Fleissig sind sie, die Montagskolumnisten der bz. Soeben hat Claude Lachat seinen zweiten, lesenswerten Basler Kriminalroman der «Muttertag»-Reihe veröffentlicht. Wie ich ihn kenne, ist auch Thomas Schweizer bestimmt wieder daran, in seinem schönen Garten in Füllinsdorf die bisher stolze Buchreihe seiner historischen und belletristischen Stoffe um ein neues Werk zu erweitern. Wenn ich diesmal die Land-Schreiber-Kolumne dazu missbrauche, um ein bisschen Schleichwerbung zu betreiben, dann liegt das aber an Linard Candreia, dem bemerkenswertesten Baselbieter Import aus dem Bündnerland seit der Coop-Nusstorte und Susanne Leutenegger Oberholzer.

Dieser Tage, pünktlich zum Leseherbst und den Herbstferien, erscheint Candreias neues Buch mit dem schlichten Titel «Laufental». Herausgegeben wird es vom Kulturbuchverlag Herausgeber.ch im oberaargauischen Riedtwil. Herausgeber Daniel Gaberell hat bereits einen prächtigen Band zum Kloster Mariastein veröffentlicht, und dasselbe kann man jetzt auch über Candreias Werk sagen: prächtig!

Der fleissigen bz-Leserschaft wird ein Grossteil der Texte bekannt vorkommen. Seine 35 historischen Miniaturen sind seit 2012 im Rahmen der bz-Montagskolumnen erschienen und haben, gemessen an den vielen positiven Rückmeldungen, ein grosses Echo ausgelöst. Dass Candreia ein Meister der kleinen Form ist, hat er bereits in seinen auf Deutsch und Rätoromanisch verfassten zweisprachigen «Miniaturen» oder der Lebensgeschichte von «Hanna, die Südtirolerin» bewiesen.

So auch hier: In seinen historischen, geografischen und biografischen Skizzen zum Laufental lässt er das ganze Panoptikum an kauzigen Figuren, Auswanderern, Galgenvögeln, Glücksrittern und Revolutionären aufleben, die sich mit ihren Einzelschicksalen tief in die Laufentaler Geschichte verwoben haben. Manche Auswanderer sind vor verzehrender Sehnsucht nach ihrem schönen Heimattal in der Fremde verstorben. Den aufmüpfigen Dittinger Rebellen Hans Tschäni stellte erst die unerwartete Begnadigung durch den Fürstbischof auf dem Schafott ruhig, als der Scharfrichter sein Schwert zum Schlage bereits angehoben hatte. Es sind aussergewöhnliche Geschichten wie diese, die für Aussenstehende das Laufentaler Selbstbewusstsein und Selbstverständnis vielleicht nicht ganz erklärbar, aber doch besser vorstellbar machen.

Das Verdienst von Herausgeber Gaberell ist es, dass sich die Laufentaler Seele nicht nur in Candreias Texten spiegeln kann, sondern auch in den Fotografien von Kurt Hamann, die den Band spektakulär ergänzen und gleichzeitig erweitern. Im Gegensatz zum 2003 eingewanderten Mittelbündner ist der freischaffende Fotograf Hamann ein gebürtiger Laufentaler, der intuitiv weiss, wo sich der richtige Ort für das zu Candreias Geschichten passende Bild ergibt. Gaberell nennt Hamanns Fotos, die allesamt innerhalb eines Jahres extra für das Buchprojekt aufgenommen worden sind, ein «Konzentrat an Schönheit» – und selbst dauerhaft schlecht gelaunte Rampasse sollten hier besser nicht widersprechen.

Und natürlich fehlt in Candreias Buch auch meine Lieblingsanekdote über das Laufental nicht. Sie wissen schon. Jene vom lebenslang treuen CVP-Mitglied, der kurz vor seinem Tod zur SP übertritt. Vom entsetzten CVP-Ortspräsidenten im Sterbebett zur Rede gestellt, antwortet der Abtrünnige gelassen: «Regt euch doch nicht auf, es stirbt ja einer von den anderen.» Zwei Wochen vor den National- und Ständeratswahlen wünschte ich manchem unserer Kandidatinnen und Kandidaten für Bern ab und an einen Perspektivwechsel. Es muss ja nicht gleich ein finaler auf dem Sterbebett sein.