Eigentlich mag ich ja Onomastik, also das Studium von Namen. Schwieriger ist es mit dem Finden ebenselbiger. Das habe ich bereits vor der Geburt meines Sohnes bitter erfahren müssen, als meine wesentlich bessere Hälfte all meine Namensvorschläge von Gaius Julius über Megas Alexandros bis Theoderich samt und sonders verwarf. Zu Recht, übrigens. Nun hat mich das Problem auch noch beruflich eingeholt. «Schreib doch mal den ‹Land-Schreiber› aus der Stadt», legten mir die Kollegen aus Liestal nahe.

Nur, wie heisst so ein «Land-Schreiber» in der Stadt? Die Ideen kamen rasch und wurden ebenso schnell wieder verworfen. «Stadtindianer» ist zwar gut, aber leider politisch nicht ganz korrekt. Also, auf die andere Seite der Prärie, wie wäre es mit «Asphaltcowboy»? Geht auch nicht. Weil erstens ist der «Cowboy» gemäss der unergründlichen Weisheit der niederländischen Regierung ja mittlerweile politisch auch unkorrekt. Zweitens ist er ja irgendwie auch ländlicher als städtisch, der Kuhbube. Und drittens ist Asphalt natürlich städtisch, aber in Zeiten Wesselscher Innenstadtverschönerung mit Alpnacher Edelgestein völlig unbaslerisch.

«Stadtstreicher»! Die Idee klang erst mal gut. So nach Aragorn dem Streicher in «Herr der Ringe», nach planlosem aber coolem Herumstreunen in den Schluchten des Grossstadtdschungels. Kurz, fast so Marlboro-mässig wie der Cowboy, nur eben in Sneakers und Hipster-Tweedmantel. Doch die Befürchtung, der eine oder andere böswillige Kollege könnte das entscheidende «e» unterschlagen, hielt mich am Ende auch davon ab.

«Stadtnomaden», das klingt nach Wagenplatz-Hobbyzigeunern. «Stadtneurotiker» sind wir definitionsgemäss alle irgendwie und gegen jede Wortkombination, in der «Urban» vorkommt, bin ich schwer allergisch. Sei es nun «Urban Farming», «Urban Gardening» oder sonst eine angesagte Form neo-agrarischen Stadtlebens.
Das einfachste wäre ja, analog zum Kollegen auf dem Land, der «Stadtschreiber» gewesen. Nur, in Basel-Stadt heisst diese Stellung «Staatsschreiber» und ist von einer Dame besetzt, die sich die Amtsanmassung meinerseits zu Recht verbitten würde. Da gab es auch in Liestal schon das eine oder andere Missverständnis.

Sucht man einen Kindernamen, helfen zahllose einschlägige Seiten im Internet. Aber der Kolumnennamen suchende Schreiber erhält keine Hilfe. Da bleibt nur eine Hoffnung: die Schwarmintelligenz. Die geschätzte Leserschaft hat vielleicht eine zündende Idee. Wenn nicht, müssen die Kollegen an der Ergolz hier in Zukunft wieder selber wirken.