Wer im Herbst 2001 eine Landratssitzung im Liestaler Regierungsgebäude betreten wollte, war plötzlich mit rigorosen Sicherheitskontrollen konfrontiert. Auf Geheiss der Justizdirektion Baselland hatte die Kantonspolizei im Treppenhaus im ersten Obergeschoss einen Metalldetektor als Zutrittskontrolle zum Landratssaal aufgestellt. Der Lift ins Obergeschoss wurde ausser Betrieb genommen. Die Landräte und Journalisten trugen neu Badges auf sich, die sie speziell auswiesen. Quasi über Nacht war es vorbei mit dem freien Zugang zum Kantonsparlament. 

Es waren die Tage und Wochen nach dem Attentat von Zug. Am 27. September war Friedrich Leibacher schwerbewaffnet in den Saal des Zuger Kantons-Parlaments marschiert und hatte 14 Politiker und anschliessend sich selbst erschossen. Es gab zudem viele Verletzte. Als Reaktion darauf wurden im ganzen Land die Sicherheitsmassnahmen öffentlicher Einrichtungen massiv erhöht.  

Der Leibacher-Schock währte kurz

Doch in Liestal dauerte die verschärfte Sicherheitskontrolle nicht sehr lange. Der Leibacher-Schock war bald einmal vorbei. An der Sitzung vom kommenden 30. August kann längst wieder jeder in den Landratssaal marschieren, ohne behelligt zu werden. 

"Das ist schon speziell im Vergleich zu anderen Kantonen", sagte SP-Landrätin Pia Fankhauser gegenüber Radio SRF. Und tatsächlich: Der Weg ins Kantonsparlament von Zürich führt noch heute durch einen von der Polizei betriebenen Metalldetektor. Und im Bundeshaus wird in diesen Wochen die Sicherheit erneut erhöht.

Dennoch sind Landrat und Regierung nicht schutzlos. Deren Sprecher sagt gegenüber SRF: "Wir analysieren die Bedrohungslage regelmässig." So sei die Polizei anwesend gewesen, als etwa die Handschlag-Affäre diskutiert worden war.

Sicherheit nicht gegeben

Für Fankhauser ist die Sicherheit im Liestaler Regierungsgebäude nicht gegeben. Sie bat die Regierung in ihrem Postulat bereits Ende 2016 um einen Vorschlag "zum Schutze der Mitarbeitenden im Regierungsgebäude, aber auch des Regierungsrates und des Landrates" und damit um mehr Sicherheit im Regierungsgebäude. Erst jetzt liegt die Antwort vor. Warum eine Antwort so lange braucht, ist Fankhauser ein Rätsel.

Die Regierung hält fest: "Das Anliegen wird derzeit im Rahmen einer Machbarkeitsstudie zum Instandsetzungsbedarf der Liegenschaft untersucht", schreibt sie im Bericht auf das Fankhauser-Postulat.

Vorschlag im Herbst

Was umständlich tönt, bedeutet nichts anderes, als dass mit der Sanierung des Gebäudes auch die Sicherheit erhöht werden könnte. Das notwendige Geld wurde bereits ins Investitionsprogramm aufgenommen, eine Baukreditvorlage soll in diesem Herbst folgen. Folglich will die Regierung das Postulat abschreiben.

Laut GPK-Präsident Hanspeter Weibel (SVP) soll das Fankhauser-Postulat aber vorderhand gerade nicht abgeschrieben und damit erledigt werden, sondern bis zur Baukreditvorlage bestehen bleiben. Damit soll der Druck auf die Regierung beibehalten werden.   

Zur Diskussion steht unter anderem ein Notausgang, wie Regierungssprecher Nic Kaufmann "SRF" erklärt. Würde nämlich der Eingang in den Landratssaal von einem Attentäter verstellt, sitzen die Politiker und Politierkinnen in der Falle. Auch ein Badgesystem ist konkret auf dem Tisch. Ein solches wie es nach dem Leibacher-Attentat vor 17 Jahren bereits eingesetzt wurde.