Was vor kurzem noch undenkbar schien, ist plötzlich ein realistisches Szenario: der Verkauf von Hallen aus dem Portfolio der Messe Schweiz. «Die Lage ist sehr attraktiv, das ist klar», findet der Basler Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin. «Und der Boden gehört sowieso schon dem Kanton.» Steht Basel-Stadt demnach bereit, sollte die Messe einzelne Hallen veräussern wollen? Brutschin hütet sich davor, mit Ja oder Nein zu antworten. Immerhin sitzt der SP-Regierungsrat auch im Verwaltungsrat des Messeveranstalters MCH. Er weist aber darauf hin, dass heute in den meisten Messestädten etwa in Deutschland die Hallen im Besitz der öffentlichen Hand sind.

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Experten sind sich denn auch einig, dass ein Verkauf von Messehallen sehr realistisch sein dürfte. MCH-Verwaltungsratspräsident Ulrich Vischer sinniere bestimmt nicht gedankenlos in aller Öffentlichkeit über ein solches Szenario, argumentieren sie. Immerhin dürfte es ihm bewusst sein, was er damit bei der börsenkotierten MCH Group lostreten könne.

«Gedankenspiele lohnen sich»

Diese Woche kündigte die MCH bereits zum zweiten Mal an, dass man den Wert des Prestige-Baus Halle 1 in der Bilanz berichtigen muss, weil die Halle schlicht weniger genutzt wird als angenommen. Das Resultat: Ende Jahr wird wohl wieder ein 100-Millionen-Verlust zu Buche stehen. Und das zum zweiten Mal in Folge. Keine guten Aussichten für das Unternehmen. Da ist es zwingend, dass die Firma Szenarien wie den Verkauf von Messehallen unter die Lupe nimmt. Im Zentrum steht dabei nicht die Halle 1, sondern die eher wenig genutzte Halle 3.

Den Gedanken eines Hallenkaufs durch den Kanton spinnt Stadtentwickler Lukas Ott gerne weiter: «Mit den Messehallen hätten wir sofort nutzbare Ressourcen mitten in der Kernstadt.» Im Gegensatz zu Transformationsarealen wie dem Lysbüchel, bei welchen jeweils jahrelange Vorbereitungsarbeiten nötig seien. «Insofern lohnen sich entsprechende Gedankenspiele», ist Ott überzeugt. Und er hätte auch durchaus Ideen für eine mögliche künftige Nutzung einzelner Messehallen. So sähe er etwa die Möglichkeit, hier Arbeitsplätze der Zukunft im Bereich der Digitalisierung und der Industrie 4.0 zu schaffen. «Das wäre eine attraktive Chance.»

Beim Gewerbeverband gibt man sich derweil zurückhaltend. Sprecher David Weber sagt: «Wie allenfalls frei werdende Räumlichkeiten genutzt werden könnten, ist schwierig sagen. Vorstellbar ist vieles, von kulturellen über gastronomischen bis zu Event-Nutzungen.» Da die Hallen entlang des Riehenrings mitten in einem Wohnquartier stehen, eigne sich der Standort eher weniger für emissionsstärkeres Gewerbe. Dabei gäbe es gerade in diesem Bereich einen Mangel an guten Flächen in der Stadt, sagt Weber.

Parlament will es genau wissen

Im Verkauf von Hallen sieht FDP-Grossrat und Präsident der Wirtschaftskommission Christophe Haller durchaus eine Möglichkeit. Gleichzeitig sagt er auch, dass es eine Option sei, dass der Kanton die Hallen übernimmt und einer anderen Trägerschaft mit Leistungsauftrag zur Bewirtschaftung überlässt. Dies um die Wertschöpfung, welche die Messen in Stadt und Region generieren, zu sichern.

Deshalb will Haller, dass eine regionale Betreibergesellschaft geprüft wird, welche die Hallen in Basel bewirtschaftet, und die ihren Fokus auf die regionale Wertschöpfung legt. Der Geschäftsgang der MCH wird die grossrätliche Wirtschaftskommission in Zukunft noch vertieft beschäftigen. Laut Haller wird ein Hearing zur MCH Group stattfinden. Dabei dürften neben der künftigen strategischen Ausrichtung auch allfällige Verkaufsabsichten thematisiert werden.

Gespräche zwischen Kanton und MCH haben allerdings noch nicht stattgefunden. «Zuerst geht es nun darum, die Auslastungsszenarien in den nächsten fünf Jahren zu überprüfen», sagt MCH-Sprecher Christian Jecker. Eine Umnutzung der Hallen oder Teile davon müsse analysiert, diskutiert und allenfalls auch entschieden werden. Es sei aber noch alles offen, heisst es bei MCH. Natürlich würden dabei eher die peripheren Hallen statt die neuste Halle 1 zur Diskussion stehen, ergänzt Jecker.

Fest steht auch, dass nicht alle Hallen einfach verkauft werden können. So dürfte es in den nächsten Jahren schwierig werden, das Congress Center Basel, ebenfalls in Händen der MCH, zu verkaufen. Immerhin hat der Kanton Baselland 2012 ein Darlehen über 50 Millionen Franken an die MCH Group gezahlt – mit einer 20 Jahre laufenden Verpflichtung zur Weiterführung des Betriebs des Congress Centers.