Wenn Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu die Zahlen des Grossmanövers «Wostok» (Osten) aufzählt, geht es vor allem um die Demonstration einer Kampfkraft, wie es sie in der Russischen Föderation noch nie gegeben hat.

Von 300'000 Militärangehörigen spricht er, bis zu 36'000 Panzern und anderen Fahrzeugen, mehr als 1000 Flugzeugen, Drohnen und Hubschraubern. Wer bei der Übung Freund und Feind sein soll, sagt Schoigu nicht. Das spielt dabei auch nur eine untergeordnete Rolle.

Die Übung in Sibirien und Russlands Fernem Osten ist ein Signal an Ost und West zugleich. Die Nato-Staaten, die in wenigen Wochen ebenfalls eine grosse Truppenübung in Norwegen planen, fühlen sich vom militärischen Aufblähen der Russen bedroht, französische Beobachter sprechen gar von der Vorbereitung Russlands auf einen neuen Weltkrieg. Den Russen kommen solche Töne gelegen, setzen sie doch stets auf Angst, mit der sie Respekt einfordern.

Viel bemerkenswerter bei der Mega-Übung ist die Teilnahme von 3000 chinesischen Soldaten. Die russisch-chinesische Annäherung in Politik und Wirtschaft wird hier um die militärische Komponente erweitert. China nimmt an strategischen Handlungen teil, nicht nur an Antiterror- oder Polizeiübungen wie bisher. Ein Novum. Die Chinesen profitieren von der Kampferfahrung der Russen, die diese in Syrien und der Ukraine schärfen. Moskau zeigt, wie einfach es sich neuen Verbündeten zuwenden kann. Mag da mit Peking auch vieles noch Wunschtraum statt Realität sein.

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