Die Blumen sind überreicht, die Küsschen verteilt: 26 von 90 Baselbieter Volksvertretern sind diese Woche aus dem Landrat verabschiedet worden. Die einen sind freiwillig gegangen, andere wurden nicht wiedergewählt, Dritte fielen der Amtszeitsguillotine zum Opfer.

Bereits während der am Dienstag zu Ende gehenden Legislatur 2011/15 haben 23 weitere Landrätinnen und Landräte vorzeitig ihre Ledersessel geräumt und Nachfolgern Platz gemacht – meist aus beruflichen Gründen. Also werden am kommenden Mittwoch bloss etwas mehr als die Hälfte der neu angelobten Parlamentarier eine Ratserfahrung von wenigstens vier Jahren mitbringen.

Dagegen sind ein rundes Drittel blutige Anfänger, oft sogar ohne je selbst in Gemeinde- oder Einwohnerräten gesessen zu sein. Dass angesichts dieses enormen Erfahrungsverlusts der alte Zopf der Amtszeitbeschränkung wie ein Schildbürgerstreich allererster Güte wirkt, haben wir schon früher thematisiert. Weshalb es der Gesetzgeber dem Wahlvolk nicht zutraut, selbst über angebliche Sesselkleber zu entscheiden, mag verstehen, wer will. Doch darum geht es nicht.

Es geht um den Verlust an Wissen und Erfahrung; dies in einem Parlament, das bereits in alter Zusammensetzung fachlich immer wieder an Grenzen stiess und dessen Debatten sich oft wie die Wiederholung der Kommissionsberatung unter umgekehrten Vorzeichen anhörten. Jetzt, da nach schwierigen vier Jahren des Umbruchs und zahlreicher Kriseninterventionen der Landkanton eigentlich eine kontinuierliche Steigerung seiner gesetzgebenden Körperschaft verdient hätte, droht zunächst eine Wiederholung des mühseligen Lern- und Selbstfindungsprozesses, wie wir ihn ab 2011 erlebt haben.

Darum, liebe Neo-Landrätinnen und -Landräte: Lernt schnell! Stellt die Sache und nicht die Person in den Vordergrund! Und bedenkt, was es mit den Schildbürgern in Wahrheit auf sich hatte. Diese waren ursprünglich die cleversten Politiker weit und breit und wurden massenhaft von fremden Fürstenhöfen als Berater abgeworben. Erst um diesen Brain-Drain zu stoppen, begannen sie, sich so richtig dämlich anzustellen. Bis sie vor lauter Streichen ihre eigene Klugheit vergassen.

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