Die geplante Fusion des Kantonsspitals Baselland (KSBL) mit dem Universitätsspital Basel (USB) wirft ihre Schatten voraus. Vor allem die Verkleinerung und Umstrukturierung des Standorts Bruderholz sorgt beim Personal für Unsicherheit. Anstelle des heutigen Grundversorgerspitals mit 300 stationären Betten soll eine ambulante Tagesklinik samt Permanence und Orthopädie mit noch der Hälfte der Betten gebaut werden. Der Aderlass von hoch qualifiziertem Personal ist seit längerem im Gang.

Inhalt nicht unterstützt

Dieser Inhalt ist leider nur auf unserer regulären Webseite verfügbar. Klicken Sie unten um direkt weitergeleitet zu werden.

zur regulären Website

Ausgerechnet jetzt, in den Tagen, in denen die Kantonsparlamente beider Basel über die Spitalfusion entscheiden, kommt es im ehemals so stolzen Bruderholzspitals zu einem weiteren Eklat: Eine Handvoll Kaderärzte steht unmittelbar vor dem Absprung. Gemäss einer Namensliste, die der bz vorliegt, sind es Oberärzte und Leitende Ärzte der Inneren Medizin und Kardiologie an der Medizinischen Universitätsklinik. Sie werden das Bruderholz zugunsten einer ambulanten Tätigkeit im Unterbaselbiet und in Basel verlassen. Mehrere Quellen aus dem Umfeld des Bruderholz bestätigen die Recherchen der bz. KSBL-Chef Jürg Aebi sagt auf Anfrage: «Es stimmt, dass einige Kaderärzte am Standort Bruderholz das KSBL verlassen werden.»

Keine Perspektiven mehr

Zu den Beweggründen für den Abgang sagt ein langjähriger Bruderholz-Kenner: Die Betroffenen seien fast allesamt in derselben Klinik tätig. «Sie sehen für sich keine Perspektive mehr in diesem Spital. Das Klima ist sehr schlecht.» KSBL-Chef Aebi räumt ein: «Die Unsicherheit ist in allen Bereichen verständlicherweise ein Thema.» Hinzu kämen aber auch ganz persönliche Entscheide wie etwa die eigene Karriereplanung oder die Aufnahme einer selbstständigen Praxistätigkeit.

Der neuerliche Aderlass am Bruderholz ist aus Sicht des Beobachters geradezu dramatisch. «Einen einzigen Abgang kann eine Klinik dieser Grösse verkraften – nicht aber fünf aufs Mal.» Nicht auf der Liste der Unzufriedenen in der Medizinischen Universitätsklinik ist indes der Standortleiter und Co-Chefarzt. Der Abgang der Ärzte ist zwar folgerichtig: Schliesslich sollen im Rahmen der Umstrukturierung des Standorts Bruderholz die Abteilungen Medizin und Chirurgie langfristig aufgehoben werden.

Dennoch räumt Aebi indirekt ein, dass das Spital den Weggang nicht ohne weiteres verschmerzen kann: «Auch in der Transformationsphase ist der heutige Standort Bruderholz von grosser Bedeutung, da die anderen Standorte das Volumen nicht von einem Tag auf den anderen stemmen könnten.» Selbstverständlich wolle das Spital den Weggang von Angestellten verhindern, indem ihnen neue Perspektiven geboten würden.
Doch worin bestehen diese Perspektiven? Ein zweiter von der bz angefragter Kenner des Spitals sagt: Auf strategischer Ebene herrsche ein Hüst und Hott. «Selbst Kaderärzte wissen nicht genau, wie es weitergeht.» Angesichts des grossen Know-how-Verlusts am Standort Bruderholz breche dem KSBL neben Liestal das zweite Standbein weg.

Auch Liestal darbt

Allerdings ist selbst Liestal nicht mehr das solide Standbein von einst. Auch dieser KSBL-Standort sah sich jüngst mit einem Patientenschwund konfrontiert. Deswegen musste im Sommer der 6. Stock des Spitals komplett geschlossen werden (die bz berichtete). Grund sind neben dem personellen Aderlass in der Urologie Verschiebungen von Orthopädie-Patienten aufs Bruderholz.

Der Bedeutungsverlust Liestals in diesem Bereich sei «folgerichtige Konsequenz» der Spitalgruppen-Strategie: Sie sieht in der Orthopädie einen Schwerpunkt auf dem Bruderholz vor. «Damit werden die Kompetenzen an einem Ort gebündelt», sagt Spital-CEO Aebi. Das Problem: Zumindest hier und heute präsentieren sich sowohl Liestal als auch das Bruderholz in einem arg geschwächten Zustand. Der Bruderholz-Beobachter folgert daraus: «Das KSBL wird auf medizinischer Ebene wenig in die Spitalgruppe einbringen. De facto übernimmt dann Basel den Laden.»