Tatsächlich bieten diese Themen viel Stoff für hitzige Diskussionen. Beide Debatten führten in den vergangenen Wochen zu verhärteten Fronten. Statt eines gesitteten Dialogs gab es vor allem auf den sozialen Medien Beleidigungen. Höchste Zeit also für eine sachliche Diskussion, in der sich beide Seiten zuhören und ausreden lassen.

Diskussion ohne Kontroverse

Am Donnerstagabend sass allerdings eine sehr einheitliche Diskussionsrunde auf dem Podium. Serena Dankwa und Jovita Pinto vom Netzwerk «Black She», der Zeal&Ardor-Sänger Manuel Gagneux, der die Rassen-Thematik in seiner Musik immer wieder verhandelt und der emeritierte Professor für Geschichte Georg Kreis waren die Gäste. Als potenzielle Gegenstimme wurde der Telebasel-Mann und leidenschaftliche Fasnächtler Adrian Plachesi eingeladen. Die Moderation übernahm Andrea Fopp, Journalistin bei der «Tageswoche».

Im Publikum sassen viele junge Leute, Studierende, Menschen aus der Basler Kulturszene, einige Schwarze. Der ehemalige Club war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Diskussion verlief dementsprechend weitestgehend einstimmig.

Plachesi, der als Sympathisant des Solidaritätsmarschs eingeladen worden war, nahm gleich zu Beginn den Wind aus den Segeln. In seinem ersten Statement distanzierte er sich von dem Marsch und stellte klar, dass er nicht als Vertreter von «Negro-Rhygass» auftrete. Ausserdem machte er seine Traurigkeit darüber kund, wie heftig diese Debatte geführt wurde. Als Fasnächtler treffe ihn das sehr, sagte Plachesi.

Somit war der Ton der Diskussion angegeben. Es folgte ein interessantes Gespräch über Medienkritik, Rassismus im Alltag, Sexismus in Social Media, Gewalt an Frauen und gegenseitiges Zuhören.

Kontrovers wurde die Diskussion aber nicht. Manuel Gagneux sagte: «Ich finde es sehr bedauerlich, dass dieses Podium so homogen ist und wir uns eigentlich nur gegenseitig auf die Schulter klopfen können». Die Moderatorin Andrea Fopp erklärte sich: «Wir haben den Obmann von «Negro-Rhygass» natürlich auch eingeladen. Er wollte aber erst innerhalb der Gugge Gespräche führen, bevor er sich der Öffentlichkeit stellt.»

Emotionale Statements

Wenn auch nicht kontrovers, so wurde es dennoch teilweise persönlich und emotional. «Mir ging es beschissen, als sich am Freitagabend mehre hundert Menschen zum Solidaritätsmarsch in der Stadt trafen, um rassistische Motive aufrechtzuerhalten», sagte eine Frau im Publikum. «Das wollte ich meinen beiden schwarzen Kindern und mir nicht antun und bin deshalb an diesem Abend nicht in die Stadt gegangen», erzählt sie weiter.

#menaretrash

In der Hälfte der Diskussion lenkte Fopp das Gespräch auf die Debatte um den Hashtag menaretrash, mit dem auf Sexismus und Gewalt an Frauen aufmerksam gemacht werden soll. Pintot von «Black She» sprach daraufhin einen Vorwurf an, welcher den von Gewalt betroffenen Frauen, die sich in dem Zusammenhang äussern, häufig vorgehalten wird: «Der Tenor ist dann ungefähr: Sagt uns doch einfach nett, dass ihr von uns geschlagen werdet und bitte möglichst ohne Emotionen».

Plachesi findet den Hashtag menaretrash zwar richtig und auch effektiv, kritisiert aber, dass sich solche Debatten häufig im Nichts verlaufen: «So ist es auch bei der Diskussion um die Juso-Chefin Tamara Funiciello und den Song ‹079›: Da bleibt am Ende ja kaum etwas hängen.» Mit den Worten «Und genau das ist ja das Problem» schloss Andrea Fopp die Diskussion auf dem Podium sehr energisch ab.