Schön hat er’s hier, an seinem Arbeitsplatz. Aufnahmeräume mit Patina und Aussicht auf eine Gartenanlage. Im Pool dreht ein Reinigungsroboter seine Runden. Am Bassinrand ruht ein aufgeblasener Flamingo. Es sei bereits der Vierte in diesem Sommer, verrät der Gastgeber. Wir verstehen: Die aufblasbaren Flamingos haben nicht jede Pool-Party überlebt.

Wir befinden uns im denkmalgeschützten Bata-Park in Möhlin, den Schuhfabrikant Tomáš Bat’a 1932 erbauen liess. Die ehemalige Direktoren-Villa ist heute das berufliche Zuhause von Sebastian Bürgin, den alle Baschi rufen. Unter diesem Namen hat er vor 12 Jahren eine Fussballhymne heimgebracht. Zuvor war er durch eine Castingshow zum Teenietraum geworden, als es weder Instagram noch Snapchat gab. Lange her also.

Wie lange, wird einem bewusst, wenn man mit ihm über sein neues Album spricht. «1986» heisst es, sein Achtes ist es. Mit 32 Jahren blickt er auf eine Karriere voller Höhen zurück. Aber auch Tiefen. Wir erinnern uns an den gescheiterten Versuch, Deutschland zu erobern, daran, wie er zurückgeworfen wurde, auf den Boden der Deutschschweizer Realität. Das ist das Terrain des Mundartsängers, der Stephan Eicher, Züri West und Patent Ochsner bewundert, aber mit manchen seiner juvenil-frivolen Texte eher in Florian Asts Gefilden rumcruiste.

Schabernack und Selbstironie

Doch der Mann, der in Basel lebt, oder wie er es nennt, dort in einer Wohnung seine Kleider parkiert hat, hat nicht nur Sinn für Schabernack, sondern auch für Selbstironie.

Das offenbart er gleich zu Beginn seines neuen Albums: «LSG» heisst der Song, die Abkürzung steht für «Liebe, Sex und Geld». Nur darum drehe sich seine Welt, singt ein Frauenchor im Refrain. Koketterie mit Klischees und Wahrheiten betreibt Baschi da. Und hat für den treibenden Song mit Trompetenfanfaren auch noch Gastsänger dazu geholt.

«Die Idee dazu kam uns hier im Studio, in einer blauen Stunde», erzählt er. Statt selber zu singen, könnte er doch andere singen lassen. Musiker. «Me seit de Baschi isch e Schlampe, het nume dräckigi Gedanke», lautet die erste Zeile. Gesungen von Büne Huber. Später wäscht der St. Galler Punkrocker Jack Stoiker Baschi die Kappe, übergiesst ihn mit Fluchwörtern. Baschi grinst, als wäre ihm ein Streich gelungen, wenn er davon erzählt. «Jack Stoiker verkörpert das pure Gegenteil von mir. Ich war extrem freudig überrascht, dass er mitmachte. Damit hatte ich nicht gerechnet, weil ich in seinen Augen vermutlich ‹Kommerzschlampenmusik› mache.»

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Ein «Music Star», ein Posterboy, ein James Dean im Mainstream. Diese Bilder kriegt er zwar nicht mehr weg, dieser Baschi. Aber weil er sich nicht nur ernst nimmt, weil er diesen Schalk bewahrt, so zugänglich ist, sorgt er für Gesprächsstoff und Sympathiebekundungen.

Denn da ist immer auch eine Sehnsucht im Spiel, eine Ambivalenz, die ihn ausmacht. Er ist nicht einfach nur ein Strahlemann, auch wenn er sich gerne einspannen lässt für eine Fernsehstory, für eine Boulevardkampagne, für eine Fanaktion.

«Ich bin ein lieber Siech, manchmal zu demütig und dankbar für das, was ich bisher erfahren durfte. Ich dürfte noch ein bisschen bestimmter auftreten», sagt er. Warum tut er es nicht? «Ich bin manchmal zu wenig selbstsicher. Wenn man sich als normaler Bueb aus Gelterkinden für ein Format anmeldet, vom Fernsehen auf die ‹Blick›-Titelseite kommt und dann in der ganzen Schweiz bekannt ist, dann holt einen das Gefühl ein, dass man es gar nicht selber geschafft habe. Sondern nur mithilfe anderer.»

Dabei steht er ja schon auf eigenen Füssen. Hat mit seinem Kompagnon Phil Merk vor zwei Jahren das Rebel-Inc. Studio in Möhlin eingerichtet, Songs geschrieben, aufgenommen. Früher lebte er in den Tag hinein – «viel gamen und ein bisschen arbeiten». Die Studioarbeit hat ihm Verantwortung, Struktur gegeben, Disziplin auch. Ein Traumleben? Schon. «Ich wollte immer absolute Selbstständigkeit. Aber ich merke auch, dass das ein Trugschluss ist. Ich könnte nicht wie Peter Reber jahrelang segeln gehen. Wir zahlen hier Miete, müssen arbeiten.» Würde er denn gerne fortsegeln, so wie Reber, eines seiner Idole? «Ja, schon. Ich habe das Gefühl, ich sei mal ein Seemann gewesen.» Sagts und zeigt auf ein neues Schiff-Tattoo an seinem linken Arm.

Schwieriger Spagat

Man merkt: Er ist gefangen im Baschi-Dasein, würde es ganz gerne mal abstreifen. Doch es rufen Pflichten. Ein Fantelefon etwa, auf das seine Plattenfirma aufmerksam macht. Damit will man Nähe schaffen zu den Fans. Manchmal nimmt Baschi ab, wenn es klingelt. Wird ihm das nicht zu viel, diese Verfügbarkeit?

Baschi zieht an einer Zigarette, den Kopf auf den Boden gerichtet. «Doch», sagt er, «ehrlich gesagt schon. Ich bin eigentlich gar nicht so von mir selber überzeugt, habe nicht das Gefühl, dass es die Leute interessiert, was ich den ganzen Tag lang mache.»

Er möchte kein Influencer sein. «Es entspricht nicht meinem Naturell. Ich bin auf der Bühne gerne eine Rampensau. Aber ich mag auch die Ruhe, das Private. Der Spagat ist manchmal schwierig für mich.»

Ein Spagat, den Baschi seit nunmehr 15 Jahren macht. Balletttänzer leiden nach so langer Zeit oft an chronischen Schmerzen. Bei Baschi sind es Fragen, die ihn plagen. Geht das jetzt immer so weiter? Kann es das, soll es das? Alle zwei, drei Jahre neue Radiosongs produzieren, Schweizer Pop-Rock, wie er es nennt? «Mit 65 gniessi mini Freizyt», singt er im Schlusssong «Wieso i» und bereut darin, nicht früher schon im Moment gelebt zu haben. «Eigentlich träume ich davon, mal ein ganz ruhiges Album aufzunehmen», verrät er. «Doch das umzusetzen, erfordert viel Mut. Mut, den ich bisher noch nicht aufbringen konnte.»