Das Prinzip ist einfach: Wer ein gelbes Band am Armgelenk trägt, ist über 16 Jahre alt und kriegt Bier und Wein; wer ein blaues hat, ist mindestens 18 und erhält auch harten Alkohol. So will die Stadt Liestal an der anstehenden Fasnacht den gesetzlichen Jugendschutz umsetzen. Die Armbänder holt man sich gegen Zeigen des Ausweises an einem eigens eingerichteten Stand, den das Blaue Kreuz betreibt. Diese Organisation hat die Stadt beauftragt, um das Bändelisystem umzusetzen.

Die Aktion ist eine Reaktion auf Testkäufe, die die Stadt an der letztjährigen Fasnacht durchgeführt hat. Da zeigte sich nämlich: Jugendliche kriegten problemlos jeglichen Alkohol, den sie sich wünschten. Anstatt die Verkäufer zu sanktionieren, gibt ihnen die Stadt mit den farbigen Armbändern jetzt ein Hilfsmittel, um den Jugendschutz umzusetzen. Denn dass sie illegal Alkohol an Minderjährige verkaufen, ist oft keine böse Absicht.

Beim Jugendschutz befänden sich Verkaufspersonen an der Fasnacht oft in einer Sandwich-Position, erklärt Sonja Niederhauser von der Fachstelle Prävention und Gesundheitsförderung des Blauen Kreuzes. Die Jugendlichen stünden dichtgedrängt vor ihnen und würden Alkohol verlangen. Der Betreiber des Standes fordere zwar Alterskontrollen, wolle aber auch Umsatz machen.

«Wenn wiederholt ein Kunde reklamiert, weil er nicht erhält, was er will, ist das für das Verkaufspersonal sehr unangenehm.» Nicht nach dem Alter zu fragen, sei einfacher. Noch schwieriger werde es für die Verkaufenden, wenn in der Reihe vor ihnen Jugendliche stünden, die sie kennen. Zudem seien an der Fasnacht viele der Meinung, dass sowieso alle Alkohol trinken dürfen. Mit den Armbändern soll es für Jugendliche weniger umständlich sein, legal an Alkohol zu kommen. Für Verkäufer wird es einfacher, mit gesetzlichen Alterslimiten umzugehen. «Es wird immer einige schwarze Schafe geben, aber die meisten Standbetreiber erkennen unser Anliegen», sagt Niederhauser.

Gemeinden müssen kontrollieren

Nach der Fasnacht wird die Stadt das Pilotprojekt auswerten. Die Verwaltung ist sich bewusst, dass junge Alkoholkonsumenten auf andere Fasnachten ausweichen könnten. Gleichzeitig hofft die Stadt, dass ihr Beispiel Schule macht und anderswo ähnliche Systeme eingeführt werden. In der Region erhalten Jugendliche bisher nur an den Guggenkonzerten in Reigoldswil und Waldenburg Armbänder, dies seit zwei Jahren. Im Kanton Bern sind sie an vergleichbaren Grossveranstaltungen mit vielen Jugendlichen üblich.

Wie gross das Problem mit alkoholisierten Minderjährigen an Baselbieter Fasnachten ist, lässt sich kaum übergreifend beziffern. Eine Zunahme konnte die Polizei in den vergangenen Jahren nicht feststellen. Der Vollzug des Jugendschutzes bei Gelegenheitswirtschaftspatenten liege aber bei den Gemeinden, teilt die Baselbieter Kantonspolizei auf Anfrage mit.

Die Armbandaktion geht in Liestal einher mit «Mir luege zuenenand!». Unter diesem Motto wollen das Fasnachtskomitee und einige Beizenbetreiber zeigen, dass ihnen Jugendschutz beim Alkoholkonsum nicht egal ist. Sie schulen ihr Personal explizit, hängen Plakate auf und verkaufen das alkoholfreie Getränk «Jääs».