Noch präsentiert sich das Parterre Basel als Baustelle. Und dabei sollte doch in zwei Wochen der grosse Abschluss der Umbauarbeiten, die 2016 ihren Anfang nahmen, gefeiert werden: Doch bauliche Verzögerungen machen Geschäftsführer Peter Sterli und seinem Team einen Strich durch die Rechnung.

Immerhin steht das inhaltliche Gerüst des Parterre One Music – so heisst das Lokal an der Klybeckstrasse offiziell, auch wenn das noch nicht in den Köpfen der Bevölkerung angekommen ist. Das soll sich ändern, mit der Wiedereröffnung des Restaurants präsentiert sich das Herzstück des Unternehmens durchlässiger: Sterli möchte Restaurant, Bar und Club näher zusammenführen.

Zu oft prallten unterschiedliche Stile und Publika aufeinander

Damit das gelingt, gilt es bestehende Kinderkrankheiten zu überwinden. In den ersten zwei Saisons des umgebauten Konzertlokals suchte das Parterre noch seine neue Rolle im Basler Kultur- und Ausgehangebot.

Hohe Fluktuationen beim Personal zeugten von Verunsicherung und Unstimmigkeiten im Betrieb. Im Barbereich etwa mangelte es mitunter am Feingefühl für leise Konzerte. Und die Erweiterung des Partyprogramms floppte in der ersten Saison. Zu oft prallten da unterschiedliche Stile und damit auch Publika aufeinander. So kam es vor, dass auf eine filigrane Singer-Songwriterin eine fette Hip-Hop-Party folgte.

Aus diesen Fehlern will man lernen. In Zukunft sollen DJ-Sessions inhaltlich wenn möglich an die Konzerte anknüpfen. Und wenn der Kontrast nicht zu vermeiden ist, will man zumindest mit einer zeitlichen Zäsur dafür sorgen, dass sich Konzertbesucher und Partypeople nicht in die Quere kommen.

Die stillistische Erweiterung ist auffallend

Was das Programm angeht, so hat das Parterre aufgerüstet. Die Quantität an Veranstaltungen hat markant zugenommen. Waren es früher zwei, drei Abende pro Woche, so hat der aufopfernd-engagierte Programmverantwortliche Robert Vilim die Anzahl verdoppelt – und mittlerweile personell Verstärkung erhalten, um die ambitionierten Ziele der Geschäftsleitung zu erfüllen. Peter Sterli sprach schon 2016 von einem 7-Tage-Programm. In der neuen Saison nähert man sich diesem Ziel.

Zu etablierten Formaten wie dem Songwriter Slam haben sich neue Reihen gesellt: Vom Openlist Slam Basel, dem Nachwuchsformat im Bereich Slam Poetry bis zu Konzerten im Bereich World Music und Klassik.

Auffallend ist, wie das stilistische Spektrum erweitert wird. Da sind zwar immer noch Singer-Songwriter wie zum Beispiel die Schwedin Sophie Zelmani, die dem Parterre über die Jahre ein Stammpublikum beschert haben und es zu einer erstklassigen Anlaufstelle in diesem Bereich gemacht haben.

Ein Pionier an den Plattentellern kommt

Doch wartet der Club auch mit urbanen Sounds auf, im Konzert- wie auch im DJ-Segment. Volles Haus darf man erwarten, wenn Shantel seine Balkan Beats spielt oder der erfolgreiche Hamburger Sänger Jan Delay als DJ Flashdance zur Party lädt. Mit Grandmaster Flash kommt ein Pionier an den Plattentellern.

Und wenn wirs schon vom Hip-Hop haben: Coolio, der Mann, der in den 90er-Jahren «Gangsta’s Paradise» rappte, wird mit Band erwartet. Neue Töne schlägt das Parterre mit der erfolgreichen deutschen Sängerin Namika an, die mit ihrem «Lieblingsmensch» vor drei Jahren die Spitze der deutschen Charts eroberte. An solchen Abenden dürfte die maximale Besucherkapazität von 250 Personen ausgeschöpft werden.

Für die stilistische Bandbreite sind neben Vilim auch Nic Plésel und Lawrence Pawelzik verantwortlich. Sie treffen sich jeden Dienstag, ebenfalls dabei ist Tanja Schmid, die das Programm im Atlantis betreut.

«Back to the Roots»

Denn, man konnte es lesen: Das Parterre übernimmt die Pacht des Atlantis. Als wäre der Ausbau des hauseigenen Bühnenbetriebs nicht genug, halst man sich also gleich noch eine zweite Verantwortung auf. Und das nicht zu knapp. Nach dem «-tis»-Konzept gefragt, sagt Peter Sterli: «Back to the Roots».

Zurück zu den Wurzeln also, zum Konzept, mit dem das Atlantis selber zur Legende wurde: Jeden Tag Livemusik. Das strebe man ab Januar an. Doch bis dahin ist das Atlantis noch Zukunftsmusik, zuvor lanciert das Parterre am 6. September mit dem Auftritt der US-Rapperin Bahamadia seine eigene Saison.