Selbst der böseste Waggis schaffte es am Birsfelder Umzug kaum, Zuschauerinnen richtig zu stopfen - zu heftig wirbelte der Wind am Samstagnachmittag die Räppli durch die Hauptstrasse der Birsmetropole. Böse waren die langbehaarten Dauergrinser trotzdem, wenn sie von ihren Wagen herab knallhart entschieden, wer Süssigkeiten erhalten durfte – und böse waren sie auch mit ihren Sujets, so zum Beispiel die Birskepfli Brinzler. Sie meinten sarkastisch zu den Olympischen Spielen:

E jeede wo uff Rio kunnt sell stuune,
au wenn me zerscht d Favelas muess ruume
Jo kei Bligg hinter d Fassade
Es könnt em Yymitsch schaade

Ebenfalls skeptische Gedanken löste bei den Füürwaggis der Blick über den Atlantik aus:

Dr Trump, dr Präsidänt vo de Vereinigte Schtaate,
wo fiehrt uns das no ahne,
nach links, nach rächts, uffe oder aabe,
si Hoorpracht loht uns nüt Guets erahne.

Weil man nicht unter die Goschdym der Smartbinggis blicken konnte, weiss niemand, ob sie wirklich so dick sind, wie ihr Spruch vermuten liess:

Lersch e Bruef und wottsch gärn schaffe,
muesch di zerscht guet lo begaffe,
vom Chef und sinere ganze Crew,
passt dr BMI nit, muesch go im Nu.

Ein namenloses Schyssdräggzügli nannte sich kurzerhand «die integrierte Waggis» und malte seinen Wagen in italienischen Farben um. Das Sujet der Waggis Wylen lautete «Hinte Grenzbach, Wyle vorn, isch des die neui Norm?» Das verstand zwar diesseits des Rheins niemand, was aber niemanden störte, ebenso wenig wie die Wyler Rydämone, die in bester deutscher Fasching-Tradition die Menschenmengen mit Ballermann-Sound aus dem Lautsprecher beglückten. Anderswo wäre so etwas verpönt. In Blätzbums, wie Birsfelden an einem Tag des Jahres heisst, ist man immer offen für Gäste aus der Nähe und der Ferne. So durften die Dunnerloch-Zotteli (ebenfalls aus Wylen) Kinder (und vor allem deren Eltern) schockieren. Sie steckten nämlich grinsend den Finger in die Nase – diejenige ihrer Larve, wohlverstanden. Und in Birsfelden ist man so offen, dass die Spezi-Clique aus dem ach so verhassten Basel den Fasnachtsumzug eröffnen darf. Mit den Schwarzbuebe Schränzer Nuglar kam eine rund um Basel eher unbekannte Fasnachtstanztradition auf die Birsfelder Hauptstrasse.

Doch an der Blätzbumser Fasnacht machen traditionsgemäss auch viele Formationen aus der Gemeinde mit, auffallend oft ist «Birs» Bestandteil ihres Namens. Die Birsfelder Sujets musste man allerdings schon etwas suchen. So erinnerten sich die Füürwaggis an den vergangenen Sommer, als in der Hauptstrasse für einige Tage die Weihnachtsbeleuchtung hing – zu Testzwecken. Diese «Wiehnachtsstimmig in kurze Hose», wie sie es nannten, brachte offenbar die innere Uhr der feuerwehrverliebten Waggis heftig durcheinander. Sie liessen «Feliz Navidad» aus den Boxen ihres Wagens plärren. Ihr Värslibrinzler hatte im August keine Weihnachtskarten gekriegt und meinte:

Freu i mi halt uf d Fasnacht, dasch eh vill töller,
s gitt meh Alk und wirsch auch chli völler.

Elegant schlagen die Querschleeger den Bogen vom Lokalen zum Globalen. Man dürfe sich nicht über die miese Finanzlage Birsfeldens beklagen, finden sie, denn:

Lueget emoll übere grossi Daich,
dört stegge si no viel meh im Saich.
Nachm Obama gits also wieder e Wysse,
drfür ein wo ab und zu tuet bschisse.

Ein beliebtes Lokalsujet war – einmal mehr – der Verkehr in Birsfelden. Manch eine Kleinstformation – von denen in Birsfelden immer viele mitmarschieren – hatte Fahrverbotsschilder und Bussen an ihren Leiterwagen gehängt. Und die Schlitzohre verteilten nicht etwa Räppli, sondern orange Leuchtwesten – wohl eine Reminiszenz an die Gemeindepolizei, die mehr Bussen verteilt als auch schon.

Nichts zu verteilen hatten die Unschlyssige. Die Riesentorte, die sie zu ihrem 25-Jahr-Jubiläum herumkutschierten, war leider nicht essbar.