Es waren ziemlich technische Erklärungen, die Gerichtspräsident Enrico Rosa am Dienstagabend während 90 Minuten zur Urteilsbegründung abgab: Die juristische Einordnung von sexuellen Übergriffen als Vergewaltigung oder als Schändung hängt von den Details ab, und auch die genaue Strafzumessung richtet sich nach Anzahl und Schwere der Übergriffe. In zwei Nebenpunkten kam das Kantonsgericht zu Freisprüchen.

Im Ergebnis ändert sich allerdings wenig: Der heute 42-jährige Mann aus Birsfelden beging an mindestens fünf Frauen schwerste sexuelle Misshandlungen, eine der Frauen verlor dabei fast ihr Leben. Teilweise verurteilten die fünf Richter den Mann wegen Vergewaltigung, teilweise wegen Schändung, weil er die Frauen vorher betäubt hatte. Was er jeweils in die Wodkagläser gekippt hatte, blieb unklar, zumal er die Verwendung von K.o.-Tropfen stets bestritten hatte.

Der Mann hatte die Übergriffe in seiner Wohnung sowie im Auto gefilmt, es existieren Filmdateien von über acht Terabyte. Wie schon das Strafgericht folgte nun auch das Kantonsgericht den Empfehlungen der Gutachter, den 42-Jährigen in eine stationäre Massnahme zu schicken. Nicht ganz klar wurde, ob die konkret angeklagten Übergriffe lediglich die Spitze des Eisbergs darstellen.

Täter quälte Opfer regelrecht

Formell hatte die erste Instanz eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren festgelegt, das Kantonsgericht kürzte diese auf neun Jahre. Auf den Zeitpunkt der Entlassung hat das allerdings keinen Einfluss: Eine stationäre Massnahme dauert so lange, bis ein Gericht aufgrund von Gutachten zum Schluss kommt, dass die Rückfallgefahr in einem akzeptablen Bereich ist. Der 42-Jährige wollte lediglich eine vollzugsbegleitende, ambulante Therapie, die Gutachter beurteilten dies aber als wenig hilfreich und die Rückfallgefahr als zu hoch. Er kann das Urteil ans Bundesgericht weiterziehen. «Sie haben gesagt, man will Sie dort umprogrammieren. Aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass Sie befähigt werden, mit Ihrer Problematik sozialverträglich umzugehen», betonte Rosa.

Die Gutachter warnten bereits, der intelligente und manipulative Mann würde sich vordergründig kooperativ zeigen, um schnell Vollzugslockerungen zu erreichen. «Das wird durchschaut, das sind forensische Experten», warnte Rosa den Mann vor solchen Manövern. Über die genaue Diagnose waren sich die Gutachter nicht einig, der Mann leidet an einer Persönlichkeitsstörung mit manipulativen Anteilen sowie sexuellem Sadismus. Teilweise hatte er seine Opfer regelrecht gequält. Die stationäre Massnahme muss spätestens nach fünf Jahren vom Gericht überprüft werden. Scheitert die Therapie langfristig, werden die Richter zwischen Entlassung und Verwahrung entscheiden müssen.