Ich habe letzte Woche bemerkt, dass mein Urin dunkler war als das normale Gelb. Jetzt bin ich beunruhigt. Was raten Sie mir?

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Ein dunkler Urin kann mehrere Gründe haben. Wenn der Urin stark konzentriert ist, weil man zum Beispiel nicht genug getrunken hat, wird die Farbe dunkelgelb. Auch gewisse Nahrungsmittel können den Urin verfärben, Randen verfärben ihn beispielsweise rötlich. Dunkler wird der Urin auch mit Blut, je nach Menge Blut wird er rosa, dann rötlich und schliesslich rot. Wichtig zu wissen ist, dass man bereits 0,1 ml Blut in 1000 ml (1 Liter) Urin als Rotverfärbung sehen kann.

Das Blut im Urin kann von der Blase, den Nieren, den ableitenden Harnwegen und bei Frauen auch aus dem Vaginal- und Uterusbereich kommen. Am häufigsten ist es bei Frauen sicher wegen der Menstruation.Wenn Sie einen dunklen Urin haben, empfehle ich Ihnen viel zu trinken, um einen konzentrierten Urin auszuschliessen. Bleibt der Urin auch dann noch dunkel, sollten Sie zum Arzt gehen und den Urin untersuchen lassen. Am einfachsten ist eine Sedimentuntersuchung des Urins, um eine Hämaturie, also Blut im Urin, ausschliessen zu können.

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Ausserdem stelle ich seit Kurzem krampfartige Schmerzen in meiner Lendengegend fest. Muss ich mir deswegen Sorgen machen?

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Krampfartige Schmerzen in der Lende können von der Niere oder auch vom Darm ausgelöst werden. Es kann sich aber auch um einen muskulären Schmerz handeln. Ein krampfartiger Schmerz der Niere zieht häufig in die Leistengegend. Da die Niere selber keine sensiblen Nerven hat, kann sie nicht wehtun. Allerdings hat die Kapsel der Niere sehr viele sensible Nerven und ist deshalb empfindlich. Der Ursprung liegt dann meistens in einer Kapselspannung, zum Beispiel bei Nierensteinen oder einem anderen Abflussproblem der Niere. Auch eine Nierenbeckenentzündung kann Lendenschmerzen verursachen, geht aber meistens mit hohem Fieber, Unwohlsein und Erbrechen einher. Um diese Krankheitsbilder zu unterscheiden und auch von einem Schmerz des Darmes oder der Muskulatur abzugrenzen, sollten Sie bei starken oder dauerhaften Schmerzen einen Arzt aufsuchen.

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Was sind die Anzeichen dafür, dass ich meine Nierenfunktion genauer abklären müsste?

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Leider spürt man eine schlechte Nierenfunktion nicht, denn eine abfallende Nierenfunktion verursacht keine Schmerzen. Erst wenn etwa 70 bis 80% der Nieren zerstört sind, können Symptome auftreten. Die gute Nachricht ist, dass die Natur dem Menschen sehr viel Nierenfunktion mitgibt, sodass eine Nierenfunktion von 15% in der Regel noch ausreicht, um zu überleben. Erst wenn die Nierenfunktion noch schlechter ist, muss eine Nierenersatztherapie eingeleitet werden. Dafür stehen prinzipiell die Nierentransplantation oder die Dialyse zur Verfügung. Die Symptome einer schlechten Nierenfunktion sind meist allgemeiner Art: Müdigkeit am Tag, Schlaflosigkeit in der Nacht, Mühe mit Atmen (wegen Überwässerung), Juckreiz (wegen Ablagerung von Stoffen in der Haut) sowie schwache Leistungsfähigkeit.

Diese Symptome treten meist bei einer Nierenfunktion von unter 20 Prozent auf. Bei einer Nierenfunktion von unter 30 bis 40 Prozent können Verschiebungen der Blutsalze oder des Säure-Basen-Verhältnisses auftreten. Dies macht keine Symptome, kann aber zu schweren Komplikationen wie Atherosklerose, Knochenschwund oder Herzrhythmusstörungen führen. Obwohl obige Symptome sehr allgemein sind, lohnt es sich den Arzt zu fragen, ob eine Bestimmung der Nierenfunktion sinnvoll ist. Ebenfalls sollte die Nierenfunktion regelmässig bestimmt werden, wenn Sie eine Krankheit haben, welche die Nieren angreifen kann. Am häufigsten zu nennen sind hier der Bluthochdruck oder die Zuckerkrankheit.

*Prof. Dr. med. Jürg Steiger ist Chefarzt der Transplantationsimmunologie und Nephrologie am Universitätsspital Basel.