Ein schriller Pfiff und dann sinken die Basler zu Boden. Die Enttäuschung ist grenzenlos. Es ist vorbei, bevor es angefangen hat. Der FC Basel scheidet gegen Apollon Limassol in den Playoffs zur Europa League aus. Nach dem 3:2-Sieg in Basel schafft es der FCB nicht, den Vorsprung über die Zeit zu bringen, geschweige denn, ihn auszubauen. Er taucht mit 0:1. Ein abgefälschter Weitschuss bringt die Entscheidung. Der FCB verlässt das internationale Parkett gesenkten Hauptes und durch den Hinterausgang.

Captain Fabian Frei steht wenige Minuten nach diesem historischen Ausscheiden vor die Mikrofone, sagt: «Das ist eine der schlimmsten Niederlagen, die ich in meiner bisherigen Karriere erlebt habe. Wir sind sehr, sehr enttäuscht. Denn man weiss, dass man versagt hat. Das schmerzt.» Noch Sekunden vorher war er in der Kabine. Niedergeschlagenheit und ein am Boden zerstörtes Team war es, was er dort vorfand. Und eine bedrückende Stille.
FCB-Trainer Marcel Koller hätte sich das anderes gewünscht: «Es wäre wichtig, dass in einem solchen Moment auch mal einer sauer ist, eine Flasche in die Ecke knallt. Aber das ist eine junge Mannschaft, vielleicht traut sich da noch keiner wirklich, so aus sich herauszukommen.»

Fabian Frei nach dem historischen Aus gegen Apollon Limassol

  

Zu naiv und zu brav

Eigentlich wollte der FCB das Spiel möglichst weit vom eigenen Tor fernhalten. Doch schon nach wenigen Sekunden schossen die Zyprioten erstmals aufs Tor. Dass die Basler nicht schon in den ersten 15 Minuten in Rückstand geraten, verdanken sie vor allem Torhüter Martin Hansen, der einen Pereyra-Schuss magistral um den Pfosten lenkt. Und dann kam auch Glück hinzu. In der 38. Minute kommt Papoulis im Strafraum völlig freistehend zum Abschluss, donnert den Ball aber an die Latte. Und kurz vor der Pause fordern die wenigen, dafür umso fanatischeren Apollon-Anhänger lautstark einen Elfmeter. Auch da hatte der FCB das Glück noch auf seiner Seite. Denn Cömert trifft neben dem Ball auch den Gegner.

«Es war fast ein bisschen naiv, wie wir in dieser ersten Hälfte auftraten», kritisierte Koller sein Team nach dem bitteren Aus. Man sei oft nur mitgelaufen, habe die Zweikämpfe zu wenig konsequent gesucht und bestritten. «Wir waren zu brav», so das Fazit des Trainers. Und: «Zugleich sind wir nie dahin gekommen, wo die Musik spielt, dahin, wo es gefährlich wird.»
In der Pause reagiert er, bringt Albian Ajeti, der erstmals unter Koller nicht in der Startelf stand, für den blassen Samuele Campo. Es kam für viele überraschend, dass der 23-jährige Campo und der erst 18-jährige Noah Okafor auf dem Flügel spielten, während Ricky van Wolfswinkel für Ajeti ganz nach vorne rückte. Koller dazu vielsagend: «Wir stellen immer so auf, wie wir denken, das Spiel gewinnen zu können. Aber nach dem Spiel ist man immer gescheiter. Ob es anders besser gekommen wäre? Wir wissen es nicht.»

«Wir haben einfach zu wenig gemacht»

Trotz des Wechels ändert sich nicht viel an der Spielanlage. Im Gegenteil: Mittelfeld-Aufräumer Kyriakou fasst sich in der 54. Minute ein Herz und zieht aus rund 30 Metern ab, Balanta fälscht ab, 1:0 für die Gastgeber. Koller wechselt weiter, bringt mit Pululu erst einen zweiten Stürmer und dann mit Bua einen weiteren Offensiven für die Schlussphase. Van Wolfswinkel kommt zu zwei guten Abschlüssen, ein Schuss aus der Distanz, ein Freistoss. Sonst ist da kaum etwas. Auf jeden Fall viel zu wenig, um Apollon Limassol in Verlegenheit zu bringen. «Wir haben einfach zu wenig gemacht», sagt Captain Frei, «wir haben viel zu schnell den Ball verloren und kamen kaum hinten raus.»

Ein europäischer Herbst ohne FCB, daran muss man sich zuerst gewöhnen. Und obwohl man nun sechs Spiele weniger hat und Koller nun intensiver trainieren lassen kann, drängt die Zeit. Der FCB ist international aus der Spur geraten, er muss aufpassen, dass er nun wenigstens national auf Kurs bleibt. Kommentar unten

Hier lesen Sie die Partie im Liveticker nach:

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