Wie viel Häme mussten die Veranstalter des Berner Gurtenfestivals über sich ergehen lassen, als sie 2013 ein Bändeli-System mit Funkchip einführten, um das Bargeld vom Berner Hausberg zu verbannen. Drinks und Fastfood einfach per Bändel bezahlen.

Keine Schlange vor dem Bankautomaten. Ja, gar kein Bankautomat mehr. Doch das System bockte. Um sich zu verpflegen, musste dann doch Bargeld her. Nur hatten viele Partygäste das dicke Portemonnaie zu Hause gelassen. Ein Fehler. Über die Lautsprecher der Festivalbühnen forderten die Veranstalter Gäste dazu auf, Freunde auf der Anreise zu beauftragen, Geld mitzubringen.

Heuer funktionierte das Cashless-System einwandfrei. Vielleicht sogar etwas allzu reibungslos. Die Cashless-Karte konnte der Gurten-Besucher vorgängig mit Geld aufladen, um damit für den Drink an der Bar, die neue Sonnenbrille vom Ramsch-Stand und sogar für die Glace zu bezahlen. Ähnlich wie bei der SBB-Kontrolle und dem Swisspass muss der Kunde nur kurz die Karte hinhalten. Und zack, sind die nächsten fünfzehn Franken für ein lumpiges Sandwich weg.

Wenn das Geld so unsichtbar fliesst, überlegt sich der Partygänger nicht zweimal, ob das Chili con Carne oder die chinesischen Nüdeli wirklich den Preis wert sind. Er muss ja nur die Karte hinhalten. Zack. Und wenn sie leer ist, wird sie dank hinterlegter Kreditkarte automatisch sofort wieder aufgeladen.

Der Kater folgt dann am Ende, mit dem Besuch der Website, um das Restgeld zurückzufordern. Da ist jede Buchung aufgelistet. Hangbar (20:21 Uhr) –15 Franken, Highland Gurten (21:58 Uhr) –8 Franken und Bonappbar (00:56 Uhr)–16 Franken. Transparenz kann schmerzhaft sein.

anna.wanner@azmedien.ch