Herr Helfenstein, beim Blick auf diese Betriebsanalyse entsteht der Eindruck, Sie stehen vor einem Scherbenhaufen.

Josef Helfenstein: Zum Glück stimmt dieser Eindruck nicht. Sonst wäre ich wahrscheinlich nicht mehr hier. Aber zugegeben: Wir hatten zwei harte Jahre, es war ein veritabler Marathon. Man darf jedoch nicht vergessen, dass diese Betriebsanalyse eine Momentaufnahme ist. Vieles, was darin thematisiert wird, haben wir bereits angepackt, schon seit dem ersten Tag. Das Museum ist alles andere als ein Scherbenhaufen. Wir sind auf der Spur.

Bisher ging man davon aus, dass der Neubau die Probleme verursacht. Die Analyse kommt jedoch zum Schluss, dass dieser nur tiefer liegende, schon länger bestehende Versäumnisse zum Vorschein bringt. Haben Sie einen maroden Betrieb übernommen?

Ich möchte meine Vorgänger lieber nicht kritisieren. Sie haben mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gearbeitet. Für jede Institution ist eine Erweiterung wie diese eine riesige Herausforderung. Es war von vornherein klar, dass wir den Betrieb auf einem anderen Level professionalisieren müssen. Wie genau man dies meistern kann, wird aber erst klar, wenn man das Gebäude bespielt. Und das machen wir ja erst seit zwei Jahren.

Aber im Bericht heisst es, es gäbe nicht einmal einen Businessplan. Da staunt jeder Geschäftsmann.

Das tönt zwar grossartig dramatisch. Aber ich kenne kein einziges Museum auf der Welt, das einen Businessplan hat. Beängstigend wäre, wenn wir keine Kontrolle über die Finanzen hätten. Dem ist aber zum Glück nicht so. Seit vor einem Jahr die Leitung des Finanzwesens neu besetzt wurde, bekomme ich monatlich Bericht über den Finanzstand. Diese Instrumente haben wir bereits massiv verbessert.

Aber man darf festhalten: Sie haben einen Betrieb übernommen, dessen Strukturen bei weitem nicht reichen, um das heutige Museum zu führen.

Das kann man so sagen. Gerade darum ist diese Betriebsanalyse so sinnvoll. Sie formuliert die Mängel ungeschminkt. Schlimm wäre, wenn uns dieses Ergebnis überrascht hätte. Für mich war von Anfang an klar, dass sofortiger Handlungsbedarf besteht.

Aber die Baustelle ist grösser als gedacht. Sie würden doch auch lieber Ausstellungen planen, anstatt Betriebsstrukturen zu reformieren.

Natürlich. Aber das ist oft so bei der Übernahme eines Hauses. Man weiss nicht im Detail, was kommt. Was mich sehr beunruhigt und frustriert hat, ist das klaffende Finanzloch, das den Betrieb gefährdet hat. Ich bin sehr froh und der Regierung sehr dankbar, dass dies erkannt wird. Das zeichnet diese Stadt aus. Die internationale Ausstrahlung des Basler Kunstmuseums wurde nicht nur in der Vergangenheit gepflegt, sondern die Basler schätzen dieses Juwel weiterhin und stehen dafür ein.

Das Finanzloch wird, so der Grosse Rat will, gestopft. Sie müssen vor allem im Personalbereich aufstocken. In welchen Bereichen genau?

Wir sind dabei, das intern genau zu definieren. Sicher sind zum Beispiel die Bereiche Kupferstichkabinett, Restaurierung und Besucherdienst unterdotiert.

Die Umstrukturierung betrifft aber auch die Geschäftsleitung. Was soll da passieren?

Wir sind mitten in einer Work in Progress. Es gibt eine Arbeitsgruppe mit aussenstehender Begleitung, die analysiert, wie wir den Betrieb effizienter führen können. Es zeichnet sich ab, dass wir eine erweiterte Geschäftsleitung einsetzen werden. Bisher bestand diese aus mir und der administrativen Leitung. In Zukunft werden diese Aufgaben auf drei bis vier Schultern verteilt werden. Anfang 2019 möchten wir die neue Geschäftsleitung besetzen.

Das sind grosse Baustellen. Leidet da nicht die Ausstellungsplanung?

Ich verstehe, dass es von aussen vielleicht so wirkt. Zum Glück haben wir aber einen grossen Teil dieser Arbeit hinter uns. Wir haben ja nicht auf die Betriebsanalyse gewartet. Wir haben die offensichtlichen Probleme möglichst schnell angepackt und gleichzeitig unser Ausstellungsprogramm durchgezogen. Das war der Stresstest für uns alle. Nun ist es Zeit, dass wir aus dieser Phase herauskommen.

Ihre eigentliche Funktion wäre ja, gute Kunst zu vermitteln.

Ja, natürlich. Aber Museumsdirektor ist per se ein stressiger Job. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.

Wenn die Stressphase vorbei ist, gibt es dann noch mehr Ausstellungen?

Nein. Wir sind ja in Basel, nicht in New York. Wenn Sie Basel aber mit Paris vergleichen, wird klar: Hier am Rhein lief diesen Sommer in Sachen Kunst mehr als an der Seine. Das Angebot in Basel ist sicher schon an der oberen Grenze angelangt.

Drei Dinge beschäftigen das Museumspublikum. Erstens: Wann werden die Tore des Neubaus geöffnet?

Die Situation ist auch für uns sehr unbefriedigend. Wir arbeiten daran, den Neubau so bald wie möglich direkt zugänglich zu machen. Hoffentlich sehr bald.

Zweitens: Was passiert mit dem falsch platzierten Museumsshop?

Da dauert die Lösung. Die Verlegung des Shops zieht einen Rattenschwanz von Konsequenzen nach sich. Das Baudepartement und Immobilien Basel-Stadt haben mit uns eine kleine Studie gemacht, um zu sehen, wie wir dieses Problem bei der Sanierung des Hauptbaus, die ab 2022 oder 2023 ansteht, lösen können.

Drittens: Die Böden im Neubau sind suboptimal. Ist das ein Thema?

Nein, das ist kein Thema mehr. Wir haben unsere Erfahrungen mit dem Boden gemacht. Durch den Gebrauch verändert er sich ja auch langsam und wird ruhiger. Da braucht es keine Massnahmen.