Kein Zweifel: Oliver Jacobi hat seinen Abgang primär selbst verschuldet und am Mittwoch offenbar von sich aus die Konsequenzen gezogen. Die Zutaten für den jüngsten Baselbieter Polit-Skandal, der dessen Ruf als «Bananenkanton» zur Unzeit verstärkt, waren schlicht zu gut: Ausgerechnet der Kantonsingenieur schummelt beim Bau seines Eigenheims, während er und sein Architekt in der Baukommission der Wohngemeinde sitzen, und seine Frau als Gemeinderätin dem Tiefbauwesen vorsteht. Im Minimalfall muss man Jacobi vorwerfen, dass er ohne das geringste Feingefühl und Achtsamkeit über äusserst heikles Terrain geschritten ist, im schlimmsten Fall Vertuschung und kalten Vorsatz.

Wie in anderen ähnlich gelagerten Fällen hätte es für den Kantonsingenieur nur eine korrekte Art der Reaktion gegeben, als in Seltisberg der Unmut über seinen Eigenheimbau wuchs und öffentlich wurde: sofort frewillig alle Fakten rund auf den Tisch legen, öffentlich zu Kreuze kriechen und die Missstände schnellstmöglich in Ordnung bringen; zudem allenfalls seinen Rücktritt aus der örtlichen Baukommission anbieten, was bestimmt das kleinere Opfer als die jetzige Abgang gewesen wäre.

Trennung kommt gelegen

Trotzdem: Nach der Kündigung des ehemaligen öV-Beauftragten Jörg Jermann Ende Januar ist Jacobi bereits die zweite starke Führungspersönlichkeit, welche die BUD innert Monatsfrist verlässt. Beide Abgänge sind aus fachlichen Gründen schlecht für den Landkanton. Während Jermann intern offensichtlich in Ungnade gefallen war und durch eine Reorganisation überflüssig gemacht wurde, hat Baudirektorin Sabine Pegoraro im Fall Jacobi keinen Moment lang den Eindruck erweckt, als wolle sie ihre Spitzenkraft im Tiefbauamt halten. Vielmehr scheint es so, als komme ihr die Trennung gelegen. Darauf lassen latente Konflikte und die gezielte öffentliche Rüge schliessen, die sie Jacobi vor drei Wochen erteilte, wogegen sie gestern eisern schwieg.

Abgekühltes Verhältns

Das Verhältnis zwischen Jacobi und Pegoraro dürfte sich bereits seit einigen Wochen und Monaten abgekühlt haben. In der Debatte um die Notsanierung der maroden Umfahrung Liestal war Jacobi mit einem (von Fachleuten als realistisch taxierten) Voranschlag über 10 Millionen Franken vorgeprescht, den die Regierung später auf 6,2 Millionen drückte. Einen Rückzieher schon nach wenigen Tagen machte die BUD zudem bei der Tagsanierung des Schönthaltunnels, die Jacobi aus Spargründen angeordnet und öffentlich als alternativlos bezeichnet hatte, die aber viele Automobilisten wegen der täglichen Tunnelsperrung erzürnte.

Zu einem Zeitpunkt, in welchem die Stimmung der öffentlichen Angestellten im Baselbiet durch Sparprogramme ohnehin am Tiefpunkt angelangt ist, ist Jacobis bewusst beschleunigter - oder zumindest nicht verhinderter - Rücktritt ein weiteres, ziemlich bedenkliches Signal von «ganz oben». Mindestens ebenso bedenklich wie Jacobis Verfehlungen an sich.