Vor Jahresfrist wurde hier das braune Gestrüpp besprochen, das dem Frühling trotzte, während die Bundesstadt in Blüte stand: Die jungen Rotbuchen, die das Bundesamt für Bauten vor den Bundeshäusern Ost und West in Bern hatte pflanzen lassen. Auch dieses Jahr wieder grünt es nur zögerlich, es dominiert das Braun der letztjährigen Blätter, die nicht weichen wollen. Dabei kommt diese Woche Frank-Walter Steinmeier zum Staatsbesuch. Wenn der nur nicht gleich wieder abreist.

Aber rechtzeitig ist Leben im Gestrüpp. Auf den ersten Blick sieht es aus wie Unkraut, was da zu Füssen der Rostbuchen wuchert. «Unkraut? Oh nein!», sagt ein Angestellter der Firma Kuster Gärten, der gerade die Bewässerungsanlage in Schwung bringt. Es handle sich beim Gewucher um Wild- und Waldstauden, die für Farbe sorgen sollen. Denn es gingen letztes Jahr hässige Reklamationen ein ob des rostig-tristen Bildes. 

So haben die vom Bund bestellten Gärtner im Herbst zahllose Wild- und Waldstauden angepflanzt, im Sinn von flankierender Massnahme und Ablenkungsmanöver. Ein wildes Gemisch an Stauden wie Veilchen, Schlüsselblumen, Katzenaugen oder Stiefmütterchen breitet sich nun aus.

Der Bund überliess (fast) nichts dem Zufall. Ein Professor der Forschungsanstalt Wädenswil habe die Pflanzen ausgewählt und hergeschafft, heisst es. Sie werden nun unter den Buchen einen bunten Teppich bilden, so die Hoffnung. Wobei offen sei, welches Bild sich künftig bietet: Die stärksten der Gewächse würden sich durchsetzen und verbreiten, so der Gärtner.

Man darf jetzt immerhin hoffen, dass die wilden Stauden stark genug sind, um die Rostbuchen zu verdrängen.

henry.habegger@azmedien.ch