Noch bevor Bundesrat Alain Berset die Prämien verkündet hat, ist die Visana diese Woche vorgeprescht. In einer Medienmitteilung schrieb die Berner Krankenkasse, dass «die grosse Mehrheit unserer Versicherten nur marginale Prämienanpassungen in der Grundversicherung haben wird». Unter Vorbehalt der Genehmigung durch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zeichne sich ab, dass rund drei Viertel der über 615 000 Grundversicherten der Visana Prämienerhöhungen verzeichneten, die zu einem grossen Teil deutlich unter dem erwarteten Branchenschnitt von 3 Prozent liegen würden.

Das Vorpreschen der Visana ist pikant. Das zuständige Bundesamt für Gesundheit hält auf Anfrage fest, dass die Prämien laut Gesetz erst dann veröffentlicht werden dürfen, wenn sie vom Amt genehmigt und kommuniziert wurden. Das BAG sagt jedoch nicht, ob es bei der Visana in dieser Sache interveniert hat. Das Bundesamt äussere sich grundsätzlich nicht über die Aufsichtstätigkeit bei einzelnen Versicherern, sagt ein Sprecher.

Vertreter anderer Krankenversicherer sagen jedoch, das BAG habe in der Vergangenheit wiederholt angemahnt, die Prämien für das nächste Jahr nicht frühzeitig anzukündigen. Sie zeigen sich deshalb erstaunt über das Vorgehen der Visana. Das Bundesamt für Gesundheit dürfte also keine Freude an der Mitteilung der Berner Krankenkasse haben. Derweil halten sich andere von der «Schweiz am Wochenende» angefragte Krankenkassen an die Vorgaben des BAG. «Unsere Prämien für das nächste Jahr werden erst nach der Medienkonferenz von Alain Berset Ende September veröffentlicht», sagt etwa eine Sprecherin der Krankenversicherung Swica. Erst danach würden die Prämien auf der Website aufgeschaltet. Ähnliche Aussagen machen Sanitas und Sympany.

«Nichts mit dem Gesetz zu tun»

Die Visana dagegen will nichts davon wissen, sich mit der Medienmitteilung im Graubereich zu befinden. Das Communiqué sei gesetzeskonform, sagt ein Sprecher. Da Visana keine konkreten Prämientarife kommuniziert habe, habe die Mitteilung gar nichts mit dem Gesetz zu tun. Man habe lediglich über allgemeine Trends gesprochen.

Grund für die Mitteilung sei ein gutes Jahresergebnis 2017. Diese Zahlen und die langjährige Erfahrung der eigenen Spezialisten hätten Rückschlüsse auf die Prämienentwicklung für das kommende Jahr zugelassen. Die Anzeichen moderater Prämienanpassungen hätten sich im Verlauf des Jahres verdichtet.