«Wir konnten mit ihm bislang weder am Deliktsmechanismus noch an der Deliktsdynamik arbeiten», monierte der Bericht aus der forensischen Psychiatrie. Der 42-jährige Angeklagte war über diesen Satz am Dienstag im Kantonsgericht in Liestal wenig erfreut. «Ich erzähle und erzähle, aber es reicht dem Therapeuten nicht», sagte er.

Im Februar 2017 verdonnerte ihn das Baselbieter Strafgericht wegen schweren Vergewaltigungen, Schändungen und weiterer Delikte zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren. Die Strafe ist wegen der Rückfallgefahr aufgeschoben, der Mann befindet sich in einer stationären Massnahme, konkret in der geschlossenen Psychiatrie.

Das Urteil hat er weitergezogen, weshalb sich diese Woche die Kantonsrichter mit dem Fall befassen. Der 42-Jährige möchte eine reguläre Strafe absitzen und höchstens eine begleitende Therapie.

Selbstgefilmte Pornos

Der Mann hatte mindestens fünf Frauen bis zum komatösen Zustand betäubt und dann völlig rücksichtslos wie Sexpuppen benutzt, eine Frau ist bei den stundenlangen Sexspielen fast gestorben. Die Sache flog erst auf, als der Mann 2011 von einer damals 21-jährigen Prostituierten wegen Vergewaltigung angezeigt wurde. Dieses Verfahren führte zwar zu einem Freispruch, doch fand man bei ihm zuhause in Birsfelden acht Terabyte an selbstgefilmten Pornos: Die Staatsanwaltschaft versuchte über Monate, die betroffenen Frauen zu identifizieren und zu befragen.

Teilweise handelte es sich bei den Opfern um langjährige Bekannte des Mannes, teilweise um Zufallsbekanntschaften. Nach einer vorläufigen Festnahme machte der Mann einfach weiter, seit Sommer 2014 sitzt er hinter Gittern. Einzelne Grenzüberschreitungen gab der Mann zu. Er bestreitet aber bis heute energisch, jemals eine Frau mit K.o.-Tropfen betäubt zu haben, man habe bloss gemeinsam Wodka konsumiert.

Die Rechtsmediziner haben allerdings klar gesagt, dass der Zustand der Frauen auf den Videos nicht mit Alkoholkonsum erklärbar sei. Die Verwahrung ist noch kein Thema, doch ein Forensiker meinte vor Gericht auf eine entsprechende Frage des Gerichts, falls die Therapie nicht anschlage, müsse man über andere sichernde Massnahmen nachdenken. «Haben Sie gehört? Es kann noch enger werden», warnte Gerichtspräsident Enrico Rosa den Mann.

Die Richter kennen sämtliche Videos, am Dienstagmorgen visionierte das Gericht einzelne Stellen erneut zusammen mit dem Angeklagten. Zu sehen war dabei meist wenig, aber die Tonspur war deutlich: So hatte der Mann im Juni 2009 eine damals 17-jährige drogensüchtige Frau im Kleinbasel aufgegabelt, sie war zuvor in einem Wohnheim abgehauen. In seinem Auto zwang er sie rund eine halbe Stunde lang zu Sexspielen, obwohl ihr schlechter Gesundheitszustand erkennbar war, sie litt auch an Geschlechtskrankheiten. Danach spottete er, er wisse nicht, ob sie sich das Kokain nun verdient habe.

Auf dem Film war insbesondere zu hören, wie sie minutenlang bettelt und heult. Die Frau starb ein Jahr später durch HIV.

Noch nie einen HIV-Test gemacht

Bislang hatte der Mann die Aussage dazu verweigert, ob er HIV-positiv sei. Am Dienstag erklärte er den überraschten Richtern, er habe noch nie in seinem Leben einen entsprechenden Test gemacht.

Spätere Übergriffe an anderen Frauen geschahen oft ebenfalls ungeschützt, auch hatte er weitere Beziehungen. Da die Staatsanwaltschaft die Anschlussappellation erklärt hat, kann das Kantonsgericht das Strafmass sogar noch verschärfen. Das Urteil fällt morgen Donnerstag.