Die Späne fliegen. Es wird gehämmert, Nägel werden eingeschlagen, Drähte um harzhaltige Nadelholzstücke gewickelt. Ein Stimmenwirrwarr herrscht. Es ist hektisch. Auf dem Grill vor dem Eingang der Beiz brutzeln Würste. Vor der Schiessanlage Sichtern ob Liestal werden die letzten Chienbäse für den Umzug vom kommenden Sonntagabend fertiggestellt.

Ein gefragter Mann ist Fabio Armati. Er ist einer der Erfahrensten in dieser Materie und hat schon 100 bis 150 Chienbäse gemacht – mit anderen zusammen oder als helfende Kraft für Anfänger. Armati trug letzte Fasnacht zum 40. Mal einen Chienbäse von der Burg runter durchs Stedtli bis zum Ziel, das sich seit einigen Jahren auf dem Gestadeckplatz befindet.

Panne vor zwei Jahren

Heuer fällt der 56-Jährige als Chienbäse-Träger jedoch aus. Wegen einer Schulterverletzung, die er sich vergangenes Jahr bei einem unglücklichen Sturz am Kilimandscharo zugezogen hat. Nun kann er diesmal mehr Zeit aufwenden, um beim Entzünden der Chienbäse auf der Burg nach dem Rechten zu sehen.

Genau dies wurde Fabio Armati 2015 zum Verhängnis. Die Instruktoren sind in der Regel die letzten, die den Umzug in Angriff nehmen. «Wir helfen anderen und koordinieren die Gruppen.» Armati legte den Oberteil seines Chienbäse auf den Wagen, um ihn anzuzünden. Nach etwa zehn Minuten habe Chienbäse-Chef Ueli Steiner gerufen: «Er brennt, du kannst gehen.» Fabio Armati zog sein Objekt heraus und marschierte los. Schon nach etwa 200 Meter riefen ein paar Leute: «Er brennt nicht.»

«Feuer hat den Menschen schon immer fasziniert»

Schon als 14-Jähriger dabei

Tatsächlich: Armatis Chienbäse hatte kein Feuer gefangen. «Ich fluchte.» Glücklicherweise kamen seine Kollegen mit dem letzten Feuerwagen und halfen ihm. Dafür brannte dann Fabio Armatis Chienbäse unter dem Törli lichterloh. Mit gut 70 Kilo hatte er damals einen der schwersten. Heute lacht er über diese Reminiszenz. Ein durchschnittlicher Chienbäse wiegt zwischen 45 und 60 Kilo. Ein früheres Rekord-Ding war 120 Kilo schwer und wurde von einem kräftigen Mann getragen.

Erstmals hat Armati als 14-Jähriger einen Chienbäse getragen. Mit wenigen Ausnahmen war er jedes Jahr dabei. Er ist im Kantonshauptort aufgewachsen, Liestaler Bürger, das Chienbäse-Wesen ist ihm in die Wiege gelegt worden. «Schon als Kind war ich vom Feuer fasziniert, ich schaute immer mit den Eltern im Stedtli zu», erzählt Armati. Er sah sich schon früh als Chienbäse-Träger und nicht im Gedränge der vielen Besucher. Mit ein paar Kollegen lernte der jugendliche Fabio Chienbäse machen; zuerst kleine, dann immer grössere, schönere, dichtere und professioneller hergestellte. Und so zog es Armati, der auch ein begeisterter Banntägler ist, den Ärmel rein.

Damit ein tauglicher Chienbäse entsteht, muss der Macher auf die richtige Grösse des Stocks achten. Der äussere Kranz mit Chien muss dicht gebaut sein. «Das Stopfen und das korrekte Verdrahten mit zwei, drei Kränzen im Abstand von 15 bis 20 Zentimetern sind ebenfalls wichtig», erklärt der Routinier. So fällt später keine Glut auf den Träger, was Verbrennungen und Druckstellen an der Schulter verhindert. Die Chienbäse-Träger schützen sich mit Helmen und Ähnlichem sowie mit dicken Militärmänteln, Lederjacken oder Jutesäcken. «Wir tragen unser traditionelles Gewand mit Emblem darauf», betont Fabio Armati.

Die Chienbäseler, die in Viererkolonnen laufen, entfernen jeweils die verbrannten Scheite auf der Strasse, damit die folgenden Feuerwagen freie Bahn haben. Sie pausieren zu Beginn alle 15 bis 20 Meter, danach bewegen sie sich auf längeren Abschnitten, weil die Besen leichter werden. Für die ganze Umzugsroute benötigen sie gut 45 Minuten. Es kann sein, dass ein Chienbäse schon vor dem Ziel verbrannt ist. Fabio Armati findet, dass «Touristen im Stedtli das Schlimmste sind». Ihn dünkt, sie hätten keinen Respekt vor dem Feuer und stünden mit ihren Fotokameras im Weg.

Interview mit «Chienbäse Ueli»

«Abartig, was da abgeht!»

Ein Erfahrener hat in vier bis sechs Stunden einen Chienbäse gebaut. Armati wird in den letzten Jahren ziemlich viel um Rat und Hilfe gefragt. «Wir haben viele Anfänger und einige Familien, die mit Kindern kommen. Sie benötigen Unterstützung.» Drei weitere sogenannte Instruktoren mit jahrelanger Erfahrung – alle in Armatis Alter – stehen ebenfalls zur Verfügung.

Nicht nur der Umzug, auch das Chienbäse-Machen ist inzwischen ein grosser Event. «Abartig, was da abgeht!», ruft Fabio Armati. 300 Besen werden in vier Tagen hergestellt, an den Tischen im Vorzelt der Schiessanlage wird emsig gearbeitet. «Der Chienbäse-Umzug bedeutet für mich: Winter vertreiben, Tradition pflegen, Macht und Kraft des Feuers, vor allem Kameradschaft», erklärt der Sanitär-Servicemonteur mit leuchtenden Augen. Er sei das Herzstück der Fasnacht. Auf diese könne er verzichten, aber sicher nicht auf den Chienbäse-Umzug. «Ich würde sogar im Rollstuhl runterfahren, wenn es sein müsste.»