«Im Leimental ist die Fasnacht tief verankert und ein Kulturgut» 

In Ettingen, Oberwil und Therwil, aber auch in kleineren Gemeinden des solothurnischen Leimentals, geniesst die Fasnacht bei der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz und prägt den Dorfalltag nicht nur während den närrischen Tagen.

Man tut weder Therwil noch Ettingen Unrecht, wenn man Oberwil als Epizentrum der Leimentaler Fasnacht bezeichnet. Die «Schnäggen», wie die Oberwiler bezeichnet werden, haben den mit Abstand grössten Sonntags-Strassenumzug, an dem auch viele Cliquen aus der Stadt Basel teilnehmen. Seit 65 Jahren gibt es die Oberwiler Fasnacht respektive das Comité, welches für die Organisation und die Durchführung verantwortlich zeichnet. Legendär sind auch die Vorfasnachts-Vorstellungen – hier sei ans «Schnäggefürzli» erinnert, das von 1992 bis 2006 jeweils an vier Abenden die Wehrlinhalle bis auf den letzten Platz füllte. Und gemäss Insidern «peppiger, rassiger und würziger» als viele Basler Vorfasnachtsveranstaltungen war.

Seit 2012 gibt es das «Fasnachtsglöggli», die Nachfolge-Veranstaltung, die noch zweimal aufgeführt wird. Ein Mann, der beide Veranstaltungen geprägt hat, und es noch immer tut, ist Peter Wyss. Und dieser ruft in Erinnerung, dass seit 1978 die Schnitzelbängg der Gosche, mit Larve, vorgetragen werden.

Wieder ein Kehrausball

Ältere Semester werden sich an die Maskenbälle in der «Krone» erinnern. Wunderbar, dass heuer zwei Cliquen, nämlich die «Nachtwyberschnägge» sowie die «Schnäggespalter», erstmals seit vielen Jahrzehnten wieder einen Cherusball durchführen. «Oberwil lebt die Fasnacht und es ist schön, wenn Junge aktiv mitmachen und Vergangenes wieder auferstehen lassen», sagt Gérard Bachmann, der Oberwiler Fasnachtspräsident.

Das diesjährige Sujet der Therwiler Fasnacht lautet «50 Joor in Schwung». Es ist eine Hommage ans Fasnachtskomitee, das sein 50-jähriges Bestehen feiert. Und es erinnert auch ans Landfest 2017, mit dem Nordwestschweizerischen Schwingfest als Höhepunkt. Im vergangenen August kamen genau 16 999 Besucherinnen und Besucher an dieses dreitägige Jahrhundert-Volksfest.

Therwil zieht über Ettingen her

«Therwil kennt und lebt die Beizenfasnacht. Ein Merkmal unseres Strassenumzuges ist, dass es keine Pfeifer und Tambouren gibt. Alle Formationen sind aus Therwil – keine Fasnacht im Birsig- und Leimental hat so viel Lokalkolorit», erklärt Marek Meder, seit zehn Jahren Komitee-Präsident.

In den Therwiler Dorfbeizen werden Schnitzelbänke gesungen. Die allermeisten beziehen sich auf den Dorfalltag. Oder man zieht über die «Schattenkinder», wie Therwil die Ettinger nennt, her. Eine Beziehung wie Hund und Katze, die teils Züge einer tiefen Hassliebe hat. Am Montag findet auf dem Dorfplatz ein Guggekonzert statt, an dem auch Guggen aus Ettingen und Oberwil auftreten.

Erste Bauernfasnacht im Tal

Die «Gugger Fasnacht» in Ettingen jubilierte letztes Jahr mit «50 Joor Komitee». Allerdings gibt es in Ettingen schon viel länger Fasnacht – es ist die erste Bauernfasnacht im Leimental, wie Walter Aeppli erklärt. Er ist der Gründer, Frontmann und Chefpilot der Basler Kultband «Diefflieger». Aeppli wohnt seit vielen Jahrzehnten in Ettingen und ist aktiver und prägender Bestandteil der Ettinger Fasnacht.

«Wir haben spezielle Masken und Kostüme. Wir verwenden als Material auch Spreu. Auf den Wagen sieht man viele Binggis – Kinder und Jugendliche prägen den Strassenumzug. Tabu sind Pfeifergruppen. Und nach dem Umzug geht es in die Dorfbeizen, wo die Schnitzelbänke vorgetragen werden. Wenn alle kommen, haben wir neun Gruppen», freut sich Aeppli.
Am 2. und 3. Februar findet die Vorfasnachtsveranstaltung «Guggerzytli» statt. Schon lange sind die Ausstellungen ausverkauft. «Es ist eine gekonnte Mischung aus Lokalkolorit und Weltoffenheit», so Aeppli, ohne den es das «Guggerzytli» in dieser Form nicht geben würde.

