Die Sonne scheint am Donnerstagvormittag für die frisch gewählte Landschreiberin. Minuten zuvor schreiben 82 Landrätinnen und Landräte in geheimer Wahl den Namen «Elisabeth Heer Dietrich» auf ihren Stimmzettel. Der Landratsbeschluss lautet: «Frau Elisabeth Heer Dietrich wird für den Rest der Amtsperiode vom 1. August 2018 bis 31. März 2022 zur Landschreiberin des Kantons Basel-Landschaft gewählt.»

Die neue Baselbieter Landschreiberin sitzt beim Gespräch in ihrem zukünftigen Büro. Bis im August wird es noch leer stehen. Die alten Massivholztische sind verwaist, die Sonne durchbricht die lichtdurchlässigen Vorhänge. Haben Sie heute Nacht gut geschlafen?»

«Ich war schon ein wenig aufgeregt. Jetzt bin ich extrem motiviert und freue mich auf die Aufgabe, als Schnittstelle zwischen Landrat und Regierungsrat zu wirken», sagt Elisabeth Heer. Früh schon bestieg die 43-jährige Baselbieterin in der Berufswelt die Karriereleiter.

«Hier bin ich daheim»

Im Jahr 2001 verlässt Heer Dietrich das Baselbiet als promovierte Juristin und mit einem Master of Advanced European Studies. Nach Praktika bei der Jugendstaatsanwaltschaft Baselland und der EU-Kommission macht Heer Dietrich ihre ersten Berufserfahrungen in der Privatwirtschaft bei Hoffmann-La Roche. Dann wechselt sie nach Zürich zu PricewaterhouseCoopers. Es kommt der Zeitpunkt, an dem Heer Dietrich den Weg in den Dienst der öffentlichen Hand stellt. Ihre erste Station während acht Jahren das Bundesamt für Polizei (Fedpol). Bis im Sommer noch dient Heer Dietrich als Generalsekretärin der Sicherheitsdirektion in Zug.

«Arbeit war mir immer wichtig», sagt die Baselbieterin. «Ich möchte einen Beitrag für die Allgemeinheit leisten.» Schliesslich erwarte der Steuerzahler zu Recht Dienstleistungen des Staates. Darin sieht Heer Dietrich ihre Aufgabe: Mit ihrem Geschick will sie für den Kanton Baselland sicherstellen, dass die Landeskanzlei bestmögliche Dienstleistungen erbringt, damit Landrat und Regierungsrat ihre Arbeit optimal ausüben können.

Als im Spätherbst die Landschreiber-Stelle ausgeschrieben war, wies der Vater sie auf die Vakanz hin. «Hier bin ich daheim», sagt Heer Dietrich. Ihr Baselbieter-Dialekt ist trotz der vielen Jahre auf der anderen Seite des Juras erhalten. In Therwil wuchs sie auf, später zog die Familie nach Binningen um. Ihr Vater lebt noch heute in der Agglomerationsgemeinde. «Auf jeden Fall», sagt Heer Dietrich, kehre sie im Hinblick auf ihre neue Aufgabe im Landratsgebäude in die Region zurück. Es ist eine Heimkehr mit grosser Vorfreude: «Ich hatte viele Begegnungen in den letzten Tagen im Baselbiet, bei denen ich merkte: Wir sprechen eine ähnliche Sprache, haben einen ähnlichen Humor, verstehen uns.» Privates will Elisabeth Heer Dietrich, die kinderlos ist, auch privat halten.
«Was tun Sie, wenn Sie nicht arbeiten?»

«Ich gehe gerne ins Fitness, treffe mich mit Freunden, lese viel und mag Städtereisen sehr.»
Heer Dietrich ist präzis, kontrolliert und setzt gewissenhaft Grenzen. Im Landschreiber-Auswahlverfahren wurden Heer Dietrich hohe Führungsqualifikation und -motivation attestiert.
Seitdem der Kanton Basel in die Halbkantone getrennt wurde, ist der Landschreiber höchster Verwalter im Baselbiet. Johann Jakob Hug war 1832 der erste Landschreiber. Es folgten in diesem Amt 17 weitere Männer.

Unter ihnen Gustav Schmied, der ab 1935 über nahezu drei Jahrzehnte hinweg das Zepter in der Hand hielt. Nun, 186 Jahre nach der Landschreiber-Einführung, ist die Männer-Vorherrschaft gebrochen. Elisabeth Heer Dietrich, erste Frau in diesem hohen Amt. Die Direktbetroffene dazu: «Für mich persönlich ist dies nicht relevant. Ausschlaggebend ist, dass ich mit meinem Rucksack die notwendigen Fähigkeiten und Sozialkompetenzen mitbringe.»

An Heer Dietrichs Fähigkeiten zweifelt niemand: Unter 31 Bewerbern überzeugte Heer Dietrich die Findungskommission ohne Vorbehalte. Alle acht anwesenden Mitglieder entschieden am Stichtag, die 43-Jährige zu nominieren. «Ihre Kandidatur war einfach die beste», hatte Hans-Jürgen Ringgenberg, Präsident der Findungskommission, den Entscheid begründet.

Mit Respekt nehme sie die Herausforderung an, sagt Heer Dietrich, angesprochen auf ihren Vorgänger Peter Vetter. Letzterer war durch einen Bericht der Geschäftsprüfungskommission in die Kritik geraten. Die Person des Landschreibers war zuletzt vermehrt politisch im Fokus gestanden. Heer Dietrich macht sich mit Blick auf die jüngere Vergangenheit keine Sorgen. «Ich möchte mir ein eigenes Bild machen.» Und als «sechsten Regierungsrat», wie etwa ihr Vorvorgänger Walter Mundschin im Volksmund bezeichnet wurde, will Heer Dietrich nicht verstanden werden.

Pegoraros freudige Gratulation

Regierungsrätin Sabine Pegoraro öffnet die Tür des Landschreiberin-Büros, entschuldigt sich für den Unterbruch, schenkt Heer Dietrich eine warme Umarmung und gratuliert ihr. «Heute Morgen habe ich doch noch gebibbert», sagt die zukünftige Landschreiberin zur Regierungsrätin. Zu Unrecht: 82 von 84 Landräten bestätigten Heer Dietrichs Nomination. Eine Wahl ohne jegliche Diskussionen.

Heer Dietrichs Vorteil ist, dass sie ohne Verfänglichkeiten aus Zug ins Baselbiet zurückkehrt und parteipolitisch unbefangen ist. Sie werde ihre Position auch keinesfalls politisch interpretieren. Ihr politisches Interesse sei, wie sie sagt, sachorientiert gewesen. Nach diesem Credo will Heer Dietrich denn auch die Landeskanzlei führen. Und sie verlangt von ihrem zukünftigen Team überlegtes Handeln. «Wenn ich eine Lösung suche, denke ich immer in Varianten, denn oftmals ist der erstbeste Schlüssel nicht der richtige.»

«Ich habe eine Vorstellung, was auf mich zukommt», sagt Heer Dietrich. Sie wird bestens vorbereitet sein. Bereits jetzt konsultiert die Landschreiberin in spe Fotos auf der Website des Kantons Baselland, um sich die Namen der 90 Landrätinnen und Landräte einzuprägen.

Möglichst bald wolle sie die Menschen kennen. Darüber hinaus liest sich Heer Dietrich fortan an den Wochenenden in die Gesetzesgrundlagen ein und verfolgt die aktuelle politische Debatte. Denn all dies muss neben Heer Dietrichs Tätigkeit als Generalsekretärin in Zug Platz finden.