Noch sind wir nicht so weit, an Baselland dermassen zu verzweifeln wie einst Schriftsteller Thomas Bernhard an seinem verhassten Österreich, dass das Papier nicht wert gewesen sei, auf dem seine Landkarte gedruckt war.

Wir stellen bloss fest, dass wir im Schatten von Finanzhaushalts-, Budgetierungs-, Spitalplanungs- Gesundheitskosten-, Sozialkosten-, Partnerschafts-, Wirtschaftsentwicklungs-. Verkehrs-, Gemeindestruktur-, Bildungsreform- und neuerdings auch Beratungshonorarkrise wie Süchtige nach Baselbieter Erfolgsmeldungen gieren.

Was für ein Hochgefühl, wenn «10 vor 10» zur Abwechslung über Baselland als Pionierkanton berichtet, weil auf dem Hof des Füllinsdörfer Gemeinderats und Gemüsebauern Eschbach ein landesweites Pilotprojekt startet, das Asylsuchenden die Arbeit als Erntehelfer ermöglicht – und das erst noch zum normalen Lohn. Sonst ist in Zürich mit Vorliebe vom korrupten Bananenkanton die Rede. Bei Eschbach dagegen wurde lobend betont, dass er schon seit 20 Jahren, also lange vor der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative, Asylbewerbern auf seinen Feldern eine Chance gibt.

Es gibt sie also noch, die Felder, in denen das Baselbiet Mut, Unangepasstheit und Pioniergeist beweist; egal ob aus staatlicher oder individueller Initiative heraus. Davon wünschen wir uns mehr. Auch mehr Sichtbares. Gerade jetzt, da die allumfassende Sparschraube zum politischen Verhinderungs- und Dekonstruktionsreflex verführt. Auf Schönfärberei, Verschleierung, Parteienknatsch und Propaganda verzichten wir dagegen. Wir sind immer noch stark genug, die volle Wahrheit zu ertragen.

Wir wünschen uns etwas, das hier eine Aufbruchsstimmung erzeugt und die Bevölkerung mitreissen kann. Genau so, wie es die finnische Monsterrocker-Band Lordi 2006 getan hat, als sie gegen alle Wahrscheinlichkeit und gute Geschmacksnerven mit ihrem Brüller «Hard Rock Hallelujah» den Eurovision Song Contest (ESC) gewann. 70'000 Finnen bereiteten der Band in Helsinki eine triumphale Heimkehr, so gross war der Kollektivrausch über den allerersten finnischen Sieg im Wettbewerb.

Vermutlich gibt es weltweit keine andere Veranstaltung, mit derart sinnfreiem Inhalt, aber solch emotionalen Randgeschichten und weitreichender Wirkung wie den ESC. Erinnern wir uns an die hüpfende Lederbraut Ruslana, die 2004 mit «Wild Dances» für die Ukraine gewann, und später auf dem Maidan Leitfigur der Protestbewegung wurde. Heute blicken wir nach Österreich und den unglaublichen Emanzipationsschub durch Conchita Wurst. Thomas Bernhard hätte das gefallen. Da würden wir am liebsten zurufen: «Baschi, geh und hol uns 2016 den ESC nach Liestal!»