Keine Leidenschaft, kein Wille, keine Spielkultur. Dafür viel Unvermögen, Naivität und Formschwäche. Der FC Basel, der sich am Donnerstag gegen Apollon Limassol wohl für längere Zeit aus dem europäischen Fussball verabschiedet hat, ist ein Schatten seiner selbst. Der Umbruch, der in der zweiten Saison der Ära Burgener/Streller hätte Erfolg bringen sollen, ist eigentlich ein Abbruch.

Ein Präsident, der die Investitionen zugunsten des Gewinns zurückfährt, und ein Sportchef, dessen einstige Leistungen auf dem Platz in keiner Weise mit seiner heutigen Performance verglichen werden können, haben den einstigen Ligadominator, für dessen Selbstbewusstsein die Super League jahrelang zu klein war, in den trüben Alltag des Schweizer Clubfussballs abstürzen lassen.

Vorbei die magischen Nächte kollektiven Taumels nach einem weiteren Erfolg gegen einen europäischen Spitzenclub. Vorbei die Meisterfeiern, die zugegebenermassen mit jedem Jahr etwas von ihrer Intensität verloren.

Die Schonzeit ist vorbei

Wurde der Verlust des Titels in der vergangenen Saison noch mit Langmut und sogar etwas Erleichterung zur Kenntnis genommen, hat sich der Wind nun gedreht. Die Schonzeit für die neue FCB-Führung, die angetreten war, mit einer verjüngten, verbaslerten und vor allem günstigeren Mannschaft die Euphorie der Fans neu zu befeuern, ist vorbei. Spätestens seit Donnerstag ist das Konzept Geschichte.

Es würde nicht überraschen, wenn es Marco Streller als Sportchef auch demnächst wäre.

Die logische Folge wäre ein Marcel Koller, der wie weiland Christian Gross zum neuen starken Mann würde, dem selbst Bernhard Burgener aus der Hand frisst.

Was bleibt dem Präsidenten auch anderes übrig? Er, der den FCB auch als Anlage versteht, sieht seine Dividende dahin schmelzen. Nicht dieses Jahr, in dem er von saftigen Transfererlösen profitieren kann, aber danach. Keine Millioneneinnahmen, kein Schaufenster für Talente à la Manuel Akanji oder Mohamed Elyounoussi, also auch weniger Anziehungskraft für junge, hungrige Spieler.

Zum Glück hat die Region nicht nur ein Eisen im Feuer

Für die beiden Basel, die nicht mit und nicht ohne einander können, ist der FCB so etwas wie der kleinste gemeinsame Nenner. Wenn man über Uni-Gelder streitet, peinlich genau darauf achtet, wer von einer gemeinsamen Spitalgruppe stärker profitiert, oder Verkehrsprojekte gegenseitig abschiesst; am Ende trifft man sich beim Spiel oder tauscht sich wenigstens darüber aus. Das wird bleiben, doch das wohlige Gefühl, dies aus der Warte eines international beachteten Champions zu tun, ist weg.

Zum Glück hat Basel-Stadt, hat die Region, nicht nur ein Eisen im Feuer der eigenen Befindlichkeit. Gleichentags, wie der FCB ins europäische Niemandsland abstürzte, wurde dem Theater Basel höchste Ehre zuteil. Es gewann, nach einem zweiten Platz im vergangenen Jahr, die Champions League der deutschsprachigen Theaterszene. Mehr geht nicht. Eigentlich sollte die gesamte Stadt beflaggt sein und Intendant Andreas Beck und seine Crew auf dem Barfüsserplatz frenetisch gefeiert werden.

Beck hat geschafft, was dem FCB nicht mehr gelingt: die Zuschauerzahlen gesteigert und bei Gastspielen für Furore gesorgt. Sein Erfolgsrezept: Eine klassische Mannschaftsaufstellung modern interpretieren und dazwischen immer wieder dem kreativen Wagemut Platz einräumen. Er hat die Erwartungen des Publikums ernst genommen und es dennoch überrascht. Nicht immer holte er dabei die volle Punktzahl. Wäre Beck FCB-Trainer, man würde von erfolgsorientiertem Spektakelfussball sprechen.

Was der FCB verpasst hat

Und noch etwas hat das Theater dem FCB voraus: die Zukunftsplanung. Wenn Beck nächstes Jahr nach München wechselt und 2020 Benedikt von Peter sein Amt antritt, dann wird nicht von heute auf morgen alles über den Haufen geworfen. Der Spielplan steht, muss er auch angesichts der langen Produktionszeiten, aber der Übergang soll sanft erfolgen. Die Mannschaft wird mit Bedacht verändert, wie auch der neue Trainer auf der Arbeit seines Vorgängers aufbaut, um dann eigene Akzente zu setzen. All das hat der FCB beim Übergang von der Ära Heusler zur Ära Burgener verpasst.

Wie das Theater vom FCB profitieren könnte

Trotz der Erfolge kämpft das Theater um eine genügende Finanzierung. Denn anders als im Fussball bedeutet ein Titel nicht automatisch Mehreinnahmen. Es gibt keinen Prämientopf, keine astronomischen Transfererlöse und kein Merchandising. Das hochsubventionierte Haus ist von der Politik abhängig. Und die ist, da zwei Kantone beteiligt, unberechenbar. Da der FCB mangels europäischer Gegner weniger Sicherheitskosten verursachen dürfte, könnte man das eingesparte Geld eigentlich dem Theater zuschlagen. So wäre des einen Leid des andern Freud. Und ein Zeichen der Wertschätzung einer Region, die wie keine andere nach internationaler Ausstrahlung lechzt.