Trotz Stadt weiterhin ein Dorf

Wie in Oberwil und Therwil kennt auch Ettingen eine spezielle Kinderfasnacht und am Dienstag nach dem Sonntagsumzug findet ein Guggenkonzert statt. Oberwil und Therwil sind zwar von der Einwohnerzahl her Städte geworden, haben aber ihren dörflichen Charakter bewahren können.

Ettingen ist hingegen weiterhin ganz Dorf. «Und überall, wo offen ist, hockt man hin und feiert Fasnacht. Es sind Tage, die aufzeigen, dass unsere Fasnacht, generell im Leimental, tief verwurzelt und ein Kulturgut ist», sagt Walter Aeppli. (Georges Küng)

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«Allschwil ist Nummer zwei nach Basel»

Die Fasnacht in den grossen Agglomerationsgemeinden, in denen die Kopfblätter der Lokalzeitungen erscheinen, ist so vielfältig wie die Orte selber. Eine davon ist sogar die bekannteste und grösste der Nordwestschweiz, gleich nach ihrer grossen Basler Schwester: die Allschwiler Fasnacht. Und wie Basel hat auch Allschwil einen Morgestraich, er beginnt jedoch eine Stunde später als der in der Stadt, und zwar jeweils am Sonntagmorgen um 5 Uhr. In diesem Jahr trifft es den Sonntag, 11. Februar. Gleichentags, nur wenige Stunden später, um 14 Uhr, startet dann der grosse Umzug, am Abend folgt das Guggenkonzert. Die Wildviertel-Clique Allschwil, eine Wagenclique, organisiert die Allschwiler Fasnacht. Sie ist stolz darauf, dass die Formationen auch lokale Sujets ausspielen. In diesem Jahr geht es um die Turn- und Konzerthalle Gartenstrasse, die – trotz gegenteiliger Meinung des Heimatschutzes – abgerissen werden soll. So ist die Halle auch auf der Plakette zu sehen, passend zum Motto: «Allschwil pfyfft uf d’ Dänggmolpfläg».

Feines Guggenkonzert in Blätzbums

Die dreitägige Prattler Fasnacht (17., 18. und 20. Februar) kennt zahlreiche Aktivitäten und hat etwas Besonderes: den Butz. Dieser heidnische Brauch wird nur noch in Pratteln gepflegt. Der Butz wird frühmorgens auf einem Wagen durchs Dorf gezogen, begleitet von anderen schrägen Figuren. Immer am Samstagmorgen vor dem prächtigen Umzug am Sonntag heisst es: «Dr Butz fahrt us!», in diesem Jahr ist es der 17. Februar. Am Abend des Fasnachtssonntags folgt ein weiterer Höhepunkt: das Fasnachtsfüür auf dem Mayenfels. Sehr beliebt sind auch die Schnitzelbängg und Guggen in den Beizen am Sonntag und am Dienstag. Das Motto 2018, «Prattele im Jubiläumsfieber», spielt auf die vielen Vereinsjubiläen im vergangenen Jahr an.

Vergleichsweise jung ist der Birsfelder Fasnachts-Umzug. Der Cortège durch Blätzbums – so der Neckname für Birsfelden – wurde in den 1990er-Jahren zu neuem Leben erweckt, in der heutigen Form feiert die Blätzbumser Fasnacht die 20. Ausgabe, deshalb auch das Motto: «20 Joor uf dr Drumlä». Neben dem Umzug gibt es auch ein richtig feines Guggenkonzert, einen Fasnachtsball und in den Beizen wird ebenfalls gefeiert. Die Birsfelder Fasnacht steigt immer am Samstag vor der Basler Fasnacht. 2018 fällt das Datum auf den 17. Februar.

An drei Tagen ist in Muttenz Fasnachtsbetrieb. Dieser beginnt mit dem Kinderumzug am 8. Februar – quasi ein Prolog. Am 18. Februar ist Füürsunntig. Am Abend vor der Basler Fasnacht wandern Kinder mit Fackeln von der mittleren Wartenbergruine bis zur Dorfkirche Muttenz. Auf dem letzten Stück werden die jungen Fackelträger von Tambouren und Pfeifern sowie von einer Guggenmusik und einigen Wagencliquen begleitet. Bei der Dorfkirche erwartet die Teilnehmer Mehlsuppe. Am Samstag, 24. Februar, ist Schlussstraich mit dem grossen Umzug durch das Dorf sowie Baizenbetrieb rund um den Kirchplatz bis 2 Uhr morgens. Und Schnitzelbängg sowie ein Guggekonzert gibt es natürlich auch. Das diesjährige Sujet lehnt sich an die Haltegeländer für Velofahrer an, die der Kanton testweise auch in Muttenz angebracht hat: «Me stygt nid ab». (Patrick Herr)

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«Das grosse Nachwuchsbecken»

Eins vorweg: Der hier Schreibende ist zwar seit über einem Jahrzehnt Redaktionsleiter des «Wochenblatts für das Birseck und Dorneck», doch vor über 40 Jahren auch als Zürcher zur Welt gekommen. Als solcher hat er per se keine Ahnung von Fasnacht zu haben und könnte in deren Zusammenhang höchstens noch als Sujet dienen. Trotzdem seien hier drei Thesen zur Fasnacht im Birseck notiert – auf die Gefahr hin, danach von dicknasigen Clowns mit überdimensionierter Vokuhila-Frisur mit Konfetti gestopft zu werden.

These 1: Es gibt keine Birsecker Fasnacht

Wenn auch das Birseck – das solothurnische Dornach mit eingeschlossen – immer mehr zur Birsstadt zusammenwächst, so unterschiedlich ticken die Gemeinden zwischen Park im Grünen und Angenstein. Die Unterschiede offenbaren sich auch in diesen närrischen Tagen, hat doch Frau Fasnacht die Lust am aktiven Schränzen, Trommeln, Pfeifen und Schnitzelbängglen entlang der Birs etwas einseitig verteilt. Aesch und Reinach sind die Hochburgen. Hier veranstalten die Komitees noch Blaggedden-Wettbewerbe und schmücken die Ortszentren mit Waggis-Figuren und alten Tanten. Immer am Wochenende nach dem Schmutzigen Donnschtig der Höhepunkt der fasnächtlichen Fieberkurve: Krachende Umzüge, gesäumt von Tausenden von Zuschauern am Strassenrand, wälzen sich durch die Vorstadtgemeinden. Auch ennet der Birs, in Dornach, ist die Dorffasnacht noch lebendig – neuerdings auch mit einem Umzug vor dem Basler Morgestraich. Highlight aber bleibt der Schmutzige Donnschtig. Am Abend trifft man sich maskiert zum Guggemonschter auf dem Nepomukplatz. Schaut man von dort über die nahe Gemeinde- und Kantonsgrenze nach Arlesheim und weiter nach Münchenstein, dann kommen wir zu unserer:

These 2: Je weiter weg die Stadt, umso vitaler die Fasnacht im Dorf

Durch Münchenstein führen zwei Tramlinien, eine S-Bahn, die Hochleistungsstrasse A18 und mehrere Kantonsstrassen. Und alle diese Verkehrswege führen mehr oder weniger direkt ins Herz der Basler Fasnacht. Für das kommunale Standortmarketing ist diese ausgebaute Infrastruktur ein Segen – für die Fasnacht ist sie ein Fluch. Münchenstein kennt keine Fasnacht, die Stadt saugt jegliches Potenzial unerbittlich ab. Selbst in Arlesheim ist es in den letzten Jahren immer stiller geworden. Guggenkonzert, Beizenfasnacht, das vorfasnächtliche Cabarettli – all das ist nicht mehr. Selbst die «Ermitage-Schränzer» haben sich mangels Mitglieder aufgelöst. Im Gegensatz dazu Aesch am anderen Ende des Birsecks. Die Aescher sind wohl die Fasnächtler mit der grössten Ausdauer. Nach dem Umzug geht’s weiter mit Oobestraich und Schluchete. Und in den Beizen wird die Dorfpolitik von heimischen Schnitzelbängglern noch so richtig aufs Korn genommen.

These 3: Die beste Kinderfasnacht gibt es im Birseck

Was bis hierher zur Fasnacht im Birseck gesagt wurde, ist natürlich alles gar nicht wahr – wenn man denn einen Blick auf die Kinderfasnacht wirft. Zu Hunderten sind die Mädchen und Buben in Reinach, Aesch, Pfeffingen, Dornach und selbst in Münchenstein in ihren kreativen Kostümen unterwegs und zelebrieren die Fasnacht wie die Grossen. Die Kinder machen das Birseck zum grossen Nachwuchsbecken der Fasnacht – davon profitieren alle – die Basler Fasnacht, die Dorffasnacht in Aesch, Reinach, Dornach – und wer weiss, vielleicht irgendwann auch wieder Arlesheim und Münchenstein. (Thomas Kramer)