Die Gefahr lauert im Wasser. Und sie wird grösser. Immer mehr Menschen erkranken in der Schweiz an der Legionärskrankheit. Dieses Jahr waren es bereits 294, wie die aktuellsten Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) zeigen. Damit wurden im ersten Semester 2018 schon mehr Fälle gemeldet als im ganzen Jahr 2014 (siehe Grafik unten). Beim BAG zeigt man sich denn auch «beunruhigt» über den steten Anstieg der Fallzahlen, wie es auf Anfrage schreibt.

Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs, die Dunkelziffer ist hoch. Beim BAG werden vor allem Fälle mit schwerem Verlauf gemeldet, bei denen es zu einer Lungenentzündung kommt und die mit einem Spitalaufenthalt enden. Leichte Verlaufsformen werden nicht erfasst und deren Zahl kann das BAG auch nicht abschätzen. «Wir haben die Lage nicht mehr im Griff», sagte Daniel Koch, Leiter der Abteilung für übertragbare Krankheiten beim BAG, bereits Anfang dieses Jahres zum «Sonntagsblick».

Gefährlich werden die Legionellen, also die Bakterien, ab einer gewissen Konzentration, wenn sie sich vermehren. Und das tun sie besonders gut in stehendem, zwischen 25 und 45 Grad warmem Wasser. Betroffen sind vor allem Wasserleitungen, Wasserhähne, Duschköpfe, Whirlpools oder Klimaanlagen. Angesteckt wird, wer die verseuchten Wassertröpfchen einatmet.

Der Bund hat Anfang Jahr auf die besorgniserregende Entwicklung reagiert und eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Es werde ämterübergreifend daran gearbeitet, den Anstieg der Krankheitsfälle zu stoppen, schreibt das BAG. Beteiligt daran ist auch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Die Behörden haben mehrere Studien in Auftrag gegeben, um die Problematik besser zu verstehen – sowohl auf der technischen Ebene wie auch bei der Erkrankung selbst. Denn warum die Fallzahlen zunehmen, das wissen die Behörden nicht genau. Das BAG nimmt an, dass mehrere Faktoren dazu beitragen. So etwa die Klimaerwärmung, weil es dadurch immer mehr Klimaanlagen gibt. Die saisonale und regionale Verteilung der Fälle lasse zudem darauf schliessen, dass das Infektionsrisiko vom Wetter beeinflusst werde. Eine andere Ursache könnten auch Energiesparmassnahmen sein, weswegen viele Schweizer die Wassertemperatur in den Boilern auf unter 60 Grad senken. Abgetötet werden die Bakterien erst bei höheren Temperaturen.

Seit rund einem Jahr schreibt der Bund neu Legionellen-Höchstwerte für das Dusch- und Badewasser vor. Diese betreffen jedoch nur öffentliche Einrichtungen wie Schwimmbäder oder solche, die nicht ausschliesslich privat zugänglich sind – dazu gehören beispielsweise Pflegeheime oder Hotels. Seither können die Kantonschemiker Sanierungen verlangen oder ein Dusch- und Badeverbot durchsetzen, wenn der Höchstwert überschritten wird.

Voraussichtlich Ende Sommer veröffentlichen die Behörden zudem neues Informationsmaterial mit Empfehlungen. Das BAG betont, dass vor allem immungeschwächte und ältere Personen gefährdet sind. Vorkehrungen helfen, das Risiko einer Infek- tion zu vermindern. Der Bund empfiehlt, eine Heisswassertemperatur von 60 Grad am Boilerausgang und von 55 Grad im Leitungssystem sicherzustellen. Werden die sanitären Anlagen länger nicht benutzt, sollten die Leitungen durchgespült werden.