Es ist ein bisschen wie beim Fussball: Ein Schweizer Nachwuchstalent mischt die heimische Liga auf, gewinnt die Meisterschaft und die Auszeichnung als bester Spieler – und wagt dann den Sprung in die deutsche Bundesliga.

Der rasante Aufstieg von Luna Wedler verlief ähnlich. Die 19-jährige Zürcher Schauspielerin räumte Anfang Jahr mit ihrem Film «Blue My Mind» beim Schweizer Filmpreis ab und steht inzwischen bei einer renommierten Schauspielagentur in Berlin unter Vertrag.

Dank dieser Agentur ist Wedler nun in ihrer ersten deutschen Hauptrolle zu sehen: in der Liebeskomödie «Das schönste Mädchen der Welt» (Regie: Aron Lehmann).

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In ihrer ersten Filmszene sehen wir Luna Wedler genau so, wie wir sie aus ihren Schweizer Filmen kennen: Sie schreit, kickt mit ihren Beinen wild herum und ist voll auf Konfrontationskurs.

Wedler spielt die 17-jährige Roxy, die jüngst aus dem Internat geflogen ist, und nun von ihrem Vater aus dem Auto gezerrt werden muss. Denn Roxy hat partout keinen Bock darauf, mit ihren neuen Mitschülerinnen und Mitschülern eine Klassenfahrt nach Berlin zu unternehmen.

Rasante Teeniekomödie

Ihr widerborstiger Auftritt hinterlässt vor allem bei den pubertierenden Jungs in der neuen Klasse sofort Eindruck. Allen voran bei Cyril (Aaron Hilmer), der von allen wegen seiner dicken Nase gehänselt wird.

Dicke Freundschaft: Roxy (Luna Wedler) und Cyril (Aaron Hilmer).

Roxy und der sensible Aussenseiter freunden sich schnell an, doch Cyril traut sich nicht, sie in sein grosses Geheimnis einzuweihen: Nachts stürmt er als maskierter Rapper die Bühnen – und die Herzen seiner Zuhörer.

Als Roxys Herz aber dem attraktiven, wenngleich etwas dümmlichen Rick (Damian Hardung) zufliegt, entschliesst sich Cyril dazu, in dessen Namen Liebesbriefe an Roxy zu schreiben. Denn es gilt, den protzigen Nebenbuhler Benno (Jonas Ems) aus dem Spiel zu nehmen.

Klingt irgendwie bekannt? Kein Wunder: «Das schönste Mädchen der Welt» ist eine lose Adaption der berühmten französischen Volkskomödie «Cyrano de Bergerac» (Edmond Rostand, 1897) – im Mantel einer rasanten Teeniekomödie voller Irrungen und Wirrungen.

Zum Glück ist Roxy im Film nicht bloss das Objekt der Begierde, das dem Film seinen Titel spendet, sondern eine schlagfertige junge Frau, die ebenfalls zum Mikro greift und es locker mit den männlichen Wortakrobaten aufnimmt.

Zugegeben: Wer Luna Wedlers explosiven, kompromisslosen und kräftezehrenden Auftritt in «Blue My Mind» noch im Kopf hat, wird sich fragen, ob sie mit der Rolle als Roxy nicht etwas unterfordert war.

«Roxy ist mir als Person sehr ähnlich, ausser, dass sie viel mehr Selbstvertrauen hat als ich», verriet die Nachwuchsdarstellerin kürzlich während einer Vorpremiere den begeisterten, mehrheitlich jugendlichen Zuschauern im Kinosaal.

Das schönste Mädchen kann auch rappen: Luna Wedler als Roxy.

Die enttäuschend tiefen Zuschauerzahlen von «Blue My Mind» dürfte «Das schönste Mädchen der Welt» locker übertrumpfen.

Der mediokre Film wird Wedler zwar zu keinen weiteren Preisen verhelfen, dafür aber auf die Notizzettel weiterer internationaler Castingagenten katapultieren. Auch darauf kommt es in der höheren Filmliga an.

Für Luna Wedler folgt als Nächstes aber ein Gastspiel an alter Wirkungsstätte: Im Schweizer Kinothriller «Der Läufer» (ab 4. 10.) wird sie an der Seite von Max Hubacher zu sehen sein.

Und damit an der Seite jenes Darstellers, der dieses Jahr genau wie sie mit dem Schweizer Filmpreis gewürdigt wurde. Man darf gespannt sein.

Das schönste Mädchen der Welt (D 2018) 103 Min. Regie: Aron Lehmann. Ab Donnerstag, 6. 9., im Kino. ★★★☆☆