Die Zuschauer liegen sich jubelnd in den Armen. Sie können kaum fassen, was sie eben gesehen haben. Es läuft die 95. und letzte Minute zwischen ADO Den Haag und PSV Eindhoven. Die Gastgeber liegen 1:2 hinten, als sie einen Freistoss zugesprochen kriegen. Bei Den Haag kommt sogar Torwart Martin Hansen mit nach vorne.

Der Ball senkt sich in den Strafraum, Hansen lässt ihn zwischen den Beinen durch, lenkt mit der Hacke ab zum 2:2. Hansen erzielt damit schon am ersten Spieltag das Tor des Jahres, und das wohl das schönste Tor, das je ein Goalie geschossen hat.

«Ein verrückter Moment»

Darauf angesprochen lacht der FCB-Ersatzkeeper und sagt: «Ein absolut verrückter Moment, den ich nie vergessen werde. Wann immer ich daran denke, habe ich ein Lachen im Gesicht.» Danach wurde er immer wieder gefragt, ob er noch mehr Tore schiessen werde.

«Ja, natürlich», habe er geantwortet. Und so schickte ihn der Trainer gegen Ende Saison mehrfach bei Freistössen mit nach vorne. Geklappt hat es nie mehr. Das Zaubertor gegen PSV blieb bisher das einzige seiner Karriere.

Aber er soll ja Tore verhindern. Insbesondere heute Abend im Spiel gegen Apollon Limassol. Hält er seinen Kasten rein, ist der FCB in der Gruppenphase der Europa League. «Das stimmt, aber wer so denkt, wird passiv. Wir müssen das Spiel angehen, als ob es im Hinspiel 0:0 ausgegangen wäre und wir einen Sieg bräuchten», sagt der 1,88 Meter grosse Däne.

Er will den Sieg. So sei seine Mentalität, und die hat ihn nach Basel gebracht. «Ich habe auf Profi-Niveau noch nie einen Titel gewonnen. Das will ich ändern, bevor ich aufhöre. Das war für mich die Hauptmotivation, nach Basel zu kommen», sagt er.

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Und das, obschon er wusste, dass er beim FCB die Nummer 2 sein wird – hinter Jonas Omlin. Der 28-Jährige sagt aber: «Der Transfer zum FCB war für mich auch eine Möglichkeit, alles ein bisschen zu beruhigen und meiner Vaterrolle gerecht zu werden.» Basel ist schon die neunte Station seiner Karriere.

Angefangen hat er in Bröndby, doch schon mit 16 Jahren zog es ihn in den Nachwuchs von Liverpool. Er machte kein einziges Spiel. Sein Debüt im Profibereich gab er während einer einmonatigen Leihe bei Bradford City. Er ging zurück nach Dänemark (Viborg FF und dann FC Nordsjaelland) und dann weiter nach Holland zu Den Haag, ehe er im Sommer 2016 in die Bundesliga wechselte.

Er stieg mit Ingolstadt in die 2. Bundesliga ab und wurde danach letzte Saison zum SC Heerenveen in die Eredivisie ausgeliehen. Hansen: «Meine Frau und meine drei Kinder blieben in Deutschland. Das war nicht einfach. Umso glücklicher bin ich jetzt, wo sie mit mir in der Schweiz sind.» Ihnen zuliebe hätte er den Platz auf der Bank in Kauf genommen.

Doch weil sich Jonas Omlin vor einer Woche beim Aufwärmen verletzte und für mehrere Wochen ausfällt, rückt er unerwartet früh und lange in den Fokus. Und wenn der FCB kurz vor Schluss hinten liegen sollte, «dann würde ich alles dafür machen, um weiterzukommen», sagt Hansen. Vielleicht sogar noch einmal ein Traumtor.