Dieser Tage starten die Kampagnen für die Abstimmungen am 23. September. Wie so oft ist gerade aus bürgerlichen Kreisen nicht zu erfahren, wie viel Geld dafür aufgewendet wird. Die Initianten von Fair Food gehen von einem Missverhältnis aus. Die grüne Nationalrätin Maya Graf (BL) spricht von «David gegen Goliath»: «Die unterstützenden Organisationen werden zusammen 300'000 Franken einsetzen.» Bei den Gegnern werden es wohl mehr sein.

In Bern läuft derweil eine andere Kampagne an: Die Stadtregierung will die Bernerinnen und Berner dazu bewegen, mehr Velo zu fahren. Namentlich die Sozialdemokratin Ursula Wyss wendet dafür abermals viel Geld auf. Nebst den bereits installierten Velozählern, welche messen, wie viele Velos vorbeifahren, und den Publibikes, welche die Stadt trotz Problemen mit den Schlössern bereitstellt, startet im September eine Kampagne. 320'000 Franken soll sie kosten. Das ist mehr Geld, als die Fair-Food-Initianten auf nationaler Ebene einsetzen können. Freilich hat Wyss den Vorteil, dass sie sich aus dem kaum versiegenden Steuertopf bedienen kann. Doch damit nicht genug. Wyss hat dem Stadtparlament einen Nachkredit in der Höhe von 400'000 Franken gestellt. Handfeste Verbesserung der bekannten Nadelöhre sind nicht zu erwarten. Ziel ist abermals Information.

Nun könnte mit den 740'000 Franken wohl jedem Berner, der noch kein Velo besitzt, eines gekauft werden – auch wenn er es nicht will. Alternativ kann die Stadt jedem Bewohner einen Fünfliber in die Hand drücken, wenn er mit dem Velo einmal durch die Stadt fährt. Oder Steuern senken. Bessere Ideen gibt es viele. Was bleibt zu sagen? Immerhin ist die Kampagnenfinanzierung in diesem Fall transparent.

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