Unter langjährigen Angestellten der Bundesverwaltung kursiert ein Witz, der die Lage wunderbar zusammenfasst: «Die Jungen laufen schneller, die Älteren kennen die Abkürzungen.» Beamte sind Meister darin, Abkürzungen zu kreieren. Oft gibt es gute Gründe für Akronyme oder Buchstabenketten. Nicht selten aber sind Abkürzungen so krude formuliert, dass selbst Fachleute nicht mehr durchblicken. Der Bund führt mehrere entsprechende Register. Allein der fünfsprachige Wälzer mit den amtlichen Abkürzungen zählt 161 Seiten. VLvM (Verordnung betreffend die Liste der verschreibungspflichtigen Medizinprodukte) findet sich darauf ebenso wie Oém-BN (Ordonnance sur les émoluments perçus par la Bibliothèque nationale suisse).

Wie verwirrend Abkürzungen bisweilen sind, zeigt ein aktuelles Beispiel: Seit zwei Jahren ist SCoop die amtliche Abkürzung für die Rechtsform der Genossenschaft – sowohl auf Französisch, wo SCoop für Société Coopérative steht, als auch auf Italienisch und Rätoromanisch. Bei Weinproduzenten in den lateinischen Landesteilen, die oft Genossenschaften sind, sorgt die Abkürzung für Kopfschütteln. Denn SCoop erinnert an den Detailhändler Coop, notabene der grösste Weinhändler des Landes und selbst genossenschaftlich organisiert. Branchenverbände protestierten: Müssen Weinhändler SCoop auf ihre Etiketten drucken, komme das einer Schleichwerbung für Coop gleich. Die Behörden gaben sich zuerst stur. Mögliche Alternativen wie SC seien besetzt und könnten nicht einfach umgenutzt werden, hiess es noch im vergangenen Winter. Nach einem Vorstoss des Tessiner CVP-Nationalrats Marco Romano hat der Bundesrat jedoch eingelenkt: SCoop soll durch eine andere, noch zu definierende Abkürzung ersetzt werden. Der Nationalrat stellte sich soeben hinter dieses Vorhaben. Jetzt muss nur noch der Ständerat grünes Licht geben, äh, Pardon: der SR.

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