Ein Potpourri aus Themen präsentierte am Sonntag die Allschwiler Fasnacht. Die rund 1500 Aktiven in 74 Wagen, Cliquen, Guggen und Buebezigli gingen in ihren Sujets kaum auf das Motto der diesjährigen Allschwiler Fasnacht «Allschwil pfyfft uf d Dänggmolpfläg» in Bezug auf die zum Abriss freigegebene Turn- und Konzerthalle Gartenstrasse ein, sondern spielten andere Ereignisse im Dorf aus dem vergangenen Jahr aus. Als Gäste waren auch Wagen aus Reinach und Leymen darunter. Die Veranstalter schätzen 15 000 Zuschauer – trotz beständigem Nieselregen.

Da war zum Beispiel die Wurst, oder besser gesagt die Würste, nämlich die zwei goldenen und eine silberne, die der Dorfmetzger Birbaum als Qualitätsauszeichnung erhalten hat. Bei den Lindebaum-Pirate gab es zum Beispiel «Hagg im Sagg» und «Wurscht gege Durscht». Unter anderem die Schuel-Schwänzer-Clique freute sich hingegen, dass das Milchhüsli gerettet worden war. Dort war einer der gefährlichsten Orte, um Orangen zu erheischen: Die prasselten nämlich haufenweise gegen die Aussenfassade, wenn sie die offenen Fenster im oberen Stockwerk nicht trafen. Zum 50. Geburtstag blickte die Chrutagger-Clique in einem zum Postauto-Oldtimer umgebauten Wagen mit Wehmut auf all ihre Sujetwagen der Vergangenheit zurück und versprach: «Mir wärde no mängs Johr witermache.»

Dass die Dorfseele aber noch bei anderen Themen als der Turn- und Konzerthalle brodelt, machten die Im-Brüel-Waggis drastisch klar, die äusserst unzufrieden mit der neuen Gebührenordnung der Gemeinde sind, nach der die Vereine künftig Hallen- und Parkplatznutzung zahlen müssen: Sie liessen einen Spieler des FC Allschwil mit Sack über dem Kopf von der hochgestellten Traktorschaufel baumeln. Sie forderten, das Geld lieber von Actelion oder dem vermeintlichen neuen Bordell «Secret Garden» zu holen, und drohten:

Und gits kei Löösig, wo duet schlichte,
denn wärde s die neggschte Waale richte.

Die Räppli-Streuer widmeten sich der Buslinie 38 und liessen sich von «BVB-Sherpas» von «A nach B-VB» tragen. Eine klassische Posse sind die Streitereien im Kulturverein, der sich in zwei Nachfolger aufspaltete, die beide den Namen für sich beanspruchen: Für die Wild-Viertel-Clique, verkleidet als König, Grossmutter, Kasperl und Hotzenplotz, einfach nur ein «Chasperlitheater».

Adrian Butz, Obmann der Wild-ViertelClique, welche die Fasnacht in Allschwil organisiert, sagte, er sei «sehr erstaunt» über die grosse Zahl an Zuschauern – etwas, dass er bei diesem Wetter nicht erwartet hätte. Vielleicht lag es aber auch an den Borerhof Gnulleri, die zum Trost Hawaii-Blumenhalsketten an die Zuschauer verteilten. Mehrere Gruppierungen warfen übrigens Spreu statt Räppli – eine alte Allschwiler Tradition, wie Butz erklärt: Die Allschwiler Bauern hätten sich früher keine Räppli leisten können und deshalb das genommen, was kostenlos und in Mengen zur Verfügung gestanden sei.

Der Fasnachtssonntag begann in Allschwil um 5 Uhr mit dem Morgästräich; am Montag startet um 14.30 Uhr der Kinderumzug. Am Dienstag stehen ab 21 Uhr die Laternen auf dem Dorfplatz; dorthin gelangen auch die Guggen ab 22 Uhr per Sternmarsch. An beiden Tagen sind ab 19.30 Uhr in den Beizen Schnitzelbängg unterwegs; beerdigt wird die Fasnacht am Mittwoch um 14 Uhr auf dem Dorfplatz.