gefällt wird. Aber wir sind natürlich sehr erfreut darüber», sagt Jonas, Bewohner der Mattenstrasse. Erstaunt sind er und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter aber nicht über den Entscheid. «Für uns ist ganz klar, dass die Häuser denkmalschutzwürdig sind und die Parzelle nicht für einen Neubau geeignet ist, da sie teilweise in der Ortsbild-Schutzzone liegt. Wir sind aber sehr froh, dass das BGI das auch so sieht», sagt Jonas.

Vieles ist schützenswert

Laut dem schriftlichen Einsprachenentscheid, welcher der bz vorliegt, begründet sich die Ablehnung des Baugesuchs hauptsächlich auf drei Faktoren: Erstens befindet die kantonale Denkmalpflege, dass «das öffentliche Interesse an der Erhaltung des sich in der Schutzzone befindlichen Gebäudes überwiegt».

Dies führt zum zweiten Faktor, da die Schutzzone nur durch die Abparzellierung zu umgehen wäre, diese allerdings wird von der Bodenordnungskommission abgelehnt wurde. Drittens hiess die Stadtgärtnerei einige Einsprachen, welche den Baum- und Tierbestand im Innenhof betreffen gut.

Angebote der Mieterschaft

Welche Folgen die Ablehnung des Baugesuchs haben wird, ist bislang allerdings noch unklar. Die Mieterschaft hofft, dass der Verein-Vinzenz durch diesen Entscheid nun eher bereit sein wird auf ihre Angebote einzugehen.

Den Sommer über haben sie wiederholt das Interesse daran bekundet, die Häuser genossenschaftlich aufzukaufen oder einen jährlichen Baurechtszins von 30 000 Franken zu bezahlen. Der Präsident des Vinzenz-Vereins, Dominik Büchel, wollte gestern noch keine Fragen zum weiteren Vorgehen beantworten.