«Es gibt Sachen, über die kann man fast nicht sprechen. Man will es gar nicht glauben.» Oscar J. Schwenk, Verwaltungsratspräsident der Pilatus Flugzeugwerke, ist auch zwei Tage nach dem Unglück sichtlich betroffen, als er gegenüber unserer Zeitung bestätigt, dass es sich beim Piloten, der beim Absturz mit seiner Familie ums Leben kam, um Reto Aeschlimann (47), den Chefpiloten der Pilatus Flugzeugwerke, handelt.

Der in Ennetbürgen wohnhafte «Aeschli», so sein Fliegername, war mit seiner Frau und seinen zwei Kindern (15 und 13 Jahre) auf dem Weg in die Ferien. «Mit dem Flugzeug, einer Socata, wollten sie vom Flugplatz Kägiswil aus eine Woche in Europa herumfliegen, unter anderem auch nach Frankreich. Er hat sich so gefreut», erzählt Schwenk. Insofern sei der tragische Unfall in den Ferien des Piloten passiert und habe mit Pilatus nichts zu tun. Die Firma sei auch nicht in die Untersuchungen zum Unfall involviert.

Wie es zum Unglück kommen konnte, sei für ihn völlig unerklärlich, sagt Oscar J. Schwenk. «Bei einem Hobby-Piloten würde man vielleicht zuerst an einen Fehler denken. Aber Aeschli war Profi und ein exzellenter Pilot.» Vermutungen, dass es heiss gewesen sei und die Maschine weniger Leistung gehabt habe, seien für ihn irrelevant. «Er kannte solche Dinge aus seinen schwierigen Tests bestens. Das war sein tägliches Brot, und auch mit dem Gebiet war er vertraut wie mit seiner Westentasche.»

«Aeschli» flog den Grossteil der PC-24 Tests

Bei Pilatus, wo die Fahnen auf Halbmast stehen, ging am Montag kein einziges Flugzeug in die Luft. Der Flugbetrieb wurde für den ganzen Tag eingestellt. «Es ist ein Schock für unsere ganze Belegschaft. Alle kannten Aeschli.» Schon am Sonntag habe er einen Aushang mit der traurigen Information für die Mitarbeiter verfasst, erzählt Schwenk.

Aeschlimann, der seit 14 Jahren bei Pilatus gearbeitet hatte, war nicht nur Chef des Flight Departements, sondern auch Cheftestpilot und damit massgeblich in die schwierigen Testflüge für den neuen PC-24 involviert. Ihm unterstand ein Team von rund 30 Personen, darunter auch die 20 Berufspiloten, die Pilatus beschäftigt. «Aeschli» war es auch, der am 11. Mai 2015 mit einem weiteren Piloten den Erstflug mit dem PC-24 absolvierte. «Das war eine Riesenfreude für ihn, die Piloten waren unglaublich stolz, nachdem wir elfeinhalb Jahre daran gebaut hatten und dann endlich erstmals mit dem PC-24 in die Luft konnten», erinnert sich Schwenk an den Moment nach der Landung.

Als Cheftestpilot flog Aeschlimann auch den Grossteil der schwierigen Versuche mit dem neuen Business-Jet selbst. «Sein Tod ist neben der menschlichen Tragödie natürlich auch ein ungeheurer Verlust für das Projekt», sagt Oscar J. Schwenk. Es gelte zwar wie immer in der Fliegerei auch hier der Grundsatz der Redundanz. In diesem Sinn erleide Pilatus zwar keinen direkten Wissensverlust. «Aber Erfahrung kann man nicht kaufen. Es geht jetzt darum, die Abläufe neu zu organisieren. Trotz des traurigen Ereignisses muss es weitergehen.»

Pilatus-Verwaltungsratspräsident Schwenk ist persönlich besonders betroffen, weil er über all die Jahre einen sehr engen Kontakt zu seinem Chefpiloten pflegte. Er habe ihn vor 14 Jahren als jungen F/A 18 Berufspiloten eingestellt. Laut Schwenk flog Aeschli auch viele Demonstrationen und Air Show-Flüge für Pilatus. Daneben sei er nach wie vor fürs Militär geflogen. Viel gemeinsame Freizeit hätten sie zwar nicht verbringen können, aber sie hätten sich oft unterhalten. «Gute Gespräche gibt es nur, wenn man sich 100 Prozent vertraut. Wir sind über die Jahre zusammengewachsen. Er hatte einen unglaublich guten, gewinnenden Charakter - er war einfach ‹en liebe Cheib›. Sein Tod tut weh», sagt Schwenk traurig.