«Mir ist es wichtig, dass Ihr alle auch daran denkt, dass ich ein Mensch bin, und nicht nur der Pädophile, von dem alle reden. Ich habe in den letzten Jahren versucht, den moralischen Vorgaben der Gesellschaft zu genügen», betonte der 57-jährige Mann am Mittwoch vor dem Basler Strafgericht in seinem Schlusswort. Zuletzt war er im Jahr 2008 im Kanton Bern wegen sexueller Nötigung, sexuellen Handlungen mit Minderjährigen sowie wegen Besitzes von Kinderpornos zu einer Strafe von 35 Monaten verdonnert worden.  

Allerdings wurde diese aufgeschoben zugunsten einer stationären Massnahme, die nicht an die Strafdauer gebunden ist. Die Massnahme dauerte saftige elf Jahre. Seit Mai 2017 war er wieder auf freiem Fuss.

Kämpft auf Blogs

Inzwischen kämpft er auf Blogs gegen die «Präventivhaft», wie er die sichernden Massnahmen nennt. «Ich habe schon mehr als elf Jahre im Freiheitsentzug verbracht für eine Strafe von 35 Monaten. Das ist mehr als traumatisch», sagte er.

Am Mittwoch sass er erneut vor Gericht, weil er die diversen Weisungen nach seiner bedingten Entlassung nicht beachtet hatte: Er muss sämtliche internetfähigen Geräte inklusive Passwörter den Vollzugsbehörden melden, darf seinen Browserverlauf nicht löschen und keinerlei Kontakt zu Minderjährigen aufnehmen.

50 Videos und 4000 Fotos

Gar nicht gefallen hatte den Behörden, dass er mit einem Kumpel ein Wochenende verbrachte und dort im Swimming-Pool Kontakt mit dessen elfjährigen Sohn hatte. Sein älterer Bruder war früher ein Opfer der Übergriffe des Mannes geworden. Auch das Herumtreiben in einer Chatgruppe namens «Boylover» brachte ihm keine Punkte.

Hauptpunkt waren aber Kinderpornos auf seinen Rechnern: Etwa 50 Videos und knapp 4000 Fotos fanden die Ermittler bei ihm, seit März 2018 sitzt er deshalb wieder in Haft. Dazu kamen noch weitere Delikte im Strassenverkehr sowie eine Rangelei mit der Polizei. Verteidiger Christoph Dumartheray argumentierte, die derzeitige Balthus-Ausstellung zeige, dass die Abgrenzung zwischen Kunst und verbotener Pornographie manchmal schwierig sei: Man dürfe beim Angeklagten nur aufgrund seiner Vorgeschichte nicht andere Masstäbe anlegen.

Prognose «miserabel»

«Von mir geht keine Gefahr aus. Ich versichere Ihnen, dass ich auch punkto Kinderpornographie jetzt ein gebranntes Kind bin», meinte der Mann dazu.
Staatsanwältin Eva Eichenberger hingegen sah einen klaren Rückfall, der Mann müsse deshalb wieder zurück in die stationäre Massnahme: Die Legalprognose sei «miserabel». Das Dreiergericht verzichtete darauf und verhängte eine reguläre, unbedingte Freiheitsstrafe von 17 Monaten. Die gesamten Auflagen bleiben bestehen, ebenso das Kontaktverbot zu Minderjährigen. Auch soll die Bewährungshilfe ein Auge auf den Mann werfen.

Das Urteil kann er noch weiterziehen, der Verteidiger hatte ein tieferes Strafmass von fünf Monaten gefordert. Allerdings kann auch die Staatsanwaltschaft den Fall weiterziehen, dann eröffnet sich wieder die Möglichkeit einer stationären Massnahme von unbekannter Dauer.