Das rot-grüne Lager hat sich für die Landratswahlen vom 31. März 2019 ehrgeizige Ziele gesetzt: Die SP, bei den Wahlen 2015 mit 21 Sitzen als zweitstärkste politische Kraft im Landkanton aus der Regierung verbannt, hat in der laufenden Legislatur eine prononcierte Oppositionspolitik betrieben.

Diese Politik soll nun neben der angestrebten Rückkehr in die Regierung auch in Sitzgewinne bei den Parlamentswahlen umgemünzt werden. Bei den Grünen wird es demgegenüber 2019 darum gehen, das schlechte Resultat von 2015 – sie verloren damals vier Sitze – und die zusätzliche Schwächung durch die Abspaltung der Grünen-Unabhängigen von Landrat Jürg Wiedemann zu korrigieren.

Eine erste Analyse der eben bekannt gegebenen Kandidatenlisten von SP und Grünen zeigt: Vor allem im Birstal sowie im Raum Pratteln/Liestal eröffnen sich für Rot-Grün Möglichkeiten für Sitzgewinne. Demgegenüber lautet die Parole in den ländlichen Wahlkreisen Laufen, Sissach, Gelterkinden und Waldenburg wohl eher «Halten».

SP-Sitzgewinn in Pratteln möglich

Bei der SP ist in der Wahlregion 3 (Achse Pratteln-Liestal) die Chance auf einen Sitzgewinn gross; dort haben 2015 nur wenige Dutzend Wähler gefehlt für einen dritten Sitz. Personell führen die Genossen vor allem im Wahlkreis Pratteln eine starke Liste ins Feld.

Neben den wiederantretenden Bisherigen Mirjam Würth und Urs Kaufmann dürfen sich vor allem die beiden bekannten Juso Ronja Jansen (Co-Präsidentin der Juso Baselland) und Julia Baumgartner (Zentralsekretärin der Juso Schweiz) sowie der ehemalige Basler SP-Grossrat Hasan Kanber Chancen ausrechnen. Denkbar ist ein SP-Sitzgewinn auch in Liestal, neben den Bisherigen Diego Stoll und Thomas Noack hat dort Ex-Juso-Präsident und Ex-Stadtratskandidat Joël Bühler vermutlich die besten Karten.

Abwahlgefährdung der Bisherigen

Eine prominent besetzte Liste präsentiert die SP auch im Wahlkreis Binningen-Bottmingen: Dort kandidieren neben den Bisherigen Simone Abt und Lucia Mikeler Knaack etwa die beiden Gemeinderätinnen Barbara Jost und Caroline Rietschi (letztere ist zudem Vizepräsidentin der Kantonalpartei) sowie der ehemalige BVB-Mediensprecher Stefan Appenzeller. Da in diesem Wahlkreis ein Sitzgewinn eher unwahrscheinlich ist, sehen sich die beiden Bisherigen abwahlgefährdet.

Sehr gut aufgestellt sind die Genossen auch in der Wahlregion 2 (Wahlkreise Münchenstein und Muttenz): Dort stellen sich mit Parteichef Adil Koller, Fraktionspräsidentin Miriam Locher und Regierungskandidatin und Gemeinderätin Kathrin Schweizer die wichtigsten Parteivertreter als Bisherige zur Verfügung. Ob sich die starken Listen in den beiden Wahlkreisen auch in Sitzgewinne ummünzen lässt, ist indessen eine ganz andere Frage.

In Laufen ist Candreia gesetzt

Mit dem Status quo zufrieden sein müssen die Genossen realistischerweise in den ländlichen Wahlkreisen: In Laufen dürfte der stedtlibekannte Sekundarlehrer und Buchautor Linard Candreia (bisher) gesetzt sein. Darüber hinaus sind für die Partei allerdings kaum grosse Sprünge möglich.

In Gelterkinden möchte die SP den Sitz des abtretenden langjährigen Landrats und Ex-Parteipräsidenten Martin Rüegg wieder besetzen – am ehesten gelingen dürfte dies Ernst Schürch, dem Präsidenten der Amtlichen Kantonalkonferenz der Baselbieter Lehrerinnen und Lehrer (AKK).

Und jetzt muss Hannes Schweizer ersetzt werden

Ähnlich ist die Situation im Wahlkreis Waldenburg, wo der Sitz des abtretenden aktuellen Landratspräsidenten Hannes Schweizer besetzt werden muss. Im Wahlkreis Oberwil fragt sich, ob die SP ihre beiden Mandate halten kann. Wer neben dem Bisherigen Christoph Hänggi künftig nach Liestal fahren könnte, ist unklar. Chancen haben hier am ehesten Pfarrerin Juliane Hartmann sowie Ursula Wyss Thanei, Präsidentin der SP Oberwil.

«Battleground» bei den Grünen ist vor allem die Wahlregion 2, das Birstal. Hier hatte die Umweltpartei einst vier Sitze, jetzt ist es gerade noch ein einziger – jener von Fraktionschef Klaus Kirchmayr (Aesch). Im Wahlkreis Reinach werden neben Kirchmayr vor allem Einwohnerrätin Katrin Joos Reimer sowie Abfall-Jäger Marco Agostini Chancen eingeräumt. Im Wahlkreis Münchenstein treten die Grünen mit dem ehemaligen Arlesheimer Gemeindepräsidenten Karlheinz Zeller an – ein Sitzgewinn ist wahrscheinlich. Und in Muttenz hat Gemeinderat Joachim Hausammann gute Chancen, den Sitz des abtrünnigen und 2019 abtretenden Jürg Wiedemann zurück zur Partei zu holen.

Grüne: Konkurrenz in Liestal

Ebenfalls zurückholen wollen die Grünen im Wahlkreis Allschwil den vor vier Jahren verlorenen Sitz. In der Poleposition steht die damals abgewählte Julia Gosteli. Einwohnerrat Ueli Keller könnte allerdings ebenfalls ein Wörtchen mitreden. Im Wahlkreis Binningen warten auch die Grünen mit einer beeindruckenden Namensliste auf: Neben der wiederantretenden Bisherigen Rahel Bänziger Keel stechen auf der Liste etwa der bekannte Historiker und Umweltaktivist Beat von Scarpatetti sowie Bettina Wölnerhanssen, Oberärztin am Basler Claraspital, ins Auge.

In der Wahlregion 3 mit den Wahlkreisen Pratteln und Liestal besetzen die Grünen aktuell je einen Sitz, dies mit den «neuen Bisherigen» Stephan Ackermann (Pratteln) und Erika Eichenberger (Liestal). Ein Sitzgewinn liegt in beiden Wahlkreisen in weiter Ferne, allerdings ist insbesondere in Liestal die Konkurrenz auf der Grünen-Liste gross.

So treten hier etwa die neue Pro-Natura-Präsidentin und ehemalige Einwohnerratspräsidentin Meret Franke sowie Anna Ott, Einwohnerrätin und Vizepräsidentin der Kantonalpartei, zu den Wahlen an. Wie bei der SP wären auch bei den Grünen Sitzgewinne im Oberbaselbiet und Laufental eher eine Überraschung.

Im Kreis Sissach powern die Grünen

Im Wahlkreis Sissach hoffen die Grünen, der aus der Partei ausgetretenen und wohl wieder antretenden Parteilosen Regina Werthmüller den Sitz abluchsen zu können. Im Wahlkreis Gelterkinden ist die ehemalige Parteipräsidentin Florence Brenzikofer als Bisherige gesetzt, ein Sitzgewinn aber unwahrscheinlich.

In den Wahlkreisen Waldenburg und Laufen sind die Grünen bisher ohne Mandat; in Ersterem will dies Parteichef Bálint Csontos höchstselbst ändern. Dies, obwohl er als Ramlinsburger nicht in diesem Wahlkreis wohnhaft ist. Die Chancen sind gleichwohl intakt. Im Laufental wäre es hingegen eine grosse Überraschung, wenn der mehrheitlich aus innovativen Landwirten zusammengesetzten Liste der erstmalige Gewinn eines Grünen-Sitzes gelingen würde.