In diesem Gefäss hadern wir des Öftern mit unser Wahlheimat Bern. Vor allem über die Auswüchse der Velo-Offensive – etwa dem überdimensionierten Velo-Verleihsystem, das uns herkömmlichen Velofahrern und den Autofahrern ihre Parkmöglichkeiten streitig macht. Oder über den Ausbau der Verwaltung. Die Stadt Bern schafft 56 neue Stellen – eine davon etwa für die Kommunikationsarbeit für die geplante Schwimmhalle.

Dabei gibt es wohl kein schwimmfanatischeres Volk als die Stadtberner. Gäste wundern sich dieser Tage über die vielen Männer mit nacktem Oberkörper, die selbst in der Stadt promenieren. Und die Heerscharen, die in Badeanzügen der Aare entlangspazieren, um sich danach in den Fluss zu stürzen und treiben zu lassen.

Ein Kolumnist der «Washington Post» meinte, nach Feierabend sehe es in Berns Strassen aus «wie in einem Zombiefilm». Wegen der Menschenmassen, die zur Aare pilgern. John Kelly hat das Phänomen genau betrachtet. Er beschreibt seinen Lesern selbst die Männer eines gewissen Alters, deren Bäuche einem lackierten Eichenfass gleichen. Er erklärt, dass das Marzili-Bad gleich unter dem Bundeshaus liegt.

Und folgert daraus: «Wenn man beim Bund arbeitet, sieht man seine Kollegen fast nackt. Man sieht seine Untergebenen. Man sieht seinen Boss.» Aus seinen soziologischen Betrachtungen zieht er einen Schluss, der die Welt verändern könnte: «Vielleicht ist das Problem in Washington – die ganze Vetternwirtschaft und die politische Verbitterung –, dass wir einander nie in unseren Badeanzügen sehen.»

Ob es so einfach ist, sei dahingestellt. Bundesräte zumindest sieht man nie im Marzili. Klar ist aber: Der Aareschwumm gibt Gelassenheit. Da verzeiht man der Regierung selbst ihre unsägliche Velo-Offensive.