Grätschen, Eigengoals schiessen, Sturmspitzen bilden: In den Parlamentssälen unserer Breitengrade gibt es kaum eine Debatte, die nicht mit mindestens einer Fussball-Analogie auskommt. Der Sport ist in der Politik die wohl beliebteste Quellsphäre für Metaphern. Die Politiker freilich dürfen sich darauf verlassen, dass ihre Sätze in den Medien eifrig zitiert werden.

Als sich etwa die deutsche Kanzlerin Angela Merkel einmal zur Halbzeit-Bilanz einer Legislatur als Teamchefin bezeichnete, von Spielminuten sprach und über Chancenverwertung philosophierte, berauschten sich die Redaktionen an ihren Worten, als wäre Deutschland gerade Weltmeister geworden.

Einen Schwall an Fussballmetaphorik liefern derzeit auch die Befürworter des Geldspielgesetzes, das am 10. Juni an die Urne kommt: Während Wochen dümpelte das Ja-Komitee in der Abstiegszone. Die FDP nahm überraschend die Nein-Position ein, die SVP beschloss Stimmfreigabe. Derweil verliessen die SP und die BDP das Komitee unter Protest – weil die Agentur Goal (!) des umstrittenen SVP-Werbers Alexander Segert für die Ja-Kampagne zuständig ist.

Ein klassisches Eigengoal also. Deshalb setzen die Befürworter nun auf die Dienste Mark Balsigers. Der bekannte Kommunikationsberater dankt mit einem fussballsprachlichen Höhepunkt. In einer Mitteilung an Journalisten lässt der Berner verlauten, er sei «in der 75. Spielminute eingewechselt worden – als Joker».

«Dass ich Pässe wie Messi oder Pirlo schlagen werde, bleibt in diesem Leben wohl ein Wunschtraum», schreibt Balsiger. Er fungiere aber als Koordinator des Komitees, als Spielmacher also. Wie sagte schon Günther Netzer, der grosse Spielmacher der 1970er-Jahre: «Ich persönlich habe mir bei jedem Trainingslager überlegt, ob ich aufhöre, Fussball zu spielen.»