Wer in den letzten Monaten die Schlagzeilen nicht verfolgt hat, erhält am Umzug in Laufen eine Auffrischung. Auffallend häufig sind es regionale Ereignisse, welche die 57 Formationen auf ihrer Route von der Bahnhofstrasse durch das Stedtli bis zur Amthausgasse ausspielen. In den Gemeinden des Laufentals passierte im vergangenen Jahr einiges, das es in die Zeitungen schaffte.

Allen voran die hitzigen Diskussionen über eine süsse Spezialität aus Laufen, die im ganzen Raum Basel ihre Liebhaber hat. Eine Online-Petition forderte, dass der Name Mohrenkopf geändert werden müsse, weil er rassistisch sei. Die Othmar Richterich AG rechtfertigte sich und erklärte, man werde die schaumige Leckerei bestimmt nicht umbenennen. Die Birsbettrammler, deren riesiger Mohrenkopf in der charakteristischen Goldhülle einer der Höhepunkte des Umzugs ist, erinnern daran, dass die umstrittene Bezeichnung einst nicht zufällig gewählt worden ist:

Ois Laufner nennt mä aber Mohrä

und das nit wägä dä schwarzä Ohrä

Näi, das chunnt vom Moor,

mir wüsses genau

Und het früähner bedütet,

du wildi Sau!

Im letzten Sommer machte ein junger Mann von sich Reden, der von Brislach aus Bauschutt ins Oberbaselbiet fuhr und dort illegal entsorgte. Nach einigen Tagen gelang es der Polizei, den Sünder aufzuspüren. Auf die Schliche ist sie ihm durch eine Hippie-Tapete gekommen, die an allen Fundorten auftauchte. Der Pfaffenbergler, der auch dieses Jahr wieder einen einfallsreichen Wagen mit seinem Velo zieht, fasst die ganze Geschichte humorvoll zusammen:

Bi Nacht und Näbel wird dä

Schutt verfrachtet,

Aber derbi hei sie nit

uf die bliemliti Tapetä gachtet.

In dieselbe Kerbe schlagen die Nasegrübler aus Laufen, die ebenfalls über den Bauschutt-Vandalen aus dem Laufental gifteln:

Mit’m Traktor ab i Wald die Afänger,

und schnäll abglade isch de Ahänger.

Natürlich erleben die mehreren Tausend Zuschauerinnen und Zuschauer, die sich vom konstanten Nieselregen die Stimmung nicht verderben lassen, auch Ausflüge in weiter entfernte Gebiete. Der Sexskandal um den amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein liess die Lumpesammler nicht kalt. Sie schlagen ihm gar vor, in der Region unterzutauchen, da man ihn hier nicht finden würde:

Wägem Weinstein, däm Sauniggel,

hei Fraue miesse liede

Drum tuet dä Feigling

Jetze d’Öffentlichkeit miede

Inkognito amene gheime Ort,

Mir wüsse wo n’er steggt

Hejo, dä weiss doch, dass ihn z’Basel

I dr Stücki, kein entdeggt

Überraschenderweise hat anscheinend der Tod des Playboy-Gründers Hugh Hefner die Laufentaler Fasnächtler stark beschäftigt. Mehrere Wagencliquen, darunter die Alperösler und die Stedtlistürmer thematisieren das Ableben des Lebemanns. Passend in einen roten Morgenmantel gehüllt, verteilen sie Süssigkeiten an die Umzugs-Besucher. Diese lasssen es sich nicht nehmen und bedanken sich bei den Aktiven im Gegenzug mit dem Kauf einer der begehrten Laufner Plaketten. Nur ganz wenige tragen kein Exemplar des Sammlerstücks aus gebranntem Ton.

Nur eine einzige Pfyffer-Clique

Entlang der Route kämpfen viele Zuschauer gegen die kalten Temperaturen an, in dem sie zu den Musikformationen mitwippen. Die allermeisten davon sind klassische Guggen mit Trommeln und Blechinstrumenten, wie sie im Laufental und dem angrenzenden Thierstein beliebt sind. Aus dem solothurnischen Bezirk haben einige Guggenmusiken den Weg nach Laufen angetreten. So gelingt es den Hirzefägern aus Breitenbach, nach dem Umzug in ihrer Heimat am Samstag (siehe Text unten) auch am Tag darauf zu begeistern.

Angenehm anders sind die Pfluderi-Fäger unterwegs, die einen Vorgeschmack auf die Basler Fasnacht bieten. Seit Jahren sind sie die einzige Pfyffer-Clique am Laufner Umzug.