«Problematisch», «ungeschickt» oder «mangelndes Fingerspitzengefühl» sind Reaktionen aus dem Basler Grossen Rat. Kritisiert wird die Vergabe der am vergangenen Freitag präsentierten Betriebsanalyse zum Kunstmuseum an KMPG. Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen ist nach eingehender Prüfung zum Schluss gekommen, dass das Museum mehr Ressourcen braucht. Vorgeschlagen wird die Schaffung von 18 zusätzlichen Stellen. Die Regierung will das Globalbudget für 2019 deshalb dauerhaft um zwei Millionen auf rund 19 Millionen Franken erhöhen lassen. Schönheitsfehler: KPMG ist gleichzeitig Sponsor des Kunstmuseums.

«Es ist bedauerlich, dass die Analyse so teilweise infrage gestellt werden kann», findet SP-Grossrätin Franziska Reinhard. «Das zuständige Präsidialdepartement sollte in einer solchen Situation einen grossen Bogen machen um jeden potenziellen Interessenkonflikt», ergänzt FDP-Präsident Luca Urgese. «Eine solche Vermischung ist mehr als unglücklich. Da würde ich mehr Fingerspitzengefühl erwarten.»

Auslöser der Betriebsanalyse waren Finanzprobleme, die der neue Museumsdirektor Josef Helfenstein 2017 ein Jahr nach der Eröffnung des 100-Millionen-Erweiterungsbaus publik gemacht hatte. Mit dem zusätzlichen Geld sollen diverse Mängel organisatorischer Natur behoben werden, welche die Analyse zutage gefördert hat.

Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann kann denn auch keinerlei Interessenkonflikt erkennen: «Der Schlussbericht der Betriebsanalyse zeigt ganz deutlich, dass dem nicht so ist. Diese zeigt in aller Klarheit ungeschönt und unbefangen auf, wo Handlungsbedarf besteht und welche Entwicklungen im Betrieb des Kunstmuseums anstehen.» Ohnehin komme das Sponsoring von KMPG der Museumsstiftung für einzelne Ausstellungen zugute. Die Analyse sei aber vom Museum selber in Auftrag gegeben worden. «Es handelt sich um zwei verschiedene Rechtskörperschaften», argumentiert Ackermann. Das sieht auch das Kunstmuseum selber so: Der Sponsoringvertrag habe in keiner Weise Einfluss auf die Betriebsanalyse gehabt, betont Sprecherin Karen Gerig.

Das sehen auch die befragten Parlamentarier so: «Das Sponsoring ist ein Tolggen im Reinheft», findet LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein. «Dennoch ist die Analyse pickelhart, was nicht darauf hindeutet, dass sie geschönt wäre.» Auch für Urgese ist sie «sicher keine Gefälligkeitsanalyse». Gemäss dieser mangelt es im Kunstmuseum an klaren Strukturen. Es brauche definierte Rollen und Prozesse sowie ein transparentes und nachvollziehbares Controlling. Zudem müsse der Leistungsauftrag geschärft werden. Via Twitter erklärt SP-Grossrat Claudio Miozzari denn auch, dass er «nicht wegen dem Ergebnis, sondern wegen fehlendem Bewusstsein für (Public Corporate) Governance einigermassen konsterniert» sei.