Im Kanton Baselland ist das Baufieber ausgebrochen. Einen ganzen Reigen an neuen Umfahrungen, Zubringern und Tangenten sehen die kantonalen Planer vor – so auch in Reinach: Dort ist eine Teilumfahrung geplant. Die Gemeinde nahm den Ball dankend auf. Sie nennt die Entlastungsstrasse sogar eine Bedingung für eine neue Tramverbindung in Ost-West-Richtung. Sinngemäss liess der Gemeinderat verlauten: Ohne neue Strasse – kein neues Tram.

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Doch alternativlos ist die Situation in Reinach nicht. Das geht aus dem Raumkonzept Birsstadt hervor. Im zentralen Planungsinstrument der sieben Gemeinden des Birsstadt-Verbunds wird eine Rückfall-Ebene genannt für den Fall, dass die Bruggstrasse nicht vom Durchgangsverkehr entlastet werden kann. Auf Seite 83 des Konzepts heisst es: Kommt ein hochwertiger öV-Korridor auf der Bruggstrasse nicht zustande, so sei alternativ eine Tramverbindung Reinach–Dornachbrugg «auf einer neu zu erstellenden Achse abseits der Bruggstrasse» möglich. 

Vonseiten Reinach jedoch war noch nie von einer Rückfall-Ebene die Rede. Der Gemeinderat hielt vergangene Woche per Medienmitteilung fest: «Eine Ortsumfahrung von Reinach ist eine wichtige Voraussetzung, um die stark befahrene Bruggstrasse vom Transitverkehr zu entlasten und so – frühestens ab 2035 – als Tram-Trassee der Linien 10/11 nutzen zu können.»

Tramlinien 10 und 11 verbinden

Auf diese Rückfall-Ebene angesprochen, sagt der Reinacher Gemeindepräsident Melchior Buchs (FDP): Zwar treffe es zu, dass das Raumkonzept diese Rückfall-Ebene enthalte. Seit dessen Fertigstellung seien aber weitere Abklärungen getätigt worden. «Es hat sich gezeigt», schreibt Buchs, «dass eine Trassee-Führung mit einer zusätzlichen Brücke über die Birs und durch das Kägen-Areal kaum noch realisierbar sein wird.» Auch aus der Sicht der Stadtentwicklung würde eine Linienführung auf der Bruggstrasse Sinn machen.

Gemäss Buchs sieht der Reinacher Gemeinderat eine realistische Linienführung auf der Bruggstrasse. «Zum heutigen Zeitpunkt ist es wichtig, überhaupt eine Tramverbindung zwischen den Linien 10 und 11 und eine Entlastung des motorisierten Durchgangsverkehrs im kantonalen Richtplan vorzumerken.»

Die Gemeinde denkt offenbar auch schon weiter als der Kanton. In dessen Entwurf zum anzupassenden kantonalen Richtplan (Krip) ist die Trassee-Sicherung so vorgesehen, dass die neue Teilumfahrung die Birsigtalstrasse mit der Hauptstrasse Reinach–Aesch verbindet. Der Gemeinderat jedoch publizierte vergangene Woche einen Plan, auf dem die Entlastungsstrasse woanders durchführt. Dann wäre die Teilumfahrung ein Zubringer zur Autobahn 18. Die Strasse würde direkt mit dem A18-Vollanschluss Aesch verknüpft. Für die Gemeinde ist auch klar: Die Umfahrung ist als Tunnel zu führen.

Im März forderte die SP Aesch die Streichung der Teilumfahrung Reinach Süd aus dem Richtplan. Die Baselbieter Grünen publizierten vergangene Woche eine nicht ganz ernst gemeinte Liste mit den Strassenprojekten, welche die Grünen als notwendig erachten (die Liste war leer).

Bálint Csontos, Co-Präsident der Grünen Baselland, sagt zur bz, es sei problematisch, wenn ein öV-Korridor thematisch mit einer Umfahrungsstrasse verknüpft werde: «Die Erfahrung zeigt zudem, dass eine neue Strasse in der Regel zu Mehrverkehr führt. Die Entlastung des Reinacher Ortszentrums wäre von kurzer Dauer.»