Unterhaltsam, lustig, auch ein bisschen frech und derb, aufgepeppt mit teils absurder Komik und mit einzelnen Pointen knapp an der Gürtellinie: Das ist die Ausgabe 2017 des Liestaler Rotstab-Cabarets. An dieser Party hat einfach alles Platz: Das Verrückte, das Bizarre, das Schräge. Einmal mehr ein sicherer Wert unter den üppigen Angeboten des Vorfasnachts-Tingeltangels, ein Grand Slam in dieser Szene eben. Wen wunderts da, dass die Bude immer voll ist.

Das Premierenpublikum war sich einig: Musikalisch war dieser Anlass ein Hochgenuss. Da haben die Rotstäbler ihre Klasse gekonnt ausgespielt. Bei den unterhaltsamen Rahmenstückli gehen die Meinungen auseinander, was nicht am schauspielerischen Können der Cabarettisten, sondern eher an den Texten und Pointen liegt. Uneingeschränktes Lob sodann für die künstlerisch toll erstellten Bühnenbilder, die die einzelnen Szenen brillant untermalten. Tosende Beifallskundgebungen auch für die Stedtli-Singers, die kabarettistisch und wortwitzig traditionell das Schlussfeuerwerk zündeten.

Alles Baustelle oder was?

Alt bewährt, aber wirklich gut – etwa so lässt sich die Regie-Arbeit von Thomas von Arx, Maik van Epple und Barbara Kleiner bewerten. Zusammen mit Präsident Dieter Epple haben sie als Cabaret-Macher ein gutes Gespür für das, was beim Liestaler Publikum ankommt. So auch die bevorstehende Sanierung der Rathausstrasse. Sozusagen proaktiv – nach der Fasnacht fahren die Bagger auf – lieferten sich die Cabarettisten als die im Stedtli umsatzgeschädigten Ladenbesitzer theatralisch und mit allen Mitteln eine verbale Schlacht um einen fahrbaren Verbindungssteg. Da konnte auch der tölpelhafte Baumeister Bopp, der das Bau-Chaos immer wieder als «picobello geplant» gepriesen hatte, genauso wenig ausrichten wie der hilflos wirkende Stadtpolizist. Eine starke Nummer mit viel gepfefferten Seitenhieben und Pointen. Dem Bauwahn im Stedtli waren auch der Prolog und der Rotstab-Zeedel gewidmet. Zwei Pausenfüller, die aber nicht an den Unterhaltungswert von «Picobello» herankamen.

Mit dem Sketch «E chranki Sach» produzierten die Cabarettisten einen weiteren grossen Lacher im Programm. Was diese schrägen Vögel da auf der Notfallstation des Kantonsspitals Liestal an Klamauk im Umgang mit Patienten aufführten, war zwar alles masslos übertrieben und oftmals an der Grenze des guten Geschmacks – in der Sache wars aber ein Volltreffer. Anderseits ist dann der Versuch, dem Cabaret mit «Exit or Brexit» etwas internationalen Witz zu verpassen, nur bedingt gelungen. In der Szenerie im Buckingham Palace bei der Queen und ihrem Philipp wurden die Protagonisten Angela Merkel und Donald Trump zwar witzig veralbert, das Ganze wirkte aber etwas zu sehr an den Haaren herbei gezogen.

Rockende Fasnächtler

Daran werden sich Fasnachtspuristen vermehrt gewöhnen müssen: Die traditionelle Fasnachtsmusik mit Pfeifen und Trommeln wird zukünftig immer wieder angereichert mit neuen Stilrichtungen. Das hat der Stamm der Rotstab-Clique überzeugend vorexerziert. Auf der zur Disco umgebauten Bühne wurde im Verbund mit einer vierköpfigen Rockband der «Rocking Waggis» geschmettert, dazu noch eine Rock-Version des «Wettsteinmarsches» – der Saal tobte und verlangte Zugabe. Zweifellos der musikalische Knüller des Abends. Genauso hochstehend das anfänglich melodisch etwas gewöhnungsbedürftige Potpourri «Tütü» der Pfeiferinnen. Sie zelebrierten vor prächtiger Schwanenkulisse unter dem Dirigat des englischen Instruktors Paul Wilman die hohe Schule des Piccolos und pfiffen auch die schwierigsten Passagen perfekt. Denen standen die Tambouren die in der Dunkelheit mit Leuchtschlegeln und LED-Reifen den «Dialog» aufs Fell ruessten, in nichts nach.

Etwas farblos und mit wenig Biss blieb der Auftritt der Schnitzelbank Goldies. Immerhin, mit gutem Wortwitz machte man sich auch über aktuelle lokale Themen lustig. «Mit 14 muesch an dr Fasnacht e rots Bändeli haa, mit 16 kriegsch e Griens und bisch scho fascht e Maa!» Für den ultimativen finalen Rausch sorgten wie immer die Stedtli-Singers in ihrem «seit Menschengedenken» unveränderten eleganten Frack-Outfit. Ihr Rezept: Pfiffige Pointen in bekannte Songmelodien verpacken und alles durch den Kakao ziehen, was irgendwie die Volksseele bewegt. So blieb dann etwa in Anspielung auf seinen Seitensprung auch Christophe Darbellay vom Spott nicht verschont und musste als «Babysitter von der CVP» herhalten. Das ulkige Septett – allesamt begnadete Sänger - schlug mit dem Thema «Automatisation und Arbeitsplätze» aber auch sozial-kritische Töne an